Eisenacher Trailschaukel

Eigentlich sollte dieses Wochenende (7./8.11.) der zweite Teil der Jenaer Horizontale unter die Stollenreifen genommen werden. Aber Sonntag konnte ich dank freundlicher Unterstützung meiner Ex nicht und Crusher war Samstag schon verplant. Also Terminverschiebung. Was tun? Samstag hatte ich Zeit für ne Eisenacher Runde, aber allein wollte ich nicht fahren. Also Rundruf in der Eisenacher Bike Community und siehe da, Sebastian hatte Lust und Zeit.Und so sollte es sein.
Mein Plan:
Start: Bahnhof
Dauer: 3-4 Stunden (evtl.13-17 Uhr)
geplanter Streckenverlauf:
Bahnhof-Burschenschaftsdenkmal-Mosbacher Linde-Drachenstein-Mariental-Herzogseiche-Johannistal-Metilstein-Wartburg-Sängerwiese-Hohe Sonne-Wilhelmsthal-Hirschstein-Drachenstein-Johannistal-Burschenschaftsdenkmal-Bahnhof

(natürlich geht ’s nicht über die breiten Wege, sondern über die Schmalen daneben!!)

Länge: je nachdem, wie viel davon gefahren wird 30-50 km
hm : 1000+

Das ist ne ganz hübsche Runde mit sehr hohem Trailanteil (ca.80 %)und tollen Ausblicken auf Burg, Stadt und Umgebung.

Am Ende waren es dann 39 km mit 1400 hm nachdem wir uns ziemlich exakt an die vorgeplante Strecke gehalten hatten. Allerdings war die Zeit etwas knapp bemessen. Beim nächsten Mal müssen wir früher starten, die letzte halbe Stunde war von den Lichtverhältnissen her doch recht grenzwertig, dann muss man auch nicht so hetzen und kann noch einen Verpflegungsstopp auf dem Markt, der Sängerwiese oder der Hohen Sonne einlegen.

Los ging ’s also 13.00 Uhr am Bahnhof. Sebastian ist pünktlich und schon sind wir im ersten Trail. Gleich hinter dem Waldorf-Kindergarten geht ’s links rein. Ein ganz hübscher Uphill-Trail unterhalb des Galgenberges, der sich am Rande des Stadtparks bis hoch zur Bornstraße zieht. Über die Kastanienallee zum Burschenschaftsdenkmal und schon stehen 100 hm auf der Uhr. Kalt sind wir nicht mehr, Die Steigung war für den Anfang doch ganz ordentlich… Über die Bornemann-Promenade Richtung Mosbacher Linde. Von da geht ’s über die Weinstraße zum Drachenstein, dem mit 471 m höchsten Punkt der Eisenacher Umgebung.

Von hier oben hat man einen herrlichen Blick Richtung Osten auf die Hörselberge, den Meisenstein, den Inselsberg und den Alexanderturm. Von hier gehen 3 Lines bergab, 2 davon fahren wir heute. Die Erste ist gleich eine der Highlights der Tour, die Abfahrt über die Wolfslöcher in die Landgrafenschlucht. Los geht ’s Richtung Hohe Sonne mit ner schnellen Abfahrt über die Weinstraße in die Wolfslöcher. Das viele Laub macht die Sache heute ein wenig tricky. Man kann die Linie nicht richtig sehen und unter dem feuchten Laub verstecken sich oft Äste, Wurzeln oder Steine. Unten in der Schlucht zieht sich der Trail mal rechts, mal links teilweise ziemlich schmal und ausgesetzt an der Klamm entlang.

Definitiv nichts für Leute, die nicht schwindelfrei sind. Zwischen drin ne Bergauftragepassage über eine Holztreppe.

Nach der zweiten Treppe geht ’s dann fluffig ohne größere Hindernisse weiter und am Parkplatz an der Drachenschlucht spuckt uns der Trail dann mit nem breiten Grinsen auf den Backen aus. Wow.
Aber lange Ausruhen können wir nicht. 200m auf der Wichmann-Promenade Richtung Prinzenteich, dann rechts weg und schon geht ’s wieder über den Dornheckenweg stramm bergauf. Ne einfache Runde ist das nicht. Die Trails sind alle mit ordentlich Höhenmetern erkauft und flache Passagen sind eher selten. Entweder Steil rauf oder runter, was dazwischen gibt es nicht. Am Ende der Rampe in einer Linkskurve geht es sofort links ne 2m Böschung hoch an einer zerfallenen Bank vorbei in den nächsten Hammer-Trail.

Hier beginnt der Weg zum Breitengescheid. Zunächst schlängelt sich der Pfad leicht bergauf bis zum Rudolfstein, einer ehemaligen Burgstelle aus der Zeit der Erbfolgekriege um 1259.

Der Trail geht rechts weg und wird wieder schmal und ausgesetzt.

Ein kurzer Uphill und wieder links in den Trail. Oben können wir einen phantastischen Blick auf die Wartburg, die Eisenacher Burg und das Mariental tief unter uns genießen.

Weiter geht ’s immer an der Kante lang bis zum Falkheim, Eisenach hat uns wieder.
Ne unbefestigte Straße runter und gleich wieder rechts in einen Hohlweg. Der Hohlweg spuckt uns auf der Speßardtstraße aus. Über die Ziegerstraße bis zur Kapellenstraße rechts rum bis zum Ende und dort rechts hoch. Der nächste Uphill. Zunächst auf Asphalt recht gemächlich bergauf, dann im Wald immer steiler werdend. Ein richtig schönes, einsames Felsental zwischen Ludwigsklamm und Breitengescheid. Die Wildschweine haben hier ganze Arbeit geleistet, dazu überall Äste. Das macht den Anstieg nicht leichter. Ich hab Mühe auf dem Bike zu bleiben. Sebastian hat auch schon ne ziemlich rote Birne. Immer wieder rutscht das Rad durch. Endlich oben , auf der Hälfte zwischen Breitengescheid und Herzogseiche ,geht es nach links Richtung Herzogseiche bis zum Abzweig zur Ludwigsklamm und dem 7-Täler-Trail. Ein Moment zum Verschnaufen. Dem 7-Täler-Trail folgen wir bis zum Beginn des unteren Abschnittes des Downhills, dem wir links einbiegend folgen. Zwei Sprünge über quer liegende Bäume, die aber umfahren werden können. Danach ein felsiges Steilstück mit ner fiesen , tiefen Spurrille. Normalerweise fahrbar, heute steig ich jedoch durch das viele Laub und herabgefallene Äste über den Lenker ab. Shit Happens, aber zum Glück nix passiert. Der Rest ist recht schnell und gut zu fahren und am Spielplatz im Johannistal geht ’s über die Straße auf die Promenade und Richtung Stadt. Wieder ein kleiner Moment zum Verschnaufen bevor es den Fußweg zur Wartburg am Reuter-Wagner-Museum bis zur Eselsstation hoch geht. . Oben geht ’s gleich wieder rechts am mit einem Holzgeländer abgesperrten Bereich ne breite Schneise runter. Anfangs gar nicht als Weg zu erkennen wird ’s nach 40-50 hm bergab ein feiner Trail, der sich an den Felsen entlang leicht bergauf um den Metilstein herum windet. Nach der Querung eines Hohlweges ein kleines Schiebestück,

erst bergab durch eine Schlucht, dann auf der anderen Seite steil bergauf durch ne 60 cm schmale Felsspalte. Breite Lenker haben es hier schwer. Kurzes Verschnaufen, bevor es den Weg kerzengerade bis zum ehemaligen Licht- und Luftbad und da am alten Bretterzaun hoch bis zum jetzt leerstehenden ehemaligen Ferienobjekt Roese’sches Hölzchen geht. Auf dem alten Plattenweg Richtung Wartburg und dann rechts rum auf den Gipfel des Metilstein. Das waren wieder ordentlich Höhenmeter. Auf dem Felsen hat man eine grandiose Postkartensicht auf die Wartburg. Wir stopfen erst einmal ein paar Kohlenhydrate in uns rein und genießen die schöne Aussicht. Von hier gehen mehrere Linien unterschiedlicher Schwierigkeitsstufen talwärts. Wir nehmen die in westlicher Richtung, biegen auf den Rundwanderweg ,vorbei an Mönch und Nonne, Richtung Roese’sches Hölzchen ein, zweigen links ab und donnern runter bis oberhalb der kleinen Neustadt. Dort queren wir den Felshang und werden direkt auf dem alten Friedhofsvorplatz ausgespuckt. Ein richtig schöner, schneller Trail, der quasi mitten in der Stadt endet und zu nem Feierabendbier auf dem Markt einlädt. Wir haben dazu aber heute keine Zeit. Wir überqueren den Platz und strampeln über den Steinweg die ganzen schönen Höhenmeter wieder rauf bis zur Eselsstation. Hier ist aber noch nicht Schluss. Der finale Anstieg bis zur Zugbrücke der Burg über den Fußweg wartet noch. Hier gibt ’s naturgemäß ne Menge Touris. An der Schanze gönnen wir uns ne kleine Verschnaufpause und einen Blick über die Stadt. Unter der Zugbrücke durch die Serpentinen runter bis zum Abzweig. Rechts die Treppen hoch und nach 60m rechts nem Abhang hoch und auf der anderen Seite in einen Hohlweg bergab. Nach 150m beginnt rechts ein schmaler, anfangs kaum sichtbarer Weg, der sich an den Felsen unterhalb der Burg entlang schlängelt. Die Wartburg-Stiftung ist zur Zeit dabei, die alten verfallenen Wege in unmittelbarer nähe der Burg wieder herzurichten. Das hier ist einer davon.
Am Abwassersammler der Burg landen wir auf dem Weg zur Sängerwiese und folgen bis zum höchsten Punkt des Weges an der Eisenacher Burg. Das letzte Stück über ne Felspassage müssen wir schieben, bei trockenem Wetter fahrbar, aber heute zu glitschig. Wenn das Hinterrad einmal durchdreht ist Feierabend. Hier oben geht ’s links an der Bank vorbei zum nächsten Highlight. Der Trail führt zunächst an der Felskante entlang, um dann ziemlich steil durch 2 Felsformationen abzufallen. Durch die Blidenstatt der Eisenacher Burg weiter bergab. Dann fluffig und ausgesetzt an der Felskante oberhalb des Marientals, an Waidmanns-Ruh vorbei

zur Sängerbank und dort Richtung Sophienaue bis zum ersten Haus und dann rechts weg an den Felsen entlang bis runter zum Bach und vor bis zum Eingang der Drachenschlucht. Genial.

Zeit zum Ausruhen bleibt aber nicht. Über die Straße und dort oberhalb der Straße hoch zur Hohen Sonne.

Der erste Teil ist ziemlich steil, felsig und mit Natur- und Holzstufen durchsetzt, aber fahrbar. Danach zieht sich der Weg mit angenehmer Steigung immer neben der Straße weiter hoch, quert einmal die Straße und schon sind wir oben und haben 200 hm mehr auf der Uhr. Um vier. Wir machen einen Getränkestopp. Viertel 5 fahren wir weiter. Jetzt müssen wir uns beeilen, um 5 ist es dunkel. Der nächste Trail steht an. Diesmal runter zur Hochwaldgrotte. Der Vorletzte des Tages. Zuerst über die Straße, dann direkt an der Straße entlang bis zur ersten leichten Rechtskurve.

Dort links weg, kaum sichtbar, führt der Trail relativ gerade durch den Hochwald bis zu einer Senke, die ein bisschen Mut erfordert. Unvermittelt geht es steil, leicht talwärts hängend und wurzeldurchsetzt, auf der einen Seite runter und auf der Anderen wieder rauf. Wer hier bremst landet im Wald. Am Abzweig rechts den Felsenpfad runter. Die folgende Serpentine wird verweigert.

Die hab ich bis jetzt leider noch nicht geschafft, aber ich arbeite dran. Danach geht ’s schnell mitten in die Hochwaldgrotte,

ein Stück bergauf und über die Holzbrücke.

Danach das nächste technische Sahnestückchen. Ne alte in den Fels gehauene Steintreppe mit drei 90 Grad Richtungswechseln.

Einmal hab ich ’s schon geschafft, aber heute nicht. Nach der ersten Kurve Einschlag im Fels, Shit, drei Schrammen mehr, macht aber nix, beim nächsten Mal probier ich ’s wieder. Danach geht ’s schnell und fluffig bergab. Noch ne Holzbrücke und wir sind unten. Auf der anderen Seite die ganzen Höhenmeter wieder rauf bis zum Rennsteig am Hirschstein und weite rüber die Weinstraße zum Drachenstein. Hier beginnt der für heute letzte Trail. Für mich der Lieblingstrail, den ich eigentlich immer dabei habe. Los geht ’s in Richtung Mosbacher Linde bis zur Schutzhütte an der Weinstraße, 100 m die Weinstraße runter, dann nach links auf den Trail, der sich ne Weile neben der Fahrstraße hinzieht und dann nach links zur Herzogseiche wegbricht. Hier wird ’s wieder schmal und ausgesetzt. Vorsicht vor den unübersichtlichen Kurven, der Trail wird auch von Wanderern und Bikern in entgegengesetzter Richtung genutzt! Wow, bis zur Herzogseiche schnell mit viel Flow wird ’s ab hier technisch.

Gleich hinter dem Baum geht ’s über ein Steilstück abwärts, um den Felsen rum, noch ein nur reifenbreites Steilstück, über ne in den Fels gehauene Steintreppe immer weiter danach ausgefahren und wurzelig bergab. Hier wäre was Gefedertes ganz schön, ohne wird man ganz ordentlich durch gerüttelt.

Auf dem 7-Täler-Weg ne kurze Verschnaufpause, hier waren wir heute ja schon mal. Der Weg von der Herzogseiche bis hierher soll wohl Räuber-und Gendarmen-Weg heißen, aber so eine Flurbezeichnung ist mir bisher noch nicht untergekommen. Aber egal wie der Weg heißt, fahren lässt er sich richtig geil. Diesmal lassen wir den Downhill links liegen und fahren den 7-Täler-Weg weiter. Jetzt wird ’s wieder schön schnell,ausgesetzt und fluffig.

Über nen kleinen Gegenanstieg geht ’s hoch zum Sengelsbach , über einen Holzsteg und wir sind wieder an der Bornemann-Promenade vom Anfang. Normalerweise geht ’s jetzt über die Bornemann-Promenade zum Burschenschaftsdenkmal, die Kastanienallee runter und über den Trail vom Anfang am Waldorf-Kindergarten vorbei zum Bahnhof. Mittlerweile ist es aber schon 5 und so dunkel, dass wir die schnelle Variante über die Wiesen zum Stadtpark wählen. 10 nach 5 sind wir unten. Am Kindergarten hätte sich Seb beinahe noch geschmissen, eine eklig gepflasterte Querrinne, ich hab ’s nur scheppern hören. Zum Glück konnte er sich noch abfangen. Das hätte noch gefehlt, das sich einer zum Schluss noch was tut. Ziemlich geschlaucht geht ’s nach Hause.

Fazit: Ne konditionell anspruchsvolle Runde, die auch technisch Einiges zu bieten hat.
Rechnet man die Höhenmeter auf 100 km um, kann sich die Runde mit jeder Alpenetappe messen.
Prädikat absolut empfehlenswert, muss man gefahren sein.

Die GPS-Daten zur Tour gibt ’s hier

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3 Antworten zu Eisenacher Trailschaukel

  1. Hardtailman schreibt:

    Hi Physio,
    wie immer geiler, sehr fahrtechnisch beschriebener Bericht! Macht Lust auf mehr….
    Wenn Du wieder dort rockst denke an mich. Schöne Grüße von dem an seiner Form mittlerweile wieder auf der Rolle arbeitenden Hardtail-Man.

  2. Schlieppi schreibt:

    @Hardtailman
    Hardtailman schrieb:
    “Schöne Grüße von dem an seiner Form mittlerweile wieder auf der Rolle arbeitenden Hardtail-Man”

    Rolle Drops sicherlich *fg
    Gruß in die Pampa…
    Schlieppi

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