Projekt 340 – Der Bericht Teil II



Habt ihr noch Luft? Auf 942 m kann die manchmal ganz schön dünn werden, besonders, wenn man mit dem Fahrrad da rauf fährt…

Weiter geht ’s im Terroristenkino…

Nachdem ich das Foto…

… geschossen hatte, gleich die nächste Bekanntschaft. Der hier…

bildet mit mir bis zum Großen Dreiherrnstein ne Fahrgemeinschaft. Der Sonneberger  war mit seiner Frau im Ski-Tunnel und als Belohnung darf er jetzt mit dem Bike nach Hause fahren, während Frauchen mit dem Auto die Streckenbetreuung organisiert. Die Strecke ist einfach genial. Fluffige S0-S1-Trails, immer leicht bergab und durchsetzt mit einigen Wurzelpassagen und ,wie kann es anders sein, natürlich auch Gegenanstiegen… Mein Hase gibt das Tempo vor und ich heize einfach hinterher. Ein guter 20er Schnitt, das fleckt…

Am Großen Dreiherrnstein wartet Frauchen mit Kaffee und Kuchen. Ein Abschiedsfoto…

und weiter wieder allein. Unendliche Weiten, ferne Galaxien…

In Neustadt haben die Eingeborenen neben dem obligatorischen R merkwürdige Wegweiser…

Tourenvorschläge für nen verrückten Terroristen? 325 km bis Prag, das ist doch machbar… Mit Tschechenbier als Doping, dafür könnt ich mich glatt erwärmen…

Thüringen ist super, Thüringen ist wunderbar…

Gemütlich radle ich so dahin, mal helfe ich einer Schnecke über den Trail…

…mal fahr ich einer hinterher…

… geil, ein LilaLaunebär, Windschatten fahren, ist schön. Nach 300 m muss ich wieder in den Wald, ich kann das Schneckchen leider nicht überzeugen mit zu kommen. Schade, woran das wohl liegt?

An der Triniusbaude holt mich der Sonneberger wieder ein. Der Trail zum Ersteberg, der letzte Anstieg vor Masserberg.

Während der Sonneberger durch keult und sich endgültig verabschiedet, mach ich ein paar Fotos und…

gehe zu Fuß. Prinzipiell fahrbar, aber ich hab ja noch ein bisschen vor der Brust…

Hier hinten hat der Rennsteig übrigens einen gänzlich anderen Charakter. Während der Höhenweg bis zur Schmücke größtenteils aus Forstautobahnen besteht, wird ’s ab da deutlich Trail-lastiger. Solche Wurzelpassagen wie oben gibt ’s hier im Dutzend…

Endlich oben…

96,6 km bis Hörschel…

und 2 bis Masserberg,

meinem nächsten Verpflegungsstopp. Dort gleich die nächste Überraschung.

Wer hat denn da von meinem Tellerchen gegessen…

Das Einzige, was noch zu gebrauchen ist, sind die Getränke. Zum Glück hab ich noch Reserven vom letzten Stopp.

Der Eselsberg,

von da oben hat man bestimmt ne tolle Aussicht, na mal sehen, vielleicht gönn ich mir die auf dem Rückweg…

Die Eisfelder Ausspanne, hier kreuzen sich sechs Wege. Ich muss weiter Richtung Friedrichshöhe, mit 26 Spitzbuben die kleinste Gemeinde Thüringens. Nach nem guten Kilometer fällt mir auf, dass hier gar keine R ’s mehr an die Bäume gepinselt sind. Erste Zweifel, Unsicherheit, zurück fahren?

Da kommen mir zwei Radler entgegen. Ich frage, ob ich hier noch auf dem Rennsteig bin. Zur Antwort erhalte ich, dass sie aus Friedrichshöhe kommen. OK, da will ich ja auch hin. In Friedrichshöhe dann wieder die R ’s. Es folgt wieder einer der zahlreichen Wurzeltrails.

Hier müssen wir ganz vorsichtig und auf Zehenspitzen, nicht, dass da noch was kaputt geht…

…unter uns befindet sich eins der vielen Milliardengräber der deutschen Steuerzahler. Ob ich mal ein bisschen buddele? Vielleicht kann ich ja was abstauben, hätte schon ne Verwendung für 100 kg Geld …

Die Eisfelder Ausspanne, HÄÄÄ, EISFELDER AUSSPANNE? HIER WAR ICH DOCH SCHON!!!. Konfusion macht sich breit. Jetzt wird mein elektronisches Helferlein zu Rate gezogen, ein Edge 705. Eigentlich ein tolles Gerät mit integriertem Trainingscomputer, hat aber den Makel, dass der Akku fest installiert ist und nicht ausgewechselt werden kann. Die Akku-Standzeit beträgt leider nur 18 Stunden, deshalb hab ich ihn bisher noch nicht benutzt und bin nach Schildern gefahren. Die Jungs von Garmin haben offenbar nicht mit so verrückten Terroristen gerechnet, die auch mal ne Akkustandzeit von 30 Stunden brauchen könnten. Hat ja bis hier hin auch ganz gut funktioniert. Jetzt sehe ich auch mein Malheur. Original hätte ich über die Pechleite fahren müssen, bin aber unten rum und in Friedrichshöhe dann dem R in der verkehrten Richtung, über die Pechleite wieder nach Masserberg, gefolgt. Dummterrorist. Also nochmal über die Pechleite und wieder zurück nach Friedrichshöhe. Der Kringel hat mich 8 km und eine knappe Stunde Fahrzeit gekostet. Auf die Art und Weise bin ich aber immer noch tutto kompletti Originale.

Wieder Friedrichshöhe…

mit einem Blick zurück.

Der Dreistromstein, der markiert die Wasserscheide zwischen Weser, Elbe und Rhein. Wenn ich jetzt also in den Süden pullere, ist das Wasser des Rheins auf Jahrzehnte verseucht.

Das Foto hat übrigens ne ganz nette Spionin geschossen. Eigentlich sollte ich noch auf die Spitze des Obelisken klettern. Ein bisschen Popocreme hatte ich ja dabei, aber soviel dann doch nicht…

Dieses nette Angebot in Limbach musste ich leider ablehnen…

Sandwieschen, im letzten Jahr Verpflegungsstopp unserer legendären 24h Rennsteig-nonstop Bezwingung.

Ne Corsa-1-Jörg …

…Gedächtnis…

… La Ola

Dann wieder das Übliche, Wurzeln…

…und Steine (der hat übrigens auch ein R).

Neuhaus. Noch ein Gedächtnisstopp.

Merkwürdige Penner haben die hier… und die Spionin, die das Foto gemacht hat, war ein Kerl mit Rauschebart, der vorher hier schon lag und statt mich zu fotografieren, erst mal seine Iris ablichtete.

Naja, schlussendlich hat er ’s ja geschafft…

Prost…

der Berggasthof Brand.

Scheint wieder bewirtschaftet zu sein. Im letzten Jahr haben sie noch einen Betreiber gesucht. Heute ist hier ne Hochzeit und da laufen mir doch glatt zwei Elflein über den Weg…

Sonnenuntergang…

Das letzte mal, dass ich auf meiner Reise die Sonne sehe…

Die Grenze…

…duck und schleich.

Die Bayern haben übrigens ne gänzlich andere Vorstellung davon, wie der Rennsteig aus zu sehen hat.

Bis auf 300 m Trail ist der gesamte bayrische Teil des Rennsteigs asphaltiert. Wahnsinn, woanders renaturisieren sie die Flüsse und hier wird der ganze Wald asphaltiert. Mit den Geldern, die hier vergraben sind, hätten die die Straßen von ganz Eisenach sanieren können. Mir ist ’s egal, vielleicht kann ich so die verlorene Zeit von meinem Extrakringel wieder rein holen.

Und komische Bänke haben die hier.

Die Bayern müssen alle kurze Beine haben. Wie war das doch gleich mit den Lügen?

Verpflegungsstopp. Hier klappt alles…

Der Wasserscheidenobelisk in Steinbach am Wald.

Auf dem Schönwappenweg wird ’s Zeit für die Tiefstrahler. Die Grenzsteine hier haben alle ne eigene Telefonnummer. Wenn man die anruft erzählen sie dir ihre Geschichte. Ich hab ’s mal probiert und Chantal, jung und devot dran gehabt…

Das letzte Foto schieße ich um 23.30 Uhr.

Die Selbitzbrücke. Die Erfolgsmeldung wird gleich an Marko und Thomas abgesetzt.

„Hood und Prince of Wales versenkt. Beginne Rückmarsch in Heimathafen. Churchill wird fluchen. U 47 Prien“

Bei der Gelegenheit erfahre ich auch gleich, dass Kiel im Finale steht und wir den Grand Prix gewonnen haben. Im ersten Moment frag ich mich, welchen Grand Prix, die Formel 1 fährt doch um die Zeit gar nicht, bis es mir endlich kommt… Raab-Festspiele, die nächsten Wochen werde ich den Fernseher nicht an machen brauchen.

Pünktlich um 24.00 Uhr fängt es an zu regnen. Erst langsam, dann immer schneller… Jetzt wird ’s psychologisch. Die Trails, die vorher schon recht schmierig waren, werden jetzt richtig gefährlich. Die Entscheidung fällt mir leicht, ab sofort so viel wie möglich Straße. Bloß noch ankommen…

Aber zum Regen gesellt sich auch noch ein unangenehm kalter Wind. Ich quäl mich durch die Nacht. Um 3.00 Uhr hab ich ne richtige Krise. Beinahe wär ich auf dem Rad eingeschlafen. Zum Glück war ich auf nem Forstweg und kurz vorm Graben kann ich mich abfangen. Die nächste Schutzhütte ist mir, zumal der Regen zu nimmt. 10 min dämmere ich dahin, dann lässt der Schauer nach und ich steige wieder auf ’s Rad. Um 5.00 Uhr ruft Holger an und will wissen, wie die Nacht gelaufen ist. Statt ner Erfolgsmeldung sag ich ihm, dass ich aufgebe. Holger wollte mir entgegen fahren und die Frühstücksversorgung übernehmen. Jetzt wird ’s die Henkersmahlzeit. Die Stunde, bis er da ist fahr ich noch. Komisch, nachdem ich mich durch gerungen habe, hin zu schmeißen, läuft ’s besser. Aber das Wetter sieht nicht aus, als ob in den nächsten Stunden ne Besserung eintreten könnte. In Masserberg ist Schluss. Mit 240 km auf der Uhr, 100 km vor der Brust und der Aussicht auf weitere 8-9 Stunden im Regen die richtige Entscheidung.

Hier die Bilder vom Ende…

Fazit

Mit OneWay-Ticket ist die Strecke in 12 Stunden tutto komlpetti originale zu schaffen.

Nach 4 Stunden Schlaf denke ich schon wieder über ein Projekt 340 Reloaded nach…

Dann müssen aber die äußeren Bedingungen stimmen. Olaf an die Front…

Nachtrag

Danke nochmal an Guido, Jens und Holger vom M&H-Rennsteigteam für die Betreuung. Hätte lieber mit euch Kaffee getrunken und wäre dann wieder auf ’s Rad gestiegen…

Naja, nach dem Spiel ist vor dem Spiel…

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6 Antworten zu Projekt 340 – Der Bericht Teil II

  1. Hardtailman schreibt:

    Aber Hallo Hallo alter Mann!!!

    Richtig geile Leistung, Hut ab!
    Gruß Ralf

  2. 901-Frank schreibt:

    Da hast Du es Dir aber ordentlich besorgt, ich hätt wahrscheinlich schon früher aufgegeben. Steh mehr auf Schönwetter, starke Leistung R E S P E K T

    Wieder super geschrieben, hab herrlich gelacht

    Gruß Frank

  3. bate schreibt:

    Solltest du Reloaded planen bin ich dabei 😀
    19.06 fahr ich zum Staffellauf von Blankenburg bis Hörschel 😀

  4. Elke Ziegler schreibt:

    Uwe, eben Uwe. Staubtrockene Texte, viel Galgenhumor – und… Uwe, du bist ein genialer Fotograf. Wunderschöne Bilder, eingefangener Sonnenschein und aber auch dekorativer Matsch. Mach‘ weiter, du schaffst das!

  5. Micha Pflügner schreibt:

    Hallo Uwe,
    super Leistung allein u bei demm Wetter. Mir hat jeweils immer eine STrecke gereicht.
    Bin streckenweise dabei, wenn Du die Wetter-Revanche angehst!
    Micha

  6. Pingback: EB-Weg: Tag 1 | Physioterrorist's Blog

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