Wasserträgerreport thüringenULTRA 2011 – Teil II

Kühlschrank leer? OK, dann kann ’s weitergehen… Ich hab inzwischen an der ersten Verpflegung in Gotha die Hausbar aufgefüllt. Unsere Recken waren natürlich schon durch…

Mengsi flirtet noch ein bisschen mit den Damen vom Grill, während ich mich auf die Verfolgung mache. Weit können se ja noch nicht sein, und an der Verpflegung haben die Jungs sicher auch schon hingelangt… Also dürfte es noch keine Probleme geben, aber sicher ist sicher. Man hat ja schon Hengste vor der Stute oder so ähnlich…

Zwei Kurven später hab ich sie. Alles in Butter. Holger Wiesemann setzt sich immer mal ein paar Meter ab, aber alles in Sichtweite. Dieser Streckenabschnitt liegt im Wald, die Dämmerung hat eingesetzt und es wird teils schon recht grenzwertig, was die Sicht betrifft. Ich fahr mal ein Stückchen voraus  und montiere mein Licht. Hab zwei dabei. Ne Petzl-Stirnlampe für ’n Helm und für die einfachen Strecken und dann einen Tiefstrahler für den Lenker, der nur für den Trail auf dem Hörselberg zum Einsatz kommt. Echte Markenware aus China zu nem unschlagbaren Preis und noch dazu frei Haus… Einziger Nachteil, der Akku hält nur 3 Stunden, ich hab aber gleich noch einen als Ersatz bestellt. Jetzt reicht die Chinapower sogar für ein 24-h-Rennen… Mittlerweile sind wir auf dem Weg nach Sonneborn und aus dem Wald raus. Hier wird Licht gespart. Eine Stirnlampe vorweg, drei Heinzelmänner ohne und drei mit Fahrrad hinterher…

Die ersten 19.00 Uhr-Starter werden eingesammelt. Mann, die „Wandern“ hier schon… Einer humpelt so sehr, dass ich schon den Kerl mit dem weiß-roten Auto anrufen will, aber Hilfe wird dankend abgelehnt… Na gut, dann eben nicht… Sonneborn, hier sind die Bürgersteige schon hochgeklappt. Nur sechs einsame Lichter tanzen durch die Nacht…

An den Wegkreuzungen ist es von Vorteil, dass wir ne größere Gruppe sind. Einer der Radfahrer fährt immer voraus und checkt die Richtung. So ist Verfahren bzw. Verlaufen unmöglich… Neufrankenroda, zweite Verpflegung. Ein lustiges Häufchen hier. Die Stereoanlage dudelt irgendwelche Dudelsack-Musik. Hier ist die christliche  Siloah-Gemeinde ansässig. Meins ist das nicht, aber wer ’s mag…Die Fettbemmen sind jedenfalls Klasse…  Ab hier kenn ich die Strecke. Bin ab hier schon alles abgeradelt. Haina.  Was ist den das? Plötzlich werden wir von nem Tiefstrahler geblendet. Ich will grade losplatzen, dann kurzes Flackern und krawumm, alle sind blind. Dirk Bernkopf hat hier im Hinterhalt gelegen und uns abgeschossen. Ein Bildchen für die Zeitung, in der TA zu sehen.  OK, gradeso genehmigt… Jetzt folgt eine der richtig tollen Passagen. Der Weg hinter dem Flugplatz Kindel Richtung Ettenhausen.  Den Einstieg kann man leicht verpassen. Ich fahr ein Stück voraus und weise die Jungs ein. Mittlerweile ist unsere Zweckgemeinschaft zerfallen. Holger Wiesemann hat sich nach vorne abgesetzt. Ein richtig geiles Wegerl. Fast komplett zugewachsen. Zieht sich bis zur Autobahn. Hammer, Schade, dass es dunkel ist. Ettenhausen, nachts in Deutschland… An der Kreuzung nach Eisenach steht ein total verdreckter Radfahrer. Sucht die Umleitung. Damit kann ich leider nicht dienen, wir wollen mit oben drüber fahren… Ich schick ihn über die Straße nach Sättelstädt. Ich hoffe, er hat ’s gefunden… Für uns wäre es auch besser gewesen, wir hätten die Straße nach Hastrungsfeld genommen. Der Feldweg hat ’s in sich. Wir haben uns zu lange bei dem Radfahrer in Ettenhausen aufgehalten und müssen hinter unseren Läufern her. Plötzlich steht mein Vorderrad, ich geh fast über den Lenker. Schon wieder so ne klebrige Pampe mit Gabelbrückenbremse wie am Bürgerturm bei Gotha.  Mengsi ist noch viel schlimmer dran, der hat ne Felgenbremse, da sammelt sich der Schlamm noch viel besser. Tragen ist die einzige Lösung, nur mittlerweile hat das Rad 10 Kilo mehr. Laufen geht auch nur noch mühsam. Die Radschuhe sammeln den Schlamm genauso… Mengsi flucht wie ein Berserker. Ich glaub, der braucht meine Hilfe jetzt mehr als die beiden Läufer… Eigentlich schlagen  wir uns ja hier wegen den Zweien die Nacht um die Ohren…Endlich Licht, Hastrungsfeld, wir haben die Matschpampe besiegt, HURRA… Rad frei schaufeln und hinter Holger und Uli her. Die sind schon ne Weile auf dem Weg zum Großen Hörselberg. Das sind noch mal ordentlich Höhenmeter.  Am Waldrand hab ich sie wieder, Mengsi kämpft noch mit dem Dreck… Kurze Versorgung, dann fahr ich durch bis hoch zur Verpflegung. Ich brauch jetzt auch was zu futtern.  Oben treffen wir auch die beiden Treffurter wieder.  Der Große Hörselberg, von hier hat man normalerweise einen fantastischen Blick auf den Thüringer Wald… Diese Fangoganzkörperpackung und der anschließende Anstieg hat ordentlich Kraft gekostet. Mitternacht. Nach der dritten Fettbemme taucht Jörg Kupfer aus der Dunkelheit auf. Unglaublich, ist eine Stunde nach uns gestartet und hat uns hier schon eingeholt.

v.l.n.r Holger Sakuth, Ulrich Meininger, Fahrradbegleiter Uwe Mengs. Im Hintergrund saust Jörg Kupfer grad vorbei…

Sein Radbegleiter Mario Kalipke hatte jahrelang den undankbarsten Job beim thüringenULTRA. War immer das „Führungsfahrzeug“  für die erste Staffel. Das war ein hartes Brot.

Jetzt kommt der spannendste Teil der „Einführungsrunde“, der Trail auf dem Kammweg bis zum Kleinen Hörselberg. Zeit für meinen China-Tiefstrahler. Wir sind wieder zu sechst unterwegs. Die zwei Treffurter haben einen Moment länger Pause gemacht. Tagsüber ist das ein richtig feiner Trail. In der Nacht und bei den Bedingungen eine echte Herausforderung. Holger Wiesemann zieht gleich wieder davon. Holgers Fahrradbegleiter bleibt zurück, OK, wird er halt auch noch mit versorgt. Verlaufen ist hier oben nur an einer Stelle möglich. In den Mittelbergen kommt man mal kurz auf einen breiten Forstweg, den man nach 150 m wieder nach links verlassen muss. Dieser Abzweig ist in der Nacht leicht zu übersehen. Dann landet man irgendwo in Wenigenlupnitz, das ist so ne einsame Pampa, da möchte ich selbst am Tage nicht wirklich hin…

Ich erklär es Holger und lass mich wieder zu den zwei M&H ‚lern zurückfallen. Uli fällt immer mehr zurück. Hat wohl Probleme mit dem Untergrund. Ich bleib mit meinem Tiefstrahler bei Uli, vielleicht geht es mit mehr Sicht besser. Die Treppen runter von Kleinen Hörselberg haben es wieder in sich. Mengsi versucht zu fahren und macht zwei Salti über den Lenker. Ich versuch ’s erst gar nicht. Macht auch keinen Sinn, Ulrich sieht mit seiner Funzel sonst auch nix. Endlich sind wir unten. Mittlerweile ist der Vorsprung der Anderen so groß, dass wir sie nicht mehr sehen. Gute 5-6 Minuten Rückstand.  Die nächste Verpflegung  ist nicht mehr weit. Ist die von Eisenach und wird vom M&H-Rennsteigteam betrieben. Mann, das sind ja WIR!!! Ich komme grade an, da verschwindet Holger Wiesemann in der Nacht. Das letzte mal, das ich ihn sehe. Wird am Ende 2. seiner AK mit 20:26:28 h hinter Peter Flock… Na dann mal ein fettes Gratulazio nach Schnalmshusen…

Hier haben wir naturgemäß einen längeren Aufenthalt. Mittlerweile ist es übrigens halb drei und trotzdem ist hier noch ne Menge los. Viele Freunde und Unterstützer des M&H-Rennsteigteams haben mitten in der Nacht den Weg hier raus gefunden. Wahnsinn. Im Zelt ist auch alles voll. Ich krall mir mal ein schnelles Bier. Lauter Läufer kuscheln sich in die Stühle und lassen sich von Fred und Andreas verhätscheln.

links Andreas Hemmann, einer unserer treuen Unterstützer und rechts Fred Dell, 2009 2.  und 2010 4. auf der 100 km-Strecke. Dieses Jahr muss er leider wegen einer langwierigen Verletzung passen. Schade, bin eigentlich sonst mit ihm unterwegs…

Ne Viertelstunde später müssen wir wieder los.

Holger Sakuth und Uwe Mengs. Mengsi verlässt uns hier. Stößt in Friedrichroda wieder zu uns. In der Zwischenzeit bin ich für die zwei zuständig. Während wir uns frisch gestärkt und voller Elan in die Nacht und auf die „letzten“ 108 km stürzen, dürft ihr noch mal den Kühlschrank massakrieren…

Werbepause…

weitere Beiträge zum thüringenULTRA:

2011

Wasserträgerreport – thüringenULTRA 2011 – Teil I

Wasserträgerreport – thüringenULTRA 2011 – Teil III

Wasserträgerreport – thüringenULTRA 2011 – Finale

2010

Wasserträgerreport – thüringenULTRA 2010

2009

Wasserträgerreport – thüringenULTRA 2009 Teil I

Wasserträgerreport – thüringenULTRA 2009 Teil II

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Eine Antwort zu Wasserträgerreport thüringenULTRA 2011 – Teil II

  1. Michael Pflügner schreibt:

    Hallo Uwe, hast deine Arbeit toll erledigt- konnte ja dieses Jahr nicht an der Schlammschlacht teilnehmen. Mir wärs mit meinen Bremsen wie Uwe ergangen. Werd Teil 3 in CAN lesen- man sieht sich Gruß Micha – das M

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