Der EB-Weg-deutscher Teil: Prolog

Tagebuch einer Tour durch den Wilden Osten

Eigentlich sollte es jetzt mit Tag 1 los gehen, aber ich hab noch ne Menge zu schreiben und zu erklären. Das reicht für noch ne längere Einleitung. Der EB-Weg, ein Fernwanderweg, der von Eisenach über 2700 km nach Budapest führt. Wie kommt man auf die Idee, sich sowas an zu tun? Die Ursprünge liegen fast exakt ein Jahr zurück. Damals bin ich in Seiffen beim EBM, dem ältesten Mountainbikerennen Deutschlands, auf die Markierungen des EB-Weges gestoßen. Sieh mal an, hab ich mir gedacht, da könnte man doch glatt mit dem Rad zum Rennen fahren. Da man an den langen Winterabenden ne Menge Zeit für blödsinnige Gedanken hat, wurden die Ideen konkreter. Warum nur bis Seiffen fahren? 2700 km sind allerdings ein ganz schönes Brett. Selbst wenn man im Schnitt 100 km pro Tag schafft, wäre man immer noch Minimum 27 Tage unterwegs. Realistischer Weise müsste man wohl eher mit dem Doppelten rechnen. Zumal es im polnisch-tschechischen Teil dann auch alpin wird. Zu lang für One Way. Also in Etappen, aufgeteilt in 3 Jahre. Das ist machbar. Bisher hat das nur einer mit dem Rad geschafft…

So sieht übrigens die Info-Tafel am Startort direkt unter der Zugbrücke der Wartburg aus.

Dieses Jahr also der deutsche Teil von Eisenach nach Schmilka über ca. 730 km mit nem „Ruhetag“ in Seiffen mit 100 km extra. Macht  grob 12500-13000 hm. Mein persönlicher Alpencross. Da ich sowieso kein Fahrer bin, der die Ambitionen hat unter die ersten Hundert zu fahren, ist es auch egal, ob ich ne halbe Stunde früher oder später im Ziel bin. Damit steht auch schon der Zeitplan. Das Rennen ist am 7.August. Da muss ich in Seiffen sein. Nach reiflicher Überlegung steht der Starttermin, der 1.August. Das sollte reichen, um rechtzeitig bis ins Erzgebirge zu kommen…

Informationen zum EB-Weg gibt es im Netz reichlich. Die Wichtigste und Beste ist die Seite von Bert Winkler EB.Stadtigel.de , der dort alles Mögliche an Informationen rund um den EB-Weg „sammelt“. Dort ist übrigens auch aufgelistet, wo es noch überall Stempelstellen gibt. Ich werde mich allerdings nicht an der Jagd nach Stempeln beteiligen. Für mich liegt der Reiz in der Strecke. Den Nachweis, dass ich da war, könnt ihr hier in diesem bebilderten Bericht nachlesen. Ich hab auch GPS-Daten gefunden, und zwar auf fernwege.de . Aber nach eingehender Prüfung, auch durch die Jungs aus dem sächsischen Regionalforum von MTB-News.de, muss gesagt werden, dass diese Daten  einfach nicht zu gebrauchen waren, weil irgendwo am Rechner gemacht und so schlecht, dass der Track teils kilometerweit neben der eigentlichen Trasse lag. Dafür kann man dort ein kleines Wanderbüchlein erwerben, einmal für den Thüringer und einmal für den Sächsischen Teil, in dem der Weg penibel genau beschrieben ist. Für Wanderer Klasse, auf dem Rad allerdings wenig praktikabel. So kommt es, dass ich viel nur nach Schildern fahre, und die Broschüre und das Kartenmaterial immer erst zu Rate ziehe, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Ich hab mir übrigens das Sächsische geleistet. Den Thüringer Teil kenne ich schon bis nach Saalfeld und ab da geht es „nur“ noch um die Stauseen herum. Da sollte es nicht notwendig sein, auch noch das Thüringer Büchlein zu erwerben. Im Allgemeinen ist der EB-Weg relativ gut ausgeschildert, es gibt aber Abschnitte, wo man mit der Farbe und dementsprechend der Markierung sehr sparsam umgegangen ist. Teilweise sind die Markierungen auch nur auf einer Seite des Baumes angebracht oder soweit im Wald und zugewuchert, dass es teils gehörigen Spürsinns bedarf, den richtigen Weg zu finden. Es ist also immer hilfreich, wenn man an einem Abzweig auch mal einen Blick zurück riskiert…
Richtig schlecht ist es in größeren Ortschaften. Aber in der Regel führt der Weg immer Richtung Markt oder Rathaus. Dort findet man fast immer wieder eine Markierung und damit den richtigen Weg. Ziel war es möglichst exakt dem Weg zu folgen, allerdings ist es mir nicht immer aus oben beschriebenen Gründen gelungen. Im Frühjahr ist Dirk Neubauer die Strecke ebenfalls mit dem Rad abgefahren. Der hat seine Etappen übrigens mitgeschnitten. Seine GPS-Daten und seine Beschreibung der Strecke sind auf outdooractive abrufbar. Zur Zeit ist er übrigens auf dem polnisch-tschechischen Teil unterwegs. Mit Dirk war ich fast täglich in Kontakt. Wurde von ihm quasi ferngesteuert, auch wenn ich die Tipps, die er mir gegeben hat, meist im entscheidenden Moment wieder vergessen hatte… Ich hätte auch gern aufgezeichnet, aber mein Edge 705 ist ohne externe Stromversorgung für so etwas unbrauchbar. Bei der Frage der Übernachtung war ich lange unschlüssig. Die Nobelvariante  in Hotel & Pension oder die Outdoorvariante mit Übernachtung im Freien oder in Schutzhütten. Am Ende setzt sich die Outdoorvariante durch. Das Gepäck sollte sich dabei auf das absolut Notwendigste beschränken. Nach etwas Optimierung sind es um die 8 kg. Dabei hat sich die Ausrüstung trotz der dann ungünstigen Witterungsbedingungen total bewährt. Mehr ist wirklich nicht nötig.

Die Strecke folgt in Thüringen nach dem Start auf der Wartburg bis Neuhaus dem Rennsteig, biegt dort ins Schwarzatal ab und führt dann im Saaletal bergauf bis zu den Stauseen, um sie herum und verlässt dann Thüringen bei Mühltroff ins Sächsische Richtung Plauen.

Der Sächsische Teil führt von Plauen aus gen Süden bis Landwüst, dem südlichsten Punkt des deutschen Teils und folgt dann der Grenze in Richtung Klingenthal. Die weiteren Stationen sind Schneeberg, die Greifensteine bei Geyer, Pobershau, Seiffen und  Altenberg. Dort verlässt er das Erzgebirge und führt zu den Highlights der Sächsischen Schweiz um dann bei Schmilka ins Böhmische zu verschwinden. In Sachsen laufen übrigens 3 Fernwanderwege mehr oder weniger parallel nebeneinander her oder teilen sich hier und da die Trasse. Der Klassische EB-Weg, der modernere Fernwanderweg E3, der von der Bretagne bis ans Schwarze Meer führt und den EB-Weg späterhin quasi schluckt, sowie den Wanderweg der deutschen Einheit.

Die Tour beginnt gleich mit einem Highlight, der Wartburg und der Drachenschlucht. Da ich aber aus Eisenach stamme und diese Sehenswürdigkeiten zu meiner Hausrunde gehören, werde ich sie nicht mitfahren und von Eisenach aus gleich über die Weinstraße zur Hohen Sonne radeln. Für alle Anderen aber ein unbedingtes MUSS. Damit man weiß, was man verpasst, wenn man ’s weg läßt hier ein paar Bilder.

Die Burg mit der Zugbrücke. Das große Eichentor wird zur Zeit restauriert. Man hat festgestellt, dass das Ding so alt ist, dass schon Luther hindurch geschritten ist…

Die Zugbrücke, unter der der Weg beginnt…

Und jetzt noch ein paar Bilder von der Drachenschlucht.

Prinzipiell ist die Drachenschlucht auch bergauf mit dem Rad befahrbar, wobei der obere Teil nicht wirklich Freude bereitet und die Befahrung in Gänze offiziell auch nicht erlaubt ist.

Die engste Stelle hat 68 cm und die 200 hm bis zur Hohen Sonne werden fast ausschließlich über Treppen und Holzelemente bewältigt. Hier mal ein paar Impressionen…

Der Eingang

Der Beginn der eigentlichen Klamm

romantisch…

Spinnweben…

Nach der Klamm

Hier besteht übrigens rechts auch die Möglichkeit auszusteigen und oberhalb der Schlucht auf einem Forstweg zur Hohen Sonne zu radeln. Das geht übrigens auch andersrum. Man spart sich dann die ganzen Treppen und Holzelemente… Wer die Schlucht komplett durchqueren möchte, kriegt die 200 zu überwindenden Höhenmeter erst auf den letzten 300-400 Metern… Das sieht dann so aus…

So sah früher auch die Klamm aus, bis das Forstamt der jährlichen Reperaturarbeiten müde war und Gitterroste angebracht hat.

Aufwärts ne üble Plackerei. Deshalb fahre ich das in der Regel nur bergab und auch nur zu Zeiten, in denen keine Fußgänger mehr unterwegs sind. Wer keine Treppen fahren kann sollte die Finger vom oberen Teil der Drachenschlucht lassen und die Sache lieber zu Fuß angehen.

So, die Vorbereitungen sind abgeschlossen,der Rucksack ist gepackt. Ich hoffe, ich hab nix vergessen. Es kann also los gehen.

Weitere Beiträge zum EB-Weg  – Tagebuch einer Reise durch den wilden Osten

Der EB-Weg: Tag 11

Der EB-Weg: Tag 10

Der EB-Weg: Tag 9

Der EB-Weg: Tag 8

Der EB-Weg: Tag 7

Der EB-Weg: Tag 6

Der EB-Weg: Tag 5

Der EB-Weg: Tag 4

Der EB-Weg: Tag 3

Der EB-Weg: Tag 2

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3 Antworten zu Der EB-Weg-deutscher Teil: Prolog

  1. Holger aus Eisenach schreibt:

    Na dann bin ich ja gespannt, Uwe.
    Das ist bestimmt eine interessante Tour geworden …
    Ein schönes Update über alles Wissenswerte zum EB-Weg.

  2. trekkingfan schreibt:

    Schön, dass doch noch Einige den EB beackern. Wir sind per Pedes unterwegs, aber auch in Abschnitten.

    Wo stimmt den die GPX von fernwege.de nicht?

    • physioterrorist schreibt:

      Eigentlich überall murks, weil irgendwie am PC „eingemalt“ und nicht selbst aufgezeichnet. Ich bin mit Karte und größtenteils nach Beschilderung gefahren und das hat bis auf sehr wenige Momente auch ausgezeichnet funktioniert. Als Fahrradfahrer hat man’s da etwas schwerer, weil man etwas schneller unterwegs ist und auch nicht immer die Karte bei der Hand hat. Da kann es hin und wieder passieren, das man mal ne Markierung übersieht. Als Fußgänger ist das Risiko deutlich geringer…

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