Rennsteig nonstop in 24 Stunden – Teil IV


Oh, ihr wartet alle gespannt? Na dann…Holger drängelt sowieso schon…der Zeitplan. Weiter geht ’s die Straße lang Richtung Großer Dreiherrnstein. Meine Hausbar ist jetzt der absolute Renner. Salzstangen gehen wie verrückt…Es ist saukalt. Ich zittere mich zu jedem Anstieg und bin froh, wenn ’s mal bergauf geht. Dann fahre ich vorne raus, nur um ein bisschen warm zu werden. Fred gibt das Tempo vor. Die Gruppe zerbröselt jedes mal, wenn Fred anzieht. Aber die Kälte verlangt einfach nach Bewegung. Ich bleibe bei Fred. Sind immer noch ne Menge Disco-Fahrer unterwegs. Kann Einem ganz schön Angst machen, wenn die Burlis hier mit Höchstgeschwindigkeit auf uns zu geschossen kommen. Nach einer Stunde sind wir am Parkplatz Großer Dreiherrnstein. Der Reißverschluss meiner Jacke hat sich nun endgültig verabschiedet. Ich zieh die Jacke drunter und mein Shirt drüber, so bleibt die Jacke wenigstens halbwegs zu. Sieht komisch aus, ist aber so…15 Minuten Pause. Corsa 1 kommt wieder zum Einsatz. Kohlenhydrate, Heiße Brühe…der Rest vom Geburtstagssekt wird auch noch vernichtet. Plötzlich Blaulicht. Wald-Sheriffs brausen die Straße lang. Was die wohl suchen? Hat da vielleicht ein aufgeregter Autofahrer…Tz,Tz,Tz. Na ein Glück, dass wir grad hier ne Pause machen. Sonst hätte vielleicht unsere gemeinnützige Geburtstagsfeier auf irgendeiner hinterwäldlerischen Polizeiwache ein unrühmliches Ende genommen. Mit einer Minute Verspätung zum Zeitplan geht ’s wieder auf die Strecke.
Fred friert genauso wie ich und so kommt ’s, dass wir nach wenigen
Minuten wieder allein sind. Ein langes Bergabstück Richtung Allzunah…Ich steige ab und jogge 500m neben Fred her. Irgendwie muss ich meinen Kreislauf auf Betriebstemperatur bringen. Fred ist der Meinung, dass sich das Geklapper meiner Radschuhe fürchterlich schwul anhört. Na gut, länger hätt ich ’s sowieso nicht ausgehalten und zum Laufen sind die Dinger auch nicht wirklich gemacht. Berghoch gehen wir. Wir wollen die Anderen wieder aufschließen lassen. Aber schneller sind die Hinten nicht und es dauert fast ne Viertelstunde bis hinter uns die Stirnlampen von Ulrich und Jens auftauchen. Olaf hat Schwierigkeiten. Holger und Mengsi bilden mit ihm den Schluss.
An Allzunah vorbei geht ’s Richtung Bunkermuseum, einem ehemaligen Stasi-Bunker der Suhler Bezirksleitung. Am Bahnhof Rennsteig vorbei… die Straße scheint kein Ende zu nehmen. Wenn nur dieser eklige Wind nicht wäre. Wir quatschen ein bisschen über unsere diesjährigen Vorhaben. Bei mir stehen noch das Bike-Festival in Willingen, die Salzkammergut-Trophy und der EBM auf dem Programm. Fred will dieses Jahr am Ultra teilnehmen und Guido, für den ich bisher immer den Bodyguard gespielt habe, hat mir immer noch nicht gesagt, ob er dabei ist oder nicht. Tut mir Leid Guido, aber in diesem Moment hast du deinen Fahrradbegleiter für den ThüringenUltra verloren. Im Nachhinein ja dann auch genau die richtige Entscheidung.
Die nächsten 10 km bis zum Großen Beerberg geht es stetig bergauf. Jetzt wird ’s psychologisch und Olaf ist immer schlechter drauf. Die Kälte und der Wind macht allen zu schaffen. An der Schmücke wartet Corsa 1 mit einer weiteren Verpflegung. Am Mordfleck fahr ich voraus um Jörg bei den Vorbereitungen zu helfen. Endlich kann ich mal richtig fahren. Das letzte Stück ist ziemlich steil. Ich bin froh, so werd ich wenigstens warm aber für die Läufer ist es Böse, zumal ja schon einige Kilometer in den Beinen stecken. 100 um genau zu sein. An der Schmücke ist es noch windiger als vorher schon auf der Strecke. Langsam trudelt alles ein, nur Olaf, Holger und Mengsi fehlen. Endlich tauchen sie auf, aber ne Pause will Olaf nicht machen. Ob das gut geht?
Die Heiße Brühe ist wieder der absolute Renner. Die Stimmung ist auf dem Tiefpunkt. Jeder hat nur mit sich zu tun. Von Micha krieg ich so ne Einweg-Regenjacke. Ich brauch irgendwas gegen diesen fiesen Wind.
Weit kommt Olaf nicht mehr. 300m hinter der Schmücke bricht er zusammen. Konfusion und Hektik. Corsa 1 muss ran. Alle schleppen sich schweigsam den Großen Beerberg hoch. Jeder hätte aussteigen können, nur Olaf als Hauptperson nicht. Naja, wenn ’s nicht mehr geht… Zwingen kann man ’s nicht. Vielleicht erholt er sich ja, wenn er jetzt erst mal ne längere Pause hat.
Im Osten wird ’s langsam hell, Dämmerung.
Am Rondell sind erstmals wieder Fotos drin.

Über die Fußgängerbrücke hoch zum Stein 16 und dann bergab zum Grenzadler. 4:50 Uhr. In der Grenzbaude werden wir mit einem fürstlichen Frühstück erwartet.

Holger gibt 10 Minuten vor, aber ehrlich wie soll man denn das alles in 10 Minuten schaffen? Das Empfangskommitee um Corsa 1 mit Jörg und Olaf ist um Karl-Heinz, Hartmut, Wulf und Fanja erweitert worden. Olaf will wieder einsteigen, aber unterbrochen ist unterbrochen. Ob jetzt 5 oder 20 km fehlen ist egal. Deshalb plädieren alle dafür, dass er erst wieder an der Neuen Ausspanne einsteigt. Ich glaube Olaf war heilfroh, dass er noch ein bisschen länger Pause hat.

Dafür verstärken jetzt Karl-Heinz, Hartmut und Wulf unsere Läuferschar. Während Karl-Heinz und Hartmut an der Neuen Ausspanne wieder aussteigen werden, läuft Wulf bis zur Hohen Sonne und wird dort von Fanja abgelöst. Der Sonnenaufgang und das phänomenale Frühstück tragen doch erheblich zur Verbesserung der Stimmung bei.

Und endlich wird ’s auch wieder wärmer. Naja, son gaaanz, gaanz kleines bisschen vielleicht…
Olafs Schwächeanfall hat uns ordentlich Zeit gekostet. 35 Minuten hinter dem Zeitplan.

Fred und Wulf machen Spur dahinter folgen Jens, Ulrich, Karl-Heinz und Hartmut. Den Schluss bilden Holger, Mengsi und Micha. Schnell zieht sich das Feld wieder auseinander. Karl-Heinz und Hartmut pendeln immer zwischen den Gruppen hin und her. Ich pendele auch. Während sich Mengsi und Micha um Holger kümmern, der sich jetzt auch ne Krise nimmt, versorgt meine Hausbar den Rest. Mir isses recht. So kann ich immer wieder zwischen den Gruppen ordentlich Gas geben. Warm ist nämlich immer noch anders. So geht ’s dahin, vorbei am Gustav-Freytag-Stein, der Donnershauk wird links liegen gelassen, am Wachsenrasen vorbei hoch zum höchsten Punkt der Sperrhügel, der Schmalkalder Loibe. Ich bin mal wieder auf dem Weg nach vorn zu Fred. Unterwegs passiere ich Karl-Heinz und Hartmut…,

…die unbedingt zu Fred und Wulf aufschließen wollen. Ich erzähl es vorne Fred. Fred sieht Wulf an, Wulf sieht Fred an, alles klar. Die zwei werden es nicht schaffen!! Fred ist richtig gut drauf. Ich fahre Bergwertungen. Irgendwann springt Fred drauf an und sprintet mit. Irre, aber hier hat er keine Chance, zu flach. Wir verabreden uns zum Showdown am Inselsberg. Ne Chance hab ich da eigentlich nicht. Egal, der olympische Gedanke zählt. Noch gewinne jedenfalls ich…Die Abfahrt vom Krämerod zur Neuen Ausspanne lass ich ’s laufen. So kommt ’s, dass ich als Erster am Parkplatz der Neuen Ausspanne, unserem nächsten Verpflegungspunkt, eintreffe. Empfangen werde ich von Guido, der hier einsteigt und bis Hörschel mitläuft, Olaf und Jörg mit Corsa 1 und den Eltern von Mengsi.

Die haben hier ein Frühstück vom Feinsten auf getafelt. Kaffee, Kuchen alles da, wie im Schlaraffenland.

Familie Mengs

Wenig später trudeln Fred und Wulf ein. Es ist 6:40 Uhr. Fred und Wulf sind wieder voll im Zeitplan. Auf den letzten Kilometern vom Grenzadler bis hier her haben die zwei 35 Minuten gegen den Zeitplan raus gelaufen.
Jens ist der Dritte, danach sind Hartmut und Karl-Heinz da. Dann Ulrich… und Holger darf seinen ersten Kaffee 20 Minuten nach Fred schlürfen.

Wirklich gut sieht er nicht mehr aus, aber er beißt…
Während Holger grade eintrudelt, telefoniert Fred schon mal nach Hause…

Da hier alle grad fürstlich spachteln nochmal ne letzte Werbepause…

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4 Antworten zu Rennsteig nonstop in 24 Stunden – Teil IV

  1. Holger Sakuth schreibt:

    Hallo Uwe,
    wozu so ein Regentag doch gut ist … Wieder sehr schön! Die Erinnerung ist noch da und wird wieder mal aufgefrischt.
    Temperatur war nachts fast durchgängig 3 Grad (Mengsi hatte das Thermometer am Fahrrad). Und Tags wurde es bis zum Ziel auch nicht wärmer als 5 Grad (und das Anfang Juni).
    Für alle die nicht dabei waren: Olafs “Zusammenbruch” war nicht so, dass er umgefallen ist. Es ging kräftemäßig nicht mehr und so hat sich Olaf mal etwas auf dem Waldboden zum Ausruhen hingelegt. Und dann haben wir gemeinsam überlegt, wie es weitergehen könnte. Die Pause an der Schmücke hätte leider auch nicht geholfen, wegen dem von Uwe beschriebenen eiskalten Wind. Er wäre nicht mehr warm geworden und die anderen auch nicht. So war die Überlegung, die Pause auszulassen und langsam weiter zu gehen in der Hoffnung, dass wir es so irgendwie bis zur Schanzenbaude (WÄRME!!) schaffen. Da essen und trinken bei Olaf auch nicht mehr ging, habe ich versucht, ihm nach und nach eine schokoüberzogene Rosine nach der anderen zu geben.
    Respekt dann für Olafs Entscheidung in das Auto zu steigen und die anderen wieder zum “warmlaufen” auf die Strecke zu schicken.
    Ich musste mich dann sputen, die anderen wieder einzuholen. Ich bin mit Fahrradcoach Micha erst los als Olaf an Corsa 1 übergeben war, da waren die anderen schon wieder unterwegs. Aber genau wusste ich das nicht, dass die anderen im Dunkeln vorbei sind, denn zum Auto musste ich vom Rennsteig weg an die Straße. Und wie es in so einer Situation kommen musste, keiner geht ans Handy. So haben wir “gepokert” und angenommen, dass die andern schon vorbei sind und sind dann auch noch mal ran gekommen.
    Und noch was zum Schluss: Noch mal herzlichen Dank an Mengsis Eltern für das köstliche Frühstück!!!!
    Holger aus Eisenach

  2. Uli vom M&H-Rennsteigteam schreibt:

    Schon sind drei Monate vorbei !
    Aber Dein Bericht, lieber Uwe, macht die Erinnerungen wieder lebendig.
    Ja, der nächtliche VP (= Verpflegungspunkt) auf der Schmücke war ja gut gemeint, aber es war so kalt, man war so durchgefröstelt, dass man Mühe hatte, die (wirklich leckere) heiße Brühe überhaupt konsumieren zu können.
    Dann die “Kaffee”pause in der Schanzenbaude – die Geschäftstüchtigkeit der Wirtin machte daraus das Luxus-Frühstück I – und schließlich das Familie-Mengs ’sche Luxus-Frühstück II – das war toll! Vielen herzlichen Dank!

  3. Olaf Sakuth schreibt:

    Ja, ich habe ge-losed (uli wird jetzt bestimmt über diese wortkonstruktion den kopf schütteln), aber ging nicht mehr. tut mir leid!!! könnte mir immer noch in den arsch beißen, aber ich komme nicht ran. irgendwann muss ich die strecke dann noch einmal angehen und dann auch schaffen. wann, weiß ich heute noch nicht. uwe würdest du unter umständen, vielleicht, wenn du zeit hast und wenn es wärmer ist wieder mit deiner hausbar mitmachen??
    uwe, der bericht wieder ein lesegenuss und so konnte ich meine erinnerungen wieder auffrischen, so als wäre es gerade gestern gewesen. einfach famous geschrieben, respekt und ich verneige mich, auch aus dankbarkeit bei allen die mitgemacht und mitgeholfen haben. danke an familie mengs, ein tolles frühstück. nur leider konnte ich gar nicht soviel essen, wie da war. leider, schade und tupperware hatte ich natürlich mal wieder nicht mit dabei. genau wie beim frühstücksimbiss in der schanzenbaude.
    VIELEN DANK NOCH MAL AN ALLE!
    olaf aus potsdam

  4. physioterrorist schreibt:

    Kein Problem, sag wann und die Hausbar ist dabei…

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