Der EB-Weg-deutscher Teil: Tag 2

Tagebuch einer Reise durch den wilden Osten

Die ersten Sonnenstrahlen machen mich wach. Allerdings ist es schon 8 Uhr. Hier unten am Fluss dauert es bis die Sonne über den Berg schielt. Verspricht ein geiler Tag zu werden. Die Wetterfrösche sagen 28 Grad und Sonnenschein voraus.  Bis ich im Sattel sitze dauert es aber noch ne volle Stunde. Irgendwie hab ich keine Lust los zu fahren. Aufhübschen und Frühstück wird unnötigerweise in die Länge gezogen. Dann find ich keinen Grund mehr noch länger hier zu bleiben.

Bei Hochwasser lässt es sich hier bestimmt richtig geil raften.

In den Stromstellen gibt es immer wieder tiefere Stellen, die durch das Wasser ausgespült wurden. In einem dieser Strudeltöpfe hab ich auch gebadet. Das Wasser war übrigens erstaunlich warm…

Das Flüsschen sieht hier kilometerweit so aus.

Rechts kann man den hübschen Weg sehen, der hier immer schön neben dem Flüsschen her läuft.

Wenig später bin ich in Bad Blankenburg. Das Erste, was einem hier auffällt,  ist der riesige Sportkomplex des Olympiastützpunktes. Dann durch den Kurpark. Von hier aus sieht man schon die Burg Greifenstein hoch über dem Ort thronen, zu der man, wenn man sich die Zeit nimmt, auch einen lohnenswerten Abstecher machen kann. Mir ist das heute zu steil. Ich will noch Strecke machen. Außerdem steht das Schwarzatal mit seinem Panoramaweg ohnehin schon auf meiner Liste. Hier werd ich auf jeden Fall noch mal herfahren, dann ist auch die Burg im Programm. Auf dem Weg nach Schwarza.

Erstaunlich, wo so ne deutsche Eiche noch ihren Lebensraum findet… Der Weg oberhalb Schwarzas endet übrigens abrupt an einer Baustelle. Es war auch eine Umleitung ausgeschildert, aber von solcherlei „Blödsinn“ hab ich mich noch nie abhalten lassen. Mit dem Bike komm ich überall durch, die Bauarbeiter sind not amused. Das ist mir jetzt egal… Ich muss nochmal kurzzeitig die Strecke verlassen…

Deswegen. Hier mündet die Schwarza in die Saale. Gebadet wird hier auch… An der Saale hellem Strande…

Der Ort Schwarza ist übrigens keine Reise wert. Hier ist Industrie vorherrschend.

Und flussabwärts würde ich jetzt auch nicht mehr baden… Der Saaleradweg Richtung Saalfeld ist jetzt nicht unbedingt der schönste Teil. Allerdings sind die Markierungen nigelnagelneu.

Hier scheint der Wegewart auf Zack zu sein. Wenns nur überall so wäre…

Kurz vor Saalfeld…

Das gibt ’s ja gar nicht. Die Baum-Pinseler bei der Arbeit. Das ist ein Foto wert und für nen kurzen Plausch hab ich auch noch Zeit. Leider sind die Zwei nur für die unmittelbare Umgebung von Saalfeld verantwortlich, sehr bedauerlich…

Von Saalfeld ist noch nix zu sehen, aber die Villa Bergfried lugt schon über die Bäume… Dirk meint, die Versorgung um die Stauseen sei schwierig, daß heißt ich muss mich jetzt für den Rest des Tages versorgen.

Das Rathaus von Saalfeld. Wenig später ist meine Hausbar gefüllt.

Die Burgruine Hoher Schwarm.

Ab jetzt Terra incognita. Bis hierher kannte ich die Strecke.

Ich bin noch nicht ganz aus Saalfeld raus und schon verfahren. Direkt vor der Schokoladenfabrik gelandet. Früher gab ’s hier die Schlagersüßtafel von Rotstern… Okay, ein paar Kohlenhydrate kann ich ja auch noch gebrauchen…

Schloss Wetzelstein. Seit den 20’er Jahren die Villa vom Saalfelder Schokoladenfabrikanten Ernst Hüther. Heute ist es eine Nobelherberge.

Mein weiterer Weg führt mich erst über die Straße nach Reschwitz und dann über nen feinen  schmalen Trail links runter auf einen Acker. Die Einfahrt hätte ich beinahe verpasst… Kurz vor Weischwitz wieder eine Markierung, aber die zeigt ins Nirvana. Ich halt mich links an die Saale und lande gleich auf dem nächsten Acker. Nur hier gibt es keinen Weg mehr. Querfeldein, erst durch ein Weizenfeld, dann über ne Wiese und zum Schluß durchs Unterholz und nen üblen Steilstich runter. Ich hab wieder einen Weg gefunden. Ich lande in Breternitz. Irgendwie hab ich bei Weischwitz den Abzweig nach Laasen und zum Lohmturm verpasst. Ich nehm den Saaleradweg nach Eichicht. Hier übrigens mit ordentlich Höhenmetern. In Eichicht find ich endlich wieder ne Markierung. Schade, das das hier nicht mehr zum Revier der Saalfelder Pinseler gehört. Die Ausschilderung ist hier sagen wir mal suboptimal. Ich verfahr mich gleich wieder. Am Bahnhof von Hockenroda erkenne ich endlich meinen Fehler. Bin den EB-Weg in die falsche Richtung gefolgt und hab dabei auch noch den Abzweig zurück zum Lohmturm verpasst. Ich muss wieder zurück nach Eichicht. Das waren 5 km extra. Jetzt finde ich auch die richtige Fortsetzung.

Statt an der Saale entlang im Ort stramm bergauf.

Das Schloss von Eichicht. Zu DDR-Zeiten erst Alters-, dann Kinder- und zum Schluss Lehrlingswohnheim. Heute ist es ne private Wohnanlage. Ich glaub, das sind jetzt Urlaubswohnungen…

Eben noch auf Höhe des Wasserspiegels… Herrliche Aussicht.

Endlich oben. Da hinten ist die Staumauer vom Oberbecken des Pumpspeicherwerks Hohenwarte zu sehen.

Scheint überall das Selbe zu sein. Es werden Unmengen an Holz aus dem Wald geschleppt. Mit den entsprechenden Folgen für die ehemals hübschen Wege.

Die Staumauer. Der Weg geht eigentlich etwas unterhalb lang, aber wenn ich einmal hier hoch gestrampelt bin, kommt es auf die paar Höhenmeter auch nicht mehr an. Um das Becken rum und durch Lohma. Das dortige Sanatorium hat auch schon bessere Tage erlebt. Noch 20 Jahre und von der Ruine ist nix mehr zu sehen.

Durch die vielen Verfahrer bin ich bei jedem Abzweig vorsichtig geworden, der Scanner ist ausgefahren und tatsächlich 50 m neben der Strasse entdecke ich eine Wegmarkierung. Flugs links abgebogen und schon steh ich wieder vor der Staumauer, nur auf der anderen Seite.

Geiler Ausblick.

Danach ein schicker Trail…

…der dahin führt.

Okay, ich habs begriffen. Es gibt hier zwei Wege ums Oberbecken. Den über Lohma und den über die Rohrbrücke. Letzterer ist die deutlich spektakulärere Variante. Nun kenn ich wenigstens beide…

Kurze Erklärung der Technik.

Warum fahren wir eigentlich immer alle ins Ausland? Deutschland ist so geil.

Wenig später bin ich wieder am Holzverladeplatz. Nochmal über Lohma, diesmal am Abzweig aber gradeaus. Der EB-Weg folgt  hier der Straße bis Kleingeschwenda und biegt dann links zur Lothramühle ab.  Der Weg vernichtet die mühsam erstrampelten Höhenmeter sehr schnell. Nicht ganz ungefährlich. Der Forst war hier mit schwerer Technik unterwegs und damit die großen Maschinen nicht zu tief einsinken, wurde der ganze Weg mit den nicht mehr verwendbaren Ästen gepflastert. Man muß höllisch aufpassen, dass  sich nicht einer von diesen vorwitzigen Dingern in der Schaltung verfängt. Das wäre das Ende der Tour…

An der Lothramühle vorbei und schon bin ich wieder unten an Wasser.

Der Trail zieht sich ne Weile so hin. Hier ist es noch möglich, ans Wasser zu kommen. Wenig später beginnt eine Datschensiedlung, alles Wassergrundstücke, da kann ich nur noch sehnsuchtsvoll runter schauen. Der Trail wird deswegen aber nicht schlechter und zieht sich an den ganzen Datschen vorbei immer weiter am Wasser lang.

Dann geht ’s gefühlt zum 125 000 ‚ten Mal bergauf.

Am Ortsausgang von Neidenberga stehen diese drei Steinkreuze. Die Erklärung folgt auch gleich…

Kerle, tz,tz,tz…

Mein Weg führt mich weiter. Durch den Wald in beständigem Auf und Ab. Am Campingplatz Mutschwiese vorbei rauf nach Drognitz. Wiedermal oben… Meine Flaschen sind leer. Der Dorfkonsum macht in 10 Minuten auf, die Zeit hab ich. Erstaunlich, wie sich so ein Lädchen halten kann. Meine Stube ist größer als der ganze Laden. Ich komm mit nem Pärchen ins Gespräch, die auch schon warten. Sind auf dem Saale-Radweg unterwegs und wollen zur Mündung. Sind aus Magdeburg, na das bisschen könnens dann auch noch mit dem Rad. Mit gefüllten Flaschen fröhlich los gestrampelt. Ja, denkste. Kurz vor Altenbeuthen merk ich, dass ich wiedereinmal den Weg verloren habe. 2 Kilometer zurück nach Drognitz. 50 m hinter der Kreuzung geht der Weg links weg. Ausgeschildert ist das allerdings nicht. Erst 200-300 m später find ich das blaue Kreuz. Befinde mich jetzt auf der alten Straße nach Altenbeuthen. Gut, dass ich zurückgefahren bin, sonst hätte ich diesen Blick verpasst.

Der Drachenschwanz. Das entschädigt für alle Strapazen. Da fahr ich doch gerne nochmal den Berg rauf… Deutschland herrlich Urlaubsland… Gardasee? Pah, Hohenwarte ist die erste Wahl. Wenig später bin ich wieder unten. An der Fähre vorbei und wieder rein in den Wald und ran ans Wasser…

In Riva gehört ein Sprung ins Wasser auch dazu… Das das nicht ganz so glatt ging, zeigen die nächsten Bilder. War übrigens der vierte Versuch…

Nummer 1…

Nummer 2… Huuch, Selbstauslöser vergessen…

Nummer 3… wieder nicht.

Waschtag, die schwitzigen Klamotten müssen mal ausgewaschen werden. Und dann noch ein bisschen planschen….

Ups…

Nach einer Stunde sitz ich wieder auf dem Rad. Gefuttert hab ich auch gleich was. Auf dem Weg nach Ziegenrück muss ich da durch und natürlich immer bergauf. Wäre auch ein Foto für’s Bilderrätsel.

Nennt sich Wilhelm Tell Felsen. Die hohle Gasse…

Geile Ausblicke, geile Trails…

Dann bin ich in Ziegenrück.

Schönes Örtchen.

Am Bootsverleih nehm ich mir ein Eis. Auf dem Berg thront übrigens die Burg von Ziegenrück.

Die kommt mir grade recht. Die Flaschen sind schon wieder leer.

Danke, Ernst.

Dann mal wieder bergauf. Ein übler Anstieg führt mich nach Dorflas. Die Dorfkapelle wird schon unten am Einstieg „beworben“.

Für das Kaff ist so ein Bauwerk wahrscheinlich schon ne Sensation.

Mein Rucksack dient übrigens als Wäscheleine. Schon fast trocken…

Das ist übrigens der Grund, warum der Weg über den Berg führt und nicht unten am Wasser bleibt, denn…

dieser Lastenaufzug geht bis runter ans Wasser und kann nicht überquert werden. Dann bin ich da…

Der Saaleturm. Da muss ich hoch…

Der Blick aus 36 m Höhe ist der Hammer… Malerisch liegt Schloss Burgk vor mir.

Runter zum Schloss.

Schnelle Runde durch den Burghof, dann weiter über den vorderen Röhrensteig. Ein 1A-Zaubertrail. Schmal und ausgesetzt. Hier kommen mir das erste Mal auf der Tour ein paar einheimische Biker auf ihrer Feierabendrunde entgegen. Die Sonne steht schon tief, ich versuchs trotzdem mit nem Foto…

Der Trail führt runter zur Eisbrücke. Aber mein Weg führt nicht drüber, sondern biegt vorher links ab. Noch ein Zaubertrail, der zum Koberfelsen.

Fast wie der Seesteig bei der Salzkammergut-Trophy am Hallstatter See.

Grandios.

Ein Blick zurück. Leider wieder gegen die Sonne. Im Hintergrund die Eisbrücke und das Schloss Burgk. Wenig später endet der Weg an einem Zaun. Im ersten Moment bin ich ratlos, dann folge ich ein paar Radspuren. Ein steiler Serpentinenpfad windet sich den Berg hoch. So ein Mist, hier ist meine Fahrtrichtung definitiv die Falsche. Oben find ich tatsächlich das blaue Kreuz. Unglaublich. Mit dem Rad eine üble Plackerei. Oben gönn ich mir erst mal ein Gel. Das hat Körner gekostet. Das Ding hätte ich gern mal anders rum probiert. Die Radspuren zeigen ja, das ich nicht der einzige Verrückte bin. Technisch das schwerste Stück der ganzen Tour. Wenig später bin ich auf der Staumauer der Bleilochtalsperre.

Ab jetzt geht der Weg immer am Wasser entlang um den Stausee. Ist auch schon spät. Wird Zeit, dass ich mir einen Schlafplatz suche.

Die hier…

haben ’s sich schon gemütlich gemacht. Sind allerdings auch schon die halbe Woche da. Gefangen haben se noch nix. Wenn die zwei Fisch essen wollen müssen se erstmal in die Kaufhalle… Ist richtig was los hier. Jede Stelle ist schon von Anglern belegt. Frag mich bloß warum, wenn die eh nix fangen. Ich muss fast 5 km fahren, bis ich endlich was Passendes finde. Witzigerweise genau gegenüber von den zwei Wurmbadefachkräften.

Die zwei weißen Punkte in der hinteren Bucht, das sind se.

Die Staumauer hab ich auch im Blick.

Nacht über der Bleilochtalsperre und ein nicht ganz jugendfreies Bad im See.

Tagesabschlussfeuerchen und Feierabendbier. Prost. Das war mal ein geiler Tag.

Zeit für ’n müden Terroristen ins Bettchen zu gehen. Gute Nacht Johnboy, Gute Nacht Mary-Anne, Gute Nacht Elisabeth…

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Der EB-Weg: Tag 9

Der EB-Weg: Tag 8

Der EB-Weg: Tag 7

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4 Antworten zu Der EB-Weg-deutscher Teil: Tag 2

  1. 901-Frank schreibt:

    Super Bericht wiedermal, hab mich köstlich amüsiert !!!! Eine tolle Gegend haste abgeklappert.für Dich der perfekte Trip als Kilometerfresser, ich brauch ja nicht so viel Kultur ;-)))
    Gruß Frank

  2. J.K. schreibt:

    Na endlich mal einer, der erkennt, wie schön es bei uns ist 🙂 Von den Bildern brauchst Du übrigens keins ins Bilderrätsel stellen, da brauch ich keine 3 Sekunden um rauszufinden, wo Du warst. Das Schlimmste ist, daß DU die richtig geilen Trails bei Schloß Burgk noch ausgelassen hast 🙂 Das in Ziegenrück ist übrigens ein Schloß. Vielleicht war ich ja sogar einer der Biker, der Dir da entgegen kam wobei ich da selten jemanden treffe. Wenn Du also mal wieder in die Gegend kommen solltest, sag bescheid, dann zeig ich Dir gern noch paar schöne Ecken. Ist übrigens echt angenehm lesbar geschrieben alles…
    Grüße J.

  3. 3Essen-Original schreibt:

    Hallo Uwe,
    ich kann mich dem Kommentar von J. nur anschließen. Aber wenn Du die geilsten Ecken auch noch mitgenommen hättest, wärst Du heute noch nicht in Seiffen! Das mit Urlaub und Deutschland kann ich nur bestätigen. Bin diese Woche mit Frank und Dirk von der Radscheune den Vogtland-Panorama-Weg gefahren. Junge, Junge wie geil das doch in unserer Heimat ist!
    Gruß Gernot

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