Thüringenultra 2009 – Wasserträgerreport II

Pinkelpause beenden, weiter gehts…..

Schnell alle Flaschen gefüllt, da ein Schrei vom Friedhofsanstieg. Hektik um mich rum. Freds Knie, er braucht die Bandage. Schnell das Ding raus gekramt und hinterher gehastet. Soll unser Podestplatz, so schnell wie wir ihn bekommen haben, wieder weg sein?? Fred ist schon wieder umgeknickt, aber Entwarnung, es geht noch. Die Bandage wird zum Glück nicht gebraucht, ich hab sie aber jetzt in Griffweite … Langsam (7-8km/h) gehts den Anstieg zum Neuen Haus hoch. Fred nimmt Tempo raus. Geht ja, nach hinten haben wir Luft…Ich setz die Nachricht von der Aufgabe des Titelverteidigers nach hinten ab, von Freds Problemen sag ich nix. Um ihn abzulenken frag ich ihn über seine beiden achtmonatigen Töchter aus, da hat er doch gleich wieder ein Lächeln im Gesicht. Oben geht ’s wieder und an der nächsten Verpflegung seh ich auf dem Zettel die Abstände nach vorn . Matthew ist 20 Minuten vor, der ist weg. Aber Thomas liegt nur noch 5 Minuten vor uns. Seit der letzten Verpflegung haben wir 4 Minuten aufgeholt und das obwohl Fred Probleme hat. Geht hier noch was??
Der steile Anstieg zum letzten Wechsel am Schwimmbad in Finsterbergen. Fred “geht” wieder…
Oben fahr ich zur Wechselstelle vor, Wasser geht jetzt richtig gut in meiner Hausbar. Die Flaschen sind alle bis aufs letzte Tröpfchen aufgebraucht. Auch hier im Vergleich zum letztem Jahr alles noch leer. Wir sind einfach viel zu schnell für mehr Publikum. Mit Fetzerbremsung in die Verpflegung gesegelt, (das Fernsehen war da) aber noch viel wichtiger, Thomas Herget, der Zweite steht auch noch hier. 6:29 h, 5 Minuten über Zeitplan, aber das ist egal. Um Zeit geht ’s nicht mehr, nur noch um Platzierung. Mit 60 – 70 Meter Rückstand geht Fred, frenetisch angefeuert von den Erbstromtaler Schmalwaden und den Mihlaern, die auf ihre Staffeln warten, wieder auf die Strecke. Fred ab hier hast du 25 km Zeit dir den Kerl zurecht zu legen. Nach hinten sind wir sicher. Ich fahr mal nach vorne raus, die frohe Botschaft nach hinten senden, aber noch viel mehr, um mir Thomas anzusehen..
Fred, der geht auf dem Zahnfleisch, lass dir Zeit, jetzt bloß nicht übertreiben und sich mit Macht im Zweikampf verbrennen.
An dem supersteilen Downhill runter zur Straße hat er ihn und zieht gleich vorbei. Der Abstand wird ganz langsam größer und unser Wasservorrat immer schneller immer kleiner. Aber Thomas hinter uns geht es noch schlechter, Schei55e ohne Hausbar…Der Abstand pendelt sich auf 200-300 Meter ein, mal ein bisschen mehr, mal ein bisschen weniger. Zu den Verpflegungsständen hin werden die Abstände kleiner, Dank Hausbar danach wieder größer. Thomas ist ein zäher Brocken, der hat das Rennen noch nicht aufgegeben. Ne Schwächephase können wir uns jetzt nicht leisten. Fred kämpft.. immer noch 11,5er Schnitt und auf Platz 2, der absolute Wahnsinn. Friedrichroda, Marienglashöhle, Tabarz , das Knie hält, aber die Hitze…An der Treppe zum Wassertretbecken sitzt Dirk Bernkopf von der TA.


Fred winkt und joggt mit nem coolen Spruch vorbei. Dabei zeigt sich Dirk ziemlich gut informiert. Später erfahre ich, dass er ne ganze Weile mit Holger mitgefahren ist und unseren SMS-Verkehr kennt.

Thomas Herget, kurz nach dem Wassertretbecken

Aktuell 3 Minuten Vorsprung.
Am Waldrand lang, um die Wiese rum, an den Kühen vorbei nach Cabarz rein und das Wasser ist schon wieder alle. Ich beruhige Fred, in Cabarz stehn überall Schüsseln und Eimer für die Läufer auf der Straße. Wie das immer so ist, wenn mans am Dringensten braucht ist es nicht da. Kein Wasser, nirgends, nix, niente, nada…Wir sind einfach viel zu früh, die stellen hier das Wasser erst nach dem Mittag auf die Straße. Ich klingele irgendwo, Familie Holland. Ich hoff jetzt nicht, dass das ganze Dorf so heißt. Großen Dank für eure Hilfe. Ihr habt den Zweiten zum Zweiten Platz verholfen!!
Die Feld- und Wiesenpassagen werden psychologisch. Die Hitze ist jetzt der größere Gegner, obwohl Thomas Herget immer noch in Sichtweite ist.
Fred jammert aber wer jammert nach 87 km und dieser Hitze nicht?
Wir haben immer noch nen Schnitt von 11,7 km/h, Wahnsinn, Fred ist wieder schneller geworden. Der Zeitplan haut super hin. So wies aussieht werden wir zwischen 8:30 und 8:45 im Ziel sein. Der Ölberg, ein ekliger sandiger Anstieg kurz vor der 90 km Verpflegung in Langenhain. Thomas ist immer noch knapp hinter uns. Zwei Cola, ein Wasser, den Schädel in den Eimer und Fred ist schon wieder weg. Ich bleib noch ein bisschen. Flaschen auffüllen, aber wichtiger noch Abstand messen und Thomas in die Augen sehn. Zwei Minuten, aber gut sieht sein Laufstil nicht mehr aus, dem gehts noch weit schlechter als Fred. Der Schlussläufer von der USV Erfurt-Staffel zieht an uns vorbei und bestätigt mein Urteil über Thomas. Guido ruft an und will wissen wann wir da sind. Er ist ziemlich überrascht, das wir schon so weit sind. Die sind noch in Eisenach, da werden sie sich beeilen müssen, wenn sie noch rechtzeitig im Ziel sein wollen. Jetzt erfahr ich auch dass es bei ihm (Startläufer der 50er) nicht so gut gelaufen ist. Der Fahrradbegleiter hat gefehlt. Tja Guido tut mir Leid, ich kann mich nicht zerteilen und man muss Prioritäten setzen.
Kilometer 95 ist schon zu hören, rauf auf den neuen Streckenabschnitt, die Puschel-Damen winken schon…Geil.


Überraschenderweise schwächelt der USV-Läufer vor uns und Fred kann den Vorsprung halbieren. Vor lauter Puschel-winken vergessen die Mädels uns zu versorgen, der Lehrling, der noch hinterm Tresen steht wird hektisch. Macht nix, Selbstbedienung. Fred ist wieder weg. Wir sind an der Strasse, als Thomas gepuschelt wird, ein bisschen zu viel ,wies aussieht. Thomas hat den 2. Platz aufgegeben. Ich kann nicht mehr sehn, wann er los läuft. JUUUUHUUUUU, der zweite Platz ist sicher. Fred, wenn du das jetzt noch versaust, tret ich dich in den Arsch…Das Telefon klingelt pausenlos. Doreen ist dran, ich muss Fred schon wieder knutschen. Dann der neugierige Holger von weit hinten. Holger ihr könnt den Sekt aufmachen, Fred ist sicherer Zweiter. Mörderisches Gebrüll im Lautsprecher, sogar Fred hat ’s gehört.
Die lange Gerade in Hörselgau, die Bahnunterführung und Fred ist fast am USV-Läufer dran. Die schmale Schlippe, der wird doch nicht… doch Fred sprintet gegen den Staffelläufer und versaut sich damit seinen Zieleinlauf.
Die Erfurter haben ähnliche Shirts und Freds Zieleinlauf geht zwischen den vier Erfurtern ein bisschen unter. Fred das müssen wir fürs nächste Jahr üben. Aber jetzt erstmal YEEEAAAAHHHHH, YEEEAAAAHHHHH, YEEEAAAAHHHHH, YEEEEEEEAAAAAAAAHHHHHH… 8:43:30 h !!! Unter der Siegerzeit vom letzten Jahr. Wir liegen uns in den Armen. GRANDIOS.
VERNEIG, VERBEUG UND DEN HUT ZIEH..

Der Zweit- und Drittplatzierte, Fred Dell li. und Thomas Herget re.

Besser gehts nicht, naja, vielleicht doch, das bisschen, was noch fehlt machen wir dann halt nächstes Jahr. Kommentar Fred:” Nächstes Jahr greif ich an. Dann hol ich mir die 1 und bei der Endzeit steht ne 7 vorn”. Na dann…

Jetzt brauch ich erstmal ein Bier…
und Fred verschwindet nach da…

So, das war der Wasserträgerreport, Ende und aus.

PS
Matthew Lynas gewinnt mit neuem Streckenrekord in 8:09:36 h.
Die 50 km M&H-Rennsteigteam-Staffel mit Guido Nothnagel und Jens Hartung kommt als 6. nach 9:42:34 h ins Ziel und Holger Sakuth und Ulrich Meininger überqueren gemeinsam in 11:21:30 h als 34. und 35. , nach einer 25 Kilometer langen Feierorgie, die Ziellinie.

Nachtrag für Thomas Herget. Hallo, Thomas, dich hatte ich nicht auf meiner Favoritenliste, hab dich am Anfang ein bisschen unterschätzt. Tut mir leid, kommt aber nicht mehr vor, versprochen. Jetzt bist du ganz dick markiert. Freu mich schon auf nächstes Jahr. Hoffentlich dann wieder mit so nem tollen Zweikampf, dann aber um Platz Eins und Zwei…

Nachtrag für Dirk Bernkopf. Ich hab Holger und Uli in letzter Zeit ständig mit griechischen Wörterbüchern gesehen. Was das wohl zu bedeuten hat??

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5 Antworten zu Thüringenultra 2009 – Wasserträgerreport II

  1. Elke Ziegler schreibt:

    Ich hoffe, Ihr habt den genialen Wasserträgerreport auch an meinen Kollegen Dirk Bernkopf gesendet. Entweder: eisenach@thueringer-allgemeine.de oder gotha@thueringer-allgemeine.de

  2. Micha Pflügner schreibt:

    Hallo Uwe – super Dein Bericht – hab Euch aus dem eher kühlen Schottland an diesem Tag nicht beneidet – und konnte in Deinen Zeilen tolle Erinnerungen an jeden km aus 2008 hervorkramern- eigentlich müßten wir für nächstes Jahr einen neuen Begriff prägen:
    Es begleiten die “Hundertwasser”-träger
    Gruß Micha aus Tautenhain

  3. Antje Nothnagel schreibt:

    Hallo Uwe,
    bist ja wirklich mit einem ungeahnten Talent gesegnet!!! Wir sind stolz auf Dich. Macht wirklich Spaß, Deine Berichte zu lesen.
    Lg Antje

  4. Uli vom M&H Rennsteigteam schreibt:

    Moin Uwe,
    ich habe mir Deinen Bericht soeben zum wiederholten Male durchgelesen und es war wieder total spannend – obwohl ich mich erinnere, wie es ausging.
    In der Absicht/Hoffnung nächstes Jahr ein bißchen eher im Ziel zu sein – aber Hauptsache der 4. Stern wird errungen
    Uli, die Startnummer 12 us Köllen am Ring

  5. physioterrorist schreibt:

    Die Absicht hat Fred auch…Ne Dreiviertelstunde, um genau zu sein…

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