Die 24 Stunden vom Nürburgring – Teil I

Freitagmittag, ich fahre mit einem unguten Gefühl in die Eifel. Ziel ist der Nürburgring. Die 24h von Rad am Ring stehen an. Mein erstes 24-Stundenrennen und ich bin so schlecht vorbereitet wie noch nie. Seit dem Salzkammergut-Desaster, und das war schon Mitte Juli, bin ich außer dem EBM(Teil I, Teil II) , bei dem ich Gerhard Gulewicz würdig vertreten habe, keinen Meter auf dem Rad gewesen. Zur Erklärung, Gerhard Gulewicz hat auf der 200 ‚er Strecke der Salzkammergut-Trophy den „Besenwagen“ gemacht und ist mit nem 13 ‚er Schnitt, der gerade so für ’s Zeitlimit reicht, um die Strecke gefahren.

Im Prospekt steht, empfohlene Anreise schon Freitagabend ab 19.00 Uhr. Ok, Punkt 19.00 Uhr bin ich in Müllenbach. Noch ein Kilometer bis zum Ring. Doch zunächst bleibt der in unerreichbarer Ferne. Stau, noch ist das Gelände nicht frei gegeben…

Bei der Fahrerbesprechung am Samstag sagt der Chef vom ganzen dann dazu, das wir erst entzerrt werden mussten. Na Hallo, wäre das Gelände 19.00 Uhr offen gewesen, hätte es gar nicht erst nen Stau gegeben und es hätte auch nix entzerrt zu werden brauchen… Um 20.40 Uhr fängt es dann endlich an zu rucken. Um 22.00 Uhr steh ich in meiner Parzelle. Das Zeltlager meiner Nachbarn ist schon errichtet. Ein ganzer Trupp Preußen, Wildparker aus Brandenburg und Potsdam. Fahren mit mehreren Teams auf der Rennrad- und einem Zweierteam auf der Mountainbike-Strecke. Ist ein lustiges Häufchen. Mein Aufbau des Basislagers geht recht zügig und beschränkt sich auf das Einparken des Autos und dem Ausladen vom Bike…

Ich mach erst mal ne Erkundungsrunde und hole die Startunterlagen. Das erweist sich aber als schwieriger als gedacht. Die Ordner, die ich irgendwann aus lauter Verzweiflung frage, haben keinen blassen Schimmer. „Startunterlagen, braucht ihr das? Probier ’s doch mal in der Boxengasse.“ Ich probier ’s, aber außer den Teams, die ihre Zeltlager hier aufschlagen, ist nix zu entdecken. Noch ein Interview mit nem Streckenposten, immerhin weiß der, dass das Informationszentrum im Ring-Boulevard ist, aber wie ich dahin komme…. Ich irre am Streckenzaun entlang, bis mir ein schon Fündiger erklärt, dass es hier eine Unterführung gibt. Genial, nach einer Stunde steh ich endlich vor den beiden Hilfswilligen, die mir auch anstandslos meine Startunterlagen aushändigen. Zurück zum Auto, mittlerweile kenn ich ja den Weg. Ups, das Tor, wo ich eben durch bin, ist jetzt verschlossen. Ja ist das ein Wahnsinn. Nach noch mal 10 Minuten umher irren, hab ich ’s geschafft, ich bin wieder am Auto. Kurze Sichtung des umfangreichen Starterpakets. Aus der Tüte fällt ein Werbeflyer von Bulls, sind ja Sponsor hier, ne obskure Ring-Card, 3 Startnummern, eine für ’n Lenker, eine für ’n Rücken und eine für die Lostrommel, 4 Sicherheitsnadeln und zwei Kabelbinder sowie der Transponder, für den ich noch mal 46 € abdrücken muss. Was, das wars? Joo, selbst mit schütteln kommt nicht mehr raus…. Im Programmheft, das ich mir vorhin vorsichtshalber mit genommen habe, steht was von Nudelparty am Freitag. Ok, 10 Minuten lang ist es ja noch Freitag, essen muss ich sowieso was, also noch mal auf den abenteuerlichen Weg ins Ring-Boulevard… Welch Überraschung, es gibt wirklich noch Nudeln, nur ran komme ich nicht. Zwei 70 Meter lange Schlangen, wenn ich mich hier anstelle habe ich zum Frühstück noch nichts zwischen den Zähnen, denn das Personal kommt mit der Ring-Card, auf der die Leistung angeblich aufgebucht ist, nicht zurecht. Da fahr ich doch lieber wieder auf meine Parzelle und ess ne Käsestulle… Die Wildparker haben inzwischen ihren Grill aktiviert. Für mich fällt auch noch ne Hühnchenbrust ab. Nach zwei Bier hab ich die nötige Bettschwere.

Um halb Neun ist die Nacht zu Ende. Die Preußen wuseln schon.

Ich setz mich auf ’s Rad und inspiziere mal den Streckenabschnitt, der auf dem Ringgelände verläuft. Irgendwo muss doch auch ne Verpflegungsstelle sein. Auf der Karte im Programmheft war jedenfalls nix abgebildet. Finden tu ich nichts. Merkwürdig. Noch mal rüber ins Info-Center. Da krieg ich die Auskunft, Streckenverpflegung ist hier auf dem Ring-Boulevard zwischen der Eventhalle und dem Info-Center. Wie, Streckenverpflegung außerhalb der Strecke??? Soll ich jedesmal, wenn ich einen Schluck Wasser haben will durch den Ring-Boulevard fahren??? Hä, langsam komm ich mir verarscht vor. Das Einzige, was man hier bekommen kann, sind Fahrräder, ein paar lustige Mützen und Shirts vom Nürburgring und ein Schwätzchen mit dem Kerl, der sein Kettenpflege-Set auf jeder Messe unters Volk bringen will. Richtig sauer bin ich wieder am Info-Center. Ja, es tut ihr leid, aber ihnen wäre auch nicht gesagt worden, dass die Verpflegung neben dem Erdinger-Zelt wäre. Na toll, aber immerhin wenigstens auf der Strecke. Trauen tu ich dem Ganzen nicht mehr. Vorsichtshalber fahr ich zum Erdinger-Zelt. Wie soll ’s auch anders sein, am Erdinger-Zelt gibt ’s natürlich nichts anderes als Erdinger. Ich bin entnervt. Sieht so aus, als müsste ich mich die 24 Stunden komplett selbst verpflegen. Das ist der absolute Oberhammer. Sowas ist mir bei noch keinem Radrennen passiert. Wenn ’s jetzt nur ein Bergzeitfahren über 6 km gewesen wäre, hätte ich ja nichts gesagt, aber 24 Stunden??? Für was hab ich eigentlich 70 € Startgebühr bezahlt??

Entsetzt krame ich 20 € aus der Tasche und kaufe noch 10 Gels nach. In der Nacht muss ich dann bei den Wildparkern noch 6 Gels schnorren, Wahnsinn. Wenn ich einmal in der Eventhalle bin versuch ich ’s nochmal Nudeln zu kriegen. Jaaaa, die Nudelparty war gestern, heute kostet das 6,50 €.

Mir reicht ’s. Ich bin bedient. In Box 77 nehm ich erst mal einen Cappuccino und seh den Läufern bei ihren Starts zu. Hier sammeln sich die Ersten…

Der Samstagvormittag steht nämlich ganz im Zeichen der Läufer. Marathon, Halbmarathon und diverse Kurzstrecken… Ein Riesen-Event. Insgesamt über 10000 Teilnehmer und die MTB-Fahrer werden wie die Zahlmöpse behandelt… Bevor ich nur einen Meter gefahren bin, steht schon fest, dass mich hier keiner mehr wieder sieht. Das Wetter hat sich wenigstens nicht dem miesen Niveau angepasst. Klärchen wird den ganzen Tag fleißig ihre Arbeit verrichten. 30° für den Tag und 17° für die Nacht sind angesagt… Zurück am Auto geht ’s an die Startvorbereitungen. Ich schlunz noch nen Kaffee bei den Potsdamern, dann Nummernschild dran pappen und Getränke fertig machen.

Dann ist es endlich soweit. Ab in die Startaufstellung.

Hätte gar nicht gedacht, hier im Wilden Westen ein bekanntes Gesicht zu sehen, aber da in der Mitte steht Steffen Helbig mit seinem Shirt vom Tourismusverband Seiffen.

Wenig später kann ich auch noch Tüte entdecken, meine Knipse hab ich aber leider schon wieder weg gesteckt. Der hat übrigens auch schon ne Inventarnummer beim MME

Bevor es jetzt gleich los geht nochmal ne Werbepause…

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