Die 24 Stunden vom Nürburgring – Teil III

Schmeißt die Langnese-Tussi raus, es geht weiter…

Die Pause wird ein bisschen länger als gedacht, hab 10 Minuten im Auto geschlafen. Die Montage der Lampe hält eine weitere Überraschung für mich bereit. Einer, der zwei Akkus möchte seinen Dienst nicht verrichten. Na das wird ein Spaß. Ein Akku hält nur drei Stunden. Wie ich da über die Nacht kommen soll weiß ich auch noch nicht. Fahre deshalb nur im Sparmodus und auf dem Ring schalt ich das Ding ganz ab… Windschatten hinter Einem mit Licht reicht auch…

Zur Not hab ich noch meine Stirnlampe, aber zum Glück brauch ich die nicht, obwohl es zum Schluss doch grenzwertig wird.

Bei meiner Ankunft vorhin hab ich auch mal auf den Rechner der Wildparker gelunzt.  Zwischenzeitlich bin ich Zehnter. Das hätte ich jetzt so nicht erwartet. Sicher haben die anderen ein bisschen früher Rast gemacht. Es ist auch kühler geworden. Auf  den Abfahrten war ’s ziemlich frisch. Ich zieh mal meine Ärmlinge an. Ne Dreiviertelstunde später bin ich wieder auf der Piste.

Die Ausfahrt aus dem Ring sorgt bei mir gleich mal für ne Schrecksekunde. Durch die Blendwirkung der Lampen von den entgegenkommenden Radlern ist der Einlenkpunkt der 90°-Kurve kaum zu sehen. Es fehlt nicht viel und ich lande in der Streckenbegrenzung. Im letzten Moment krieg ich se noch, die Kurve… Ein Werbeplakat in der richtigen Höhe hätte für deutlich mehr Sicherheit gesorgt… Hat auch sein Gutes. Jetzt bin ich wenigstens wieder wach und an der Stelle pass ich jetzt auf… Die Beleuchtung der Strecke mit den „Teelichtern“ ist , sagen wir mal auch suboptimal. Beleuchten tun die nix, geben maximal ne grobe Orientierung. Mitternacht brennen eh nur noch die Hälfte. Mit meiner DX allein wäre ich besser zurecht gekommen. Die Strecke selbst ist recht übersichtlich geworden. Die 8-Stunden-Fahrer sind weg und Einzelfahrer seh ich auch nur noch recht selten. Kann auch daran liegen, dass die Meisten jetzt Jacken anhaben, da erkennt man nicht mehr, wer vor einem radelt. Einzig die Staffeln ziehen ihre Kreise…

Wo das jetzt ist kann ich nicht sagen, daran kann ich mich nicht erinnern. Vermute, das ist kurz vor der Rampe mit dem anschließenden Downhill oder kurz danach. Im ersten Nacht-Stint bin ich noch ohne Jacke gefahren, den nächsten dann, weil es noch kühler wurde, dann mit Jacke…

Die nächste Pause wird noch ein bisschen länger. Leg mich noch mal hin. Mein Handy hab ich auf 30 Minuten eingestellt. Ich werde auch wach, aber los fahren kann ich noch nicht. Leg mich wieder hin. Nach zwei Stunden bin ich wieder wach, jetzt geht ’s halbwegs. Ich schwing mich wieder auf ’s Bike und radel los. So dynamisch wie am Tag geht’s nicht mehr.

Hier in der Boxengasse…

Ich glaub, ich schlaf schon wieder…

Bei der Ausfahrt aus dem Ring und der anschließenden Schotterabfahrt die nächste Schrecksekunde. Zunächst wundere ich mich, dass die Teelichter mitten auf der Piste stehen, dann tauchen plötzlich zwei Balken auf, die quer über die Fahrbahn liegen. Wahnsinn, kreuzgefährlich!!! Ich hatte hier runter den Autopilot drin. Im letzten Moment kann ich drüber hopsen. An der Stelle ist die Geschwindigkeit ziemlich hoch. Ich seh noch, wie die Jugendlichen über die Wiese davon laufen.

So deutlich braucht ihr mir nicht zu sagen, dass ich als Mountainbiker hier nicht erwünscht bin. Das hab ich schon vor dem Start begriffen. Mich wird hier keiner mehr wieder sehen, egal, was für ’s nächste Jahr verändert wird. Mountainbiken boomt ja zum Glück. Da gibt es genügend andere Veranstaltungen, bei denen ich Willkommen bin…

Nach fünf Runden ist meine Lampe kurz vorm Kollaps. Bevor es hell ist, kann ich sowieso nicht weiter fahren. Ich mach erst mal ne Pause, diesmal ohne Wecker…

Nach zweieinhalb Stunden bin ich wieder wach, Klärchen hat auch wieder ihre Arbeit aufgenommen. Da kann ich ja nochmal auf ’s Bike steigen…

Ist wieder voll geworden auf der Strecke.

Endlich erwische ich Tüte. Sitzt im Camping-Stuhl und lässt mal Sven die Runden drehen. Klarer Fall für einen Fotostopp…

Noch ne Palme und ein Tequila und wir haben perfektes Karibik-Flair….

Hier mal ein Bildchen von der Einfahrt in den Ring…

Die Anstiege sind jetzt eine einzige Qual.

Selbst der hier kurz vorm Ziel…

Auf der langen Schotterauffahrt liegen die Sportografen auf der Lauer und schießen jeden ab…

…mich auch…

Na wartet, ab 10.45 Uhr wird zurückgeschossen…

Feuer frei…

Duell kurz vor Mittag…

Hurra, Volltreffer…

Das Duell gewinnen aber leider eindeutig die Sportografen, noch dazu, weil sie mich auch noch bei meiner anschließenden Flucht erwischen…

Um 11.00 Uhr ist dann Schluss. 30 Runden sind ne schöne Zahl. Ich mach Feierabend und trinke lieber noch einen Kaffee mit den Wildparkern…

Das ist einer von den Zweien, die auf der Mountainbike-Strecke unterwegs waren.

Die Rennradler bei den Vorbereitungen für die letzte Runde. Wollen sie gemeinsam fahren…

12.40 Uhr fahre ich zur Box 77 und reihe mich in die lange Reihe der schon wartenden Fahrer ein. Dann sehe ich die schwarz-weiß karierte Flagge. Finished. Mein erstes 24-h-Rennen ist zu Ende und wenn man bedenkt, wie meine Vorbereitung gelaufen ist, kann ich total zufrieden sein. Bei nem Blick auf die Ergebnisliste wäre sogar noch viel mehr möglich gewesen als der 20. Platz. Später wird es sogar auf Platz 19 korrigiert. Nur 5 Runden bis Platz 12. Die wären eigentlich sogar heute schon drin gewesen. Sieger wird mit sagenhaften 62 Runden Markus Hager. Wahnsinn, mehr als doppelt so viel. Gratulation und Respekt. Fest steht, dass das nicht mein letztes 24-h-Rennen gewesen ist, aber mit absoluter Sicherheit war das mein letzter Auftritt bei Rad am Ring.

Fazit

Ich fang mal mit dem Positiven an.
Die Strecke war anspruchsvoll und toll zu fahren, besonders die Abfahrten.
Jetzt das Negative, die Liste wird länger…

1. Anreise, 19.00 Uhr offiziell Einlassbeginn, naja 20 Minuten vor Neun ist das erste Auto auf das Gelände gefahren. 22.00 Uhr stand ich endlich in meiner Parzelle…
2. Startnummernausgabe, keinerlei Ausschilderung wo und wie zu erreichen, bin erst in die Boxengasse geschickt worden, dann wusste einer wo, aber nicht wie ich hin komme, hat ne dreiviertelstunde gedauert, bis ich einen Weg gefunden hatte.
3. Nudelparty, nach 24.00 Uhr gefunden, zwei 70m lange Schlangen, hätte ich mich da angestellt, wäre es 2.00 Uhr geworden, bis ich was zwischen die Kiemen bekommen hätte.
4. Streckenverpflegung. Hab zweimal am Info-Stand nachgefragt, einmal wurde ich in den Ring-Boulevard geschickt, das andere mal zum Erdinger-Stand. Endergebnis niente, nothing nix, nada.
Meine Wasserversorgung hab ich dann auf der Toilette erledigt. Das ist einfach ein Unding. Ich hab noch nie ein Rennen erlebt, egal wie lang, bei dem es keinerlei Streckenverpflegung gab, nicht mal Wasser. Ich weiß nicht, wofür ich überhaupt Startgeld bezahlt habe. Für die zwei Erdinger -Alkoholfrei nach dem Finish??? Da kann ich mir ja gleich selbst ne Startnummer an mein Bike pappen und auf meinen Home-Trails 24 Stunden durch den Wald brettern. Da muss ich nicht vorher 400 km über die Autobahn. An der Stelle noch mal ein dickes Dankeschön an meine Parzellen-Nachbarn, die Wildparker aus Potsdam, die mir ab und zu mal unter die Arme gegriffen haben und bei denen ich auch mal einen Kaffee schlunzen durfte…
5. Streckenabsicherung. Über die zwei Holzlatten in der Nacht bin ich auch drüber gebügelt, kreuzgefährlich. War dann zum Glück in der nächsten Runde nicht mehr da. Die zweite gefährliche Stelle war die 90°-Ausfahrt vom Ring in der Nacht. Durch die Blendwirkung der entgegenkommenden Rennradler hätte ich mich beinahe im Absperrzaun wieder gefunden.

Mich sieht der Nürburg-Ring nicht wieder. Organisation ne glatte 6 mit Sternchen.
Einzige Leistung ne obskure Ring-Card, mit der ich aber keine Leistungen abrufen kann, da ich ja 24h mit dem Rad im Wald unterwegs war und nicht auf dem Ring-Boulevard..
Eine absolut nicht empfehlenswerte Veranstaltung…

Ich hab ja nichts gegen ein Pfand für den Transponder, aber warum werden bei der Rückgabe auch noch 6 € einbehalten???

Zitat Homepage Rad am Ring:

ACHTUNG – Transponderpfand/-miete: Auch 2010 wird bei Rad&Run am Ring ein Transponderpfand erhoben. Dies gilt für alle Disziplinen mit Zeitnahme. Das Transponderpfand beträgt, wie in den vergangenen Jahren, 46,-€, von denen 40,-€ bei der Rückgabe des Transponders wieder ausbezahlt werden. Bitte beachten Sie die Leihgebühr von 6,00 € und berücksichtigen Sie diese bei der Beurteilung des Preis-/Leistungsverhältnisses.

Hier mal meine Beurteilung zum Preis-/Leistungsverhältnis:

70 € Anmeldegebühr für eine Parzelle ohne Box ,da Einzelstarter MTB.
Anreisekosten, bei jedem individuell, bei mir Spritkosten für 800 km(Hin und zurück je 400 km).
20€ für Nachkauf von Gels, da keine Streckenverpflegung + 8,50€ für Gels von den Wildparkern, weil mein Vorrat nicht ausreichte…
6€ Transponder-Miete

Leistungen, die ich dafür erhalten habe:
eine Startnummer, 2 Kabelbinder, 4 Sicherheitsnadeln

Im Ziel:
eine Finisher-Medaille, 2 kostenlose Erdinger-Alkoholfrei…

Ihr dürft selber entscheiden, ob euch das so viel Wert ist.

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4 Antworten zu Die 24 Stunden vom Nürburgring – Teil III

  1. Ralph schreibt:

    Ich muss auch sagen das einiges hätte besser Laufen können. Aber alles in allem hat es uns (4er-Team) recht gut gefallen und werden nächstes Jahr wieder dabei sein. 70.- sind im Gegensatz zu den anderen 24h-Events günstig, da werden um die 100.- und drüber verlangt. Da hat man das Gel locker wieder raus 😉 Trotzdem hätte es ein bis zwei Verpflegungsstellen im Fahrerlager geben müssen!!!!!!!!!! Viel spaß weiterhin 🙂
    Gruß -Ralph-

    • Physioterrorist schreibt:

      Wenn ich im Team gefahren wäre und immer nur zweier-Stints, hätte ich sicher auch nicht gejammert, aber als Einzelfahrer sieht das alles schon anders aus. Dann tut ’s schon weh, wenn man nicht mal ne Flasche Wasser auf der Strecke bekommt…

  2. Tüte schreibt:

    Wieder mal ein prima Bericht von dir, PT – war sehr unterhaltend. Deine Schlusseinschätzung kann ich uneingeschränkt teilen (wobei ich gestehen muss, dass das – wegen dem Flair – bereits meine zweite Teilnahme gewesen ist). Als Einzelstarter ist es ein Unding, keine Verpflegung auf der Strecke zu haben. Man kommt sich permanent wie das fünfte Rad am Wagen vor. Du hättest übrigens auch jederzeit bei uns was schnorren können. Wenn du mal ’nen 24h-Rennen speziell für Mountainbiker suchst, probier’s mal mit http://www.2Much4You.de in Zittau. Da hab‘ ich ausschließlich gute Berichte von gehört.

    Beste Grüße – Jens

  3. physioterrorist schreibt:

    Bin nächstes Jahr sowieso auf Osten geeicht… Hatte eigentlich dieses Jahr schon die Heavy24 von Chemnitz im Visier. Beißt sich aber terminlich mit dem MME und der ist ne Pflichtveranstaltung. Mad East und 2much4you sind erstmal in die Terminplanung aufgenommen…

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