Thüringenultra 2009 – Wasserträgerreport Teil I

Von Einem, der auszog, der Ultraläuferwelt das fürchten zu lehren

4.Juli, Fröttstädt Thüringen um 4.00 Uhr. 161 Männer und 23 Frauen stürzen bei Fackelschein in die Nacht.

Startschuss für einen der schwersten und schönsten Ultraläufe Deutschlands und ich bin zum dritten Mal, wieder als Fahrradbegleiter und Wasserträger, dabei.
Doch diesmal ist es anders, meine dritte Teilnahme stand lange nicht fest. Guido, für den ich bisher immer den Bodyguard gespielt habe, ist beruflich an den Bodensee gewechselt und wird dort von den vielen Berufsschülerinnen derart auf trapp gehalten, dass er keine Zeit mehr zum Laufen hat. Nicht, das ihr das jetzt falsch versteht, Guido ist Berufsschullehrer !!!
Wie dem auch sei, so kommt das M&H Rennsteigteam erstmalig zu einer 2 x 50 km Staffel, in der Guido und Jens an den Start gehen und ich darf Fred Dell, unserem ambitioniertesten Läufer,der erstmalig teilnimmt, das Wasser reichen. Holger und Ulrich komplettieren mit den beiden Fröhlichs als Fahrradbegleiter das diesjährige M&H-Team.
Wie gut Fred drauf ist hat er bei unserem Rennsteig-nonstop-Lauf am 5./6. Juni gezeigt. Da hat er nach 137 km!!! am Inselsberg die Bergwertung (wir hatten noch Zeit, Lust und Luft gegeneinander Bergwertungen auszutragen) gewonnen(gruml,gruml).

Zusammen mit dem Fröhlichs und noch einem anderen Fahrradbegleiter fahren wir ein Stückchen bis nach Laucha voraus und warten da auf das Feld.

Ich brauch nicht lange zu warten. 3 Minuten nach uns ist schon die siebenköpfige Spitzengruppe, mit Freds leuchtendem Bi(er)athleten-Shirt in der Mitte, da.
Dann kanns ja losgehen. Die 156, später weiss ich, dass es Thomas Herget aus Fulda ist, macht ordentlich Betrieb. Die ersten 10 km mit nem 13er Schnitt. Wahnsinn, viel zu schnell. Fred lässt sich davon nicht irritieren und hält sich erstmal an den großen Favoriten, den Engländer Matthew Lynas mit der Startnummer 125 während sich Thomas ganz allmählich absetzt. Ich seh mich ein bisschen um, von den Spitzenleuten fehlen eigentlich nur der Titelverteidiger Frank Hardenack mit der 1 und Jörg Kupfer mit der 3. Neben uns noch Dirk Vinzelberg mit der 28. Nach der ersten Verpflegung schließt Frank Hardenack zu uns auf. Der scheint sich heute auch was vorgenommen zu haben und zieht gleich weiter bis zum führenden Fuldaer, der aber immer noch in Sichtweite ist. Ich liefere mir ein paar Sprintduelle mit dem Führungsfahrer von Rad-Art, Frank Humbek. Scheint so als ob ich mit dem heute länger zu tun habe, Fred ist richtig gut drauf… Nach der ersten Verpflegung wirds zum ersten Mal bergig. Der Aufstieg zum Reitzenberg… im letzten Jahr eine ganz üble, unfahrbare Schlammpassage, diesmal aber erstaunlich trocken und gut passierbar, so dass ich dran bleiben kann. Die Spitzengruppe zerfällt. Vorne Herget und Hardenack, dahinter mit einigem Abstand Fred und der Engländer. Wir sind immer noch viel zu schnell, 13er Schnitt, und so lässt Fred den Engländer am Anstieg zum Meisenstein ziehen. Ich bin vorher rausgefahren, der Anstieg hats nämlich wirklich in sich und mit dem Rad hat man hier kaum ne Chance gegen solche Cracks. Am Meisenstein ne Flasche gereicht und weiter den steilsten Anstieg der ganzen Strecke rauf zur Schwarzbachwiese und zum ersten Wechsel an der Ruhlaer Skihütte.
Erste Zwischenzeitnahme, Durchlauf in 1:58 h als 4. mit 4 min Rückstand auf die Spitze. Super, wir liegen genau auf Zeitplan. Den haben wir am Donnerstag bei nem Bier in Freds Garten ausgearbeitet. Er orientiert sich ziemlich exakt an der Siegerzeit vom letzten Jahr, dass heißt 1:58 h Skihütte, 4:11 h Floh, 6:25 h Finsterbergen, Zielzeit 8:44 h. Bis hierher Punktlandung und Fred sieht noch richtig gut aus. Ab jetzt wirds übrigens für uns ein ziemlich einsames Rennen. Den Engländer sehen wir letztmalig im Wald verschwinden, nachdem wir die Verpflegung am Gehege passieren und hinter uns liegt Dirk Vinzelberg mit 500-600m Rückstand.
Hier hab ich auch endlich wieder ein Netz und kann Holger und Doreen, Freds Frau, über die Zwischenstände vom Wechsel an der Skihütte informieren. Doreen ist happy. Das, was ich Fred ausrichten soll sag ich euch jetzt nicht und küssen werd ich Fred auch nicht…Von Holger und Ulrich höre ich nix, geht ja auch nicht, die stecken jetzt auch im Funkloch..
An den Verpflegungsstellen verlieren wir nicht viel Zeit. Fred gibt seine Bestellung auf und 2 Minuten später hat die Hausbar alles an Bord und Fred kann sich nach Lust und Laune bedienen. Essen brauch ich fast gar nicht ran zu schaffen, da ist meine Bar mit Gels und Riegelchen sehr gut ausgestattet, dafür darf ich aber um so mehr Iso und Wasser ran schleppen. Es ist verdammt schwül und dunstig und langsam bricht die Sonne durch. Bisher haben wir mit dem Wetter Glück gehabt, wenn man bedenkt, das Gewitter und Starkregen angesagt sind.
So gesprächig wie Guido ist Fred nicht, macht nichts, halt ich eben Monologe. Ab und zu antwortet er doch. An seinen Antworten kann ich sehen, wies ihm geht, noch ist alles Bestens und unser Tempo genau auf Zeitplan…Ich fahr mal vor, mal lass ich mich zurückfallen und zwischendurch kriegt Fred sein Fläschchen… Alles ziemlich entspannend. Für mich wirds erst wieder kribbelig, wenns den Jobstein rauf geht. Da werd ich dann wieder vorn raus fahren. Aber soweit sind wir noch nicht. Jetzt steht erst der Gänsberg an. An der Verpflegung vorher joggt Fred locker winkend vorbei, haben will er nix, braucht er auch nicht, Bordbistro…
Der Radweg runter nach Floh, ein richtig geiler Streckenabschnitt. Die Jungs von der Feuerwehr, die hier die Strecke sichern lassens sich richtig gut gehn. Flasch Bier am Hals und Worscht in der Faust, so kann man sichs gut gehen lassen.
Dann der 2. Wechsel. Hier ist ja noch gar nichts los. Gut letztes Jahr war ich auch anderthalb Stunden später da…
Die Wechselläufer der ersten Staffeln scharren schon mit den Hufen, wollen wissen wann ihre Läufer kommen. Beim Wasserauffüllen an der Bergwacht Hohleborn hab ich jedenfalls noch niemand gesehen. Nach hinten haben wir mindestens 5 Minuten Luft. Sieht aus, als wenn wir uns sicher auf Platz 4 einpendeln.
4:11 h, immer noch exakt auf Zeitplan, 9 Minuten hinter der Spitze und 5 Minuten hinter dem Dritten. Fred sieht super aus, aber jetzt kommt auch erst der Scharfrichter, der 6 km lange Anstieg übern Jobstein zur Ebertswiese.
Schnell Fred nochmal verpflegt und dann nach vorne raus gefahren. Die steilen Rampen geht Fred, aber wer denkt, dass das jetzt langsam ist, der hat sich getäuscht. Wenn Fred geht, speziell in solchem Gelände, sind das immer noch 7-8 km/h. Haben will er nix. Kein Wunder, die Hauptversorgung haben wir schon nach der Bergwacht auf dem Radweg erledigt. Am Jobstein überholt uns die erste Staffel Town&Country. Der Führungsfahrer für die Staffeln kommt 2 Minuten später und ist voll am Anschlag. Die arme Sau. Sowas nenne ich Arschkarte gezogen. Ständig frische Läufer und hat er ihn endlich mal eingeholt kommt der nächste Berg und fort ist er wieder. Ich fahr ein Stückchen mit bis hoch zum Rennsteig und warte auf Fred.


Mario Kalipke, Führungsfahrrad 1.Staffel,
(eigentlich mehr Führunghinterherfahrfahrrad)

Der Rad-Art-Fahrer beneidet mich aber der muss weiter. Ich kann erstmal meiner Reporterpflicht nachkommen. Doreen und Holger wollen schließlich über die Zwischenstände vom Wechsel unterrichtet werden.
Am Spitterfall bergab die erste Schrecksekunde. Fred ist auf einer der vielen Wurzeln hier umgeknickt. Stechender Schmerz im Knie, aber er reißt sich zusammen und läuft weiter. Einsam gehts durch den Spittergrund Richtung Tambach. Ich schau ihm in die Augen, er kämpft, ein paar Sorgenfalten hab ich jetzt schon…Und langsam wirds heiss. Die Sonne bricht durch…Das Wasser wird jetzt fast ausschließlich zur Kühlung verwendet. Dann Kilometer 64, die Verpflegung in Tambach, im letzten Jahr wurde hier jeder Läufer mit Name und großem Bohei empfangen. Ich sag Fred, dass er sich hübsch machen soll, Nummer richten, Bierathleten-Shirt zurechtgezupft am Bad vorbei und rein in den Ort. Doch hier ist gar nix los. Schlafen die hier alle noch ? Fred ist schon fast vorbei, da wird er endlich als Dritter angekündigt. Hä, Dritter?? Und da seh ich Frank Hardenack am Rand in aller Seelenruhe mit ner Cola in der Hand…An den hätt ich bei ner Aufgabe am Wenigsten gedacht. Hab ehr mit Thomas Herget gerechnet, (der 13er Schnitt von Anfang) aber der scheint richtig zäh zu sein. Ein innerlicher Jubelschrei… Die gütige, uns wohlgesonnene Waldfee hat uns einen Podestplatz geschenkt!
Wollt ihr ein Eis, ein Bier oder ein paar Chips?? Jetzt habt ihr Zeit dazu. Weiter gehts dann nach der Werbung…

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