Die Werra – 285 km nonstop zu Fuß Teil III

Weiter geht ’s. Das nächste Ziel ist Creuzburg.

Hier kennen wir jeden Grashalm.

Den hier auch. Uwe Mengs, sollte eigentlich auch als Fahrradbegleiter dabei sein, aber Terminprobleme lassen nur den Kurzeinsatz zwischen Hörschel und Mihla zu. Zum Rennsteigstaffellauf hat er dann seinen Auftritt. Ein Teilabschnitt gehört ihm…

Am Spichraer Wehr vorbei…

… über Wilhelmsglücksbrunn und schon sind wir an der Liboriuskapelle direkt an der alten Werrabrücke.

Der erste Einsatz von Thomas Kreidebüchse…

eigentlich sollten hier 5 nackte Friseusen…

Keine da, nur die….

Keine Friseuse und nackt isse auch nicht… Hier steigen übrigens noch 3 Treffurter Läufer ein.  Die Unterstützung ist auch dringend notwendig. Es geht in die zweite Nacht und die wird gruselig.

Hier beginnt übrigens einer der schönsten Abschnitte des Werra-Radweges. Der Radweg zieht sich so bis nach Falken immer an Kalksteinfelsen entlang. Leider laufen wir in die Nacht und können nur anfangs die Schönheiten der Natur bewundern. Naja, Holger und Uli sind jetzt für sowas nicht mehr ganz so empfänglich…

Die Treffurter geben Holger erstmal ein bisschen Windschatten.

Die einzige Hilfe, die die Läufer erhalten können…

Sonnenuntergang an der Werra.

Beim nächsten Halt in Mihla werden die Stirnlampen ausgepackt. Ulrich hat keine Lust mehr. Am liebsten würde er hin schmeißen. Er hört gar nicht auf, zu lamentieren, vor allem, weil einfach kein Ende abzusehen ist. Noch über 90 km! Immerhin nicht mehr dreistellig. Wenn Holger jetzt sagen würde, ich steige ins Auto, wäre Uli sofort dabei…  In Frankenroda rauscht die ganze Truppe fast an der Verpflegung vorbei. Das wäre ein Fehler gewesen. Unsere Küchencrew hat nämlich ne fantastische Nudelsuppe aus dem Hut gezaubert. Es wird kühl, in Probsteizella zieh ich meine Beinlinge an und hol die Jacke raus. Unsere Gruppe wird größer. Von Treffurt kommen uns zwei Biker und ein Läufer samt Sohnemann entgegen. Gut so, die zwei können jetzt Abwechslung gebrauchen. Holger und Uli sind mittlerweile schon über 28 Stunden unterwegs! Immerhin verlieren wir jetzt nicht mehr gegenüber dem Zeitplan. Unser Rückstand pendelt sich so bei 3-4 Stunden ein. Mitternacht sind wir in Treffurt. Eigentlich sollte hier Abendbrot sein. Größerer Stopp, war auch nötig. Die Treffurter haben hier ein riesiges Bankett aufgefahren. Wahnsinn. Eigentlich könnten wir gleich hier bleiben. Die Treffurter geben uns noch einen Scout mit, der uns bis Eschwege führt. Der Rest bleibt hier, wir verschwinden in der Nacht. An der Stelle nochmal ein dickes Dankeschön an die Treffurter Laufgruppe. Man sieht sich dann beim Rennsteigstaffellauf und beim thüringenULTRA. Der Weg über Heldra und Altenburschla nach Wanfried zieht sich. Jetzt hängen alle durch. Die letzten Kilometer bis hier her sind fürchterlich.

Gunter, unsere Küchenfee, braucht eine Pause,  hat ja auch bis jetzt durchgezogen.

Holger und Uli kriegen jetzt einen Platz im Auto. 7 Minuten Schlaf hat Holger angeordnet. Wir lassen sie gut 20 liegen. Nach einer halben Ewigkeit geht ’s weiter. Die ersten 10 Schritte, oje… die Geriatrie ist dagegen ein Sportgymnasium. Aber danach  geht es jetzt deutlich besser. Die Zwei haben sich doch tatsächlich „erholt“.

Der Hafen von Wanfried…

…ist der Biergarten von einer Kneipe. Sieht interessant aus, hier werd ich bestimmt auch mal ein Kühles Blondes zischen.

Dämmerung. Langsam kommt der Tag wieder…

Die Sonne platzt schon, das verspricht heute heiß zu werden…

Für den Spruch kriegt Thomas von Ulrich sein Fett weg. Der ist nämlich Mitglied im Verein Deutsche Sprache  e.V. und mag solche Anglizismen überhaupt nicht. Laut Uli nehmen die auch neue Mitglieder auf. Dabei hat Thomas sich sooo gut vorbereitet…

Die Hälfte muss er nach dem Rüffel von Ulrich allerdings streichen…

Jetzt nehm ich mir auch ne Krise. Wir fahren so langsam, dass es mir schwer fällt, nicht vom Rad zu fallen. Ich steig ab und lauf ein Stück nebenher. Nächster Stopp Eschwege.

Dem Mann mit der Kreide geht es auch nicht besser.

Ich grabbel ins Auto und nehm mir für eine Etappe ne Auszeit. Die Zwei nicht…

Während ich vor mich hin dämmere sind die Zwei auf dem Weg nach Kleinvach.

In Kleinvach werden die zwei nicht nur von mir erwartet.

Sind Donnerstag schon von Eisenach mit dem Rad hier her…

Geht doch, Thomas ist lernfähig… Das könnte auch von mir sein…

So sieht ’s übrigens mittlerweile im Versorger aus…

Ein Kasten Cola und einer mit Lebensmitteln sind leer…

Naja, zum Schlafen muss man sich schon ein Plätzchen suchen…

Mittlerweile sind wir auf  der Radwanderkarte auf Seite Siebzehn von neunzehn. Noch ein bisschen mehr als ein Marathon… sehen wieder ganz gut aus unsere Helden. Langsam mischt sich auch wieder Zuversicht auf die Mienen.

Die Sonne steht noch nicht sehr hoch, aber es ist schon verdammt heiß. Schatten wird dankbar angenommen. Das Problem nur, es gibt keinen.

Bad Sooden-Allendorf.

Ein ganz hübsches Fachwerkstädtchen…

Den lassen wir leider links liegen. Nächster Stopp Wahlhausen. Wieder im Thüringischen…

Keine Gnade für die Füße wäre wohl besser gewesen…

Das sind die von Ulrich nach 250 km… Holgers sehen übrigens nicht wesentlich besser aus… Operation am offenen Herzen. Ich hoffe jetzt bloß, das die Polizei an der Stelle nicht nach der Leiche sucht…

Jetzt werden die Geheimwaffen ausgepackt… Die Hitze wird unerträglich…

Wir befinden uns im Bereich der Whisky-Wodka-Linie, einem Kuriosum der deutschen Teilung.

Auf den Schreck mit der Operation braucht Ulrich erstmal ein Bier. Man merkt ihm übrigens nicht an, dass er luftbereift unterwegs ist…

Die Geheimwaffe im Einsatz.

Im Al Kaida-look über deutsche Straßen…

Zwischen Lindewerra und Werleshausen wieder ein richtig schönes Teilstück. Leider auch hier kaum Schatten…

Auf dem schmalen Teilstück bis da vor zu der Eisenbahnbrücke übrigens die einzige gefährliche Situation. Hinter uns ne größere Gruppe Pedelec-Fahrer und plötzlich ne andere im Gegenverkehr. Es kommt zum beinahe – Crash und wir mittendrin. Von dieser Art technischem Fortschritt halt ich mal garnix. Erst Recht nicht, wenn 9-Jährige, die die Geschwindigkeit überhaupt nicht beherrschen, mit so was umher fahren. Sowas gehört verboten.

In Werleshausen nächster Stopp. Die Hitze, wir verkürzen die Etappen bis zur nächsten Pause…

Es wird psychologisch… Unser Schnitt ist schon seit Längerem nur noch bei 5-6 km/h.

Dann nimmt das Unglück seinen Lauf. Wir versuchen die Jungs so gut wie möglich abzukühlen.

Hier geht ’s leicht bergauf. Holger kämpft.

Schattenspringen…

Ich fahr voraus nach Witzenhausen, ein paar Eis organisieren…

Die Strecke wird gelegt. dann passiert ’s. Holger will weiter, plötzlich Schüttelfrost, Schwindel. Er wankt wieder zurück. Im selben Moment kommt uns Holger Liese von der TG Münden entgegen. Will uns bis ins Ziel begleiten.

Wir warten auf das Begleitfahrzeug.

Da sitzt er. Allen ist klar, dass das hier nicht mehr weiter geht… Ich lass mal Holger das Ganze selbst schildern.

„Nach einer 15 minütigen Schlafpause im Sitzen im Auto irgendwo am Straßenrand zwischen Treffurt und  Eschwege sind wir wieder richtig ins Laufen gekommen und haben noch ganz gut Kilometer gemacht. So ganz genau hatten wir auf den Zeitplan nicht mehr geschaut, es wurde sich vorwärts bewegt, wie es gerade ging. Früh gegen 8 Uhr hatte dann Micha mal rückwärts gerechnet: Noch 8 Stunden Zeit für ca. 42 -45 km.
Aber es standen noch 3 bis 4 Stunden vor uns und kaum Schatten .
Das war das Signal für den Endkampf. Die 48 Stunden schienen noch erreichbar, aber auch 49 oder 50 Stunden wären keine Schande gewesen. Aber eben auch ab 8 Uhr hieß es schon den Kopf mit Wasser kühlen, da es da schon so warm war. Die Hitze wurde dann immer heftiger und es gab auf den Radwegen nur wenige Schattenstrecken. In der Sonne hatte mein Bruder Olaf über 39 Grad gemessen – und kein Windhauch. Alle fünf Minuten Wasser auf den Kopf und Tuch im Nacken  (super Idee von Olaf mit dem Tuch!!)  neu nass machen. Und : Trinken Trinken Trinken, auch wenn man selbst eigentlich nicht mehr trinken mag. Da war es schon gut, wenn der Radbgleiter Micha regelmäßig an das Trinken ermahnt hat.
In der Mittagszeit dann nach einem langen Anstieg in der prallen Sonne kurze Pause an der ersten sich bietenden Schattenstelle, einfach auf der Erde. Radbegleiter Uwe fährt bis Witzenhausen vor, um für alle ein Eis zu holen. In der Zwischenzeit sind wir einige hundert Meter weiter zur nächsten Schattenstelle, diesmal mit einer Bank. Nach dem total leckeren Eis sage ich, dass ich schon mal langsam vorgehe.
Dann nach weniger als 100 Metern in der prallen Hitze – Schüttelfrost.
Das konnte nicht gut sein, irgendwie hatte man da schon mal was gehört von Schüttelfrost und Hitzschlag etc.
Dann ging es ganz schnell, die Entscheidung fiel bei mir innerhalb einer Minute.
Kurzes Abwägen – eine Stunde? Das hätte ich noch gewagt .
Und ich hatte meiner  lieben  Frau versprochen, dass ich gesund nach Hause komme.
Also:  Schluss – Aus – Vorbei!
Umdrehen , Abwinken in Richtung meiner Begleiter, Hinsetzen und 5 Minuten Heulen.
Dann war es überstanden.“

Für einen Moment steht alles auf der Kippe.  Die Gesundheit geht eindeutig vor. Ist sowieso Wahnsinn, was die zwei bis hier hin schon geleistet haben.

261 km!! So viele Leute gibt ’s nicht auf diesem Planeten, die diese Strecke nonstop laufen können.

Ute, Holgers Frau ist da. Gut so, Trost kann er jetzt gut gebrauchen. Endlich ist der Versorger da. Den Krankenwagen brauchen wir zum Glück nicht. Kurze Diskussion wie ’s weiter geht. Ulrich will nicht allein. Ich lass Holger noch mal zu Wort kommen.

„Dann musste ich mich noch als Motivator versuchen. Uli sagte: „Wir sind zusammen gelaufen, dann hören wir auch zusammen auf.“ Sicher irgendwie auch ehrenwert. Aber ich bat ihn eindringlich, die 48 Stunden-Marke für das Team zu holen, wenn er sich noch entsprechend fühlt. Bei Uli erst einmal: Abwarten. Bis dann unser Fahrzeug da war, vergingen so noch 20 wertvolle Minuten. Erst als dann Gunter, unser Fahrer,  dazu kam und sagte: „Na klar – wir holen uns die Zeit!“, machte sich Uli auf die Socken und schaffte dann mit einer  Wahnsinns-Energieleistung noch die Zeit von 47:55 Stunden.“

Das lass ich jetzt erst mal so stehen… Werbepause.

Ein wahrer Sportsmann zeigt seine Größe in der Niederlage… Holger ist ein Großer…

Ulrichs letzten Kilometer dann in Teil IV

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3 Antworten zu Die Werra – 285 km nonstop zu Fuß Teil III

  1. Elke Ziegler schreibt:

    Liest sich wie der letzte Bericht am Ende des 2. Weltkrieges. Und diese Füüüüße! Ich habe mir vor Schreck auf den Mund gehauen.
    Doch nun Lob pur für dich, Uwe. Wie immer wunderschöne Fotos und ein „Tagebuch“ mit Sahnehäubchen. Sollten dir mal die Patienten anhanden kommen, verschaffe ich dir einen Job bei der TA!

  2. Ulrich Meininger schreibt:

    „Es geht in die zweite Nacht und die wird gruselig.“ – Das ist im Bericht ein wenig untergegangen, was es damit auf sich hatte.
    Ich glaube, nicht nur mir ging es so, dass gerade in der zweiten schlaflosen Nacht – bedingt durch dunkel (Wald) und hell (Stirnlampen) – desöfteren große Tiere vor uns den Weg kreuzten, und es gab noch weitere merkwürdige Schattenspiele; darüber hinaus hörte ich nicht nur einmal Stimmen hinter mir und immer, als ich mich umschaute, war dort niemand.

    Ich gebe zu: wenn ich das Sagen gehabt hätte, wir hätten möglicherweise in Hörschel Feierabend gemacht, vielleicht anstandshalber wären wir noch bis Treffurt geschlichen.
    Im Nachhinein war das Ganze natürlich jetzt alles nicht mehr so schlimm – na ja, heute schäme ich mich ein wenig für meinen mentalen Tiefgang zwischen Hörschel und … 2. Sonnenaufgang (ESW), was müssen die Treffurter von mir Schlaffi gedacht haben ? – und ich bin nicht unglücklich, dieses Abenteuer bis zum Ende überstanden zu haben.

  3. Holger (Läufer nur bis kurz vor Witzenhausen...) schreibt:

    DANKESCHÖN !
    Ich kann es nicht oft genug sagen: Immer wieder: Danke an alle Beteiligten, die uneigennützig Ihr Himmelfahrtswochenende geopfert haben für eine etwas verrückte Idee!!!
    Sabine, Gunter, Micha, Olaf, Uwe, Thomas, Mengsi, Stefan und alle Treffurter Läufer – Ihr seit das beste Begleitteam der Welt!
    An Euch hat es nicht gelegen, wenn ich es nicht ganz geschafft habe…

    Mein extra Lob und Dank an Uwe, der dem M&H Rennsteigteam hier eine kleine Plattform bietet und die Geschichten des Teams zum Nachempfinden für alle Freunde des Teams und alle Interessierten so eindrucksvoll aufzeichnet ….

    PS: Ich bin noch nicht am Planen für das nächste Abenteuer. Das bisherige muss sich erst mal setzen…

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