Der EB-Weg-deutscher Teil: Tag 3

Tagebuch einer Reise durch den wilden Osten

Sonnenaufgang. Der Tag fängt gut an.

Die Wetterfrösche versprechen wieder einen sonnigen und heißen Tag. Ich geh nochmal planschen und mach ’s dann wie ne Eidechse. Leg mich in die Sonne und lass mich trocknen. Zum Frühstück spendiert mir meine Hausbar einen lecker Quarkzopf. Auf Kaffee muss ich allerdings verzichten. Für die Kaffeemaschine wollte sich einfach kein Plätzchen in meinem Rucksack finden… Deutsches Wasser macht ’s auch… Mein Schlafsack ist durch den Tau ein bisschen feucht geworden. Den lass ich auch noch trocknen. Wäre blöd, wenn ich den jetzt nass verpacke und heute Abend in einen feuchten Schlafsack krabbeln müsste…

Mein Feldlager. Das ist übrigens Alles, was ich mitschleppe:

Lenkertasche (auch Hausbar)(für alles, was ich während der Fahrt brauche, meist Lebensmittel und Kartenwerk)

30 l Rucksack,

800 gr-Schlafsack,

Rettungsdecke als Multifunktionsfolie,

2 Radtrikots,

2 Radhosen,

2 Paar Handschuhe,

Arm- und Beinlinge,

Regenjacke,

3 Paar Socken,

Helm,

Radschuhe,

einmal Zivil in Form von T-Shirt, Buggy-Hose sowie Flipflops,

Kulturbeutel (Zahnbürste, Paste, Stinkestank, Duschbad),

Reisehandtuch 30×40,

2 Notfall-Gels und Salztabletten,

Das Elektrische (Stirnlampe,Handy,Ladegerät),

Victorinox-Taschenmesser, Feuerzeug,

Kettenöl,

2 Trinkflaschen,

Satteltasche (Mulifunktionstool,2 Schläuche, Flickzeug, McGyver-Kleinkram (Kabelbinder,Kettenschloss…))

4 Kompass-Karten und die Wegbeschreibung vom Sächsischen Teil des EB von Simon

Wenn ’s dann ins Polnische und Tschechische geht (voraussichtlich 2012) wird noch leicht modifiziert. Zivilklamotten werden etwas dicker (T-Shirt wird lang und aus der Buggy wird ne wasserdichte Gore-Bikehose mit abnehmbaren Beinen), und ein 1,6 kg-Zelt kommt zusätzlich mit in den Rucksack. Platz dafür ist da noch…

Im Tschechischen liegt übrigens Malevil auf der Strecke… Da scheinen die groben Eckpunkte für die nächste Saison schon zu stehen…

Irgendwann muss ich doch losfahren. Die Oberschenkel brennen noch ein bisschen. Dirk meint bei unserer allabendlichen Lagebesprechung, gestern wären es 115 km und 3500 hm gewesen. Bei der Entfernung mag er recht haben, aber bei den Höhenmetern hab ich das Gefühl, es war das Doppelte…Geht auch gleich richtig los. Erstmal stramm bergauf. Uff…

Der Tag fängt genau so an, wie der gestern aufgehört hat. Ein beständiges Auf- und Ab. Runter…

…rauf… und wieder runter…

Wenig später hab ich diesen tollen Ausblick.

Ich bin auf dem Heinrichstein gelandet.

Geil, meine persönliche Gipfel-Urkunde. Unterzeichnet von B.Gipfel und H.Stein, Klasse Idee. Wenn ’s ne Gipfel-Urkunde gibt, dann doch sicherlich auch ein Gipfelbuch…

Ich blättere schnell mal durch, vielleicht finde ich ja ne Eintragung von Dirk. Hab aber leider keinen Erfolg. Die Bücher werden monatlich erneuert, Schade…

Saaldorf. Der südlichste Punkt meiner Reise in Thüringen. Jetzt geht es auf der anderen Seite des Stausees wieder rauf bis Saalburg. Im Kanuklub gleich am Eingang des Dorfes nehm ich einen schnellen Imbiss. Dann bin ich wieder im Wald. Vom Wasser seh ich erst kurz vor Saalburg wieder was.

Die Hauptstraße von Saalburg. Ist jetzt nicht die Hauptattraktion des idyllisch gelegenen Örtchens, aber da muss ich hoch. Am Hotel Friedrichshöhe vorbei zur Sommerrodelbahn. Von da noch ein letzter sehnsuchtsvoller Blick zurück zum Stausee.

Dann geht ’s endgültig ab in den Wald. Erst auf nem Trail bergab, dann auf breitem Schotterweg steil und ewig lang bis zu einer Datschenkolonie bergauf. Ein Trail führt runter ins schöne Wisentatal.

Dem Flusslauf folge ich ne Weile bergauf. Bei Raila ist die Wisenta weg, aber der Wald noch da…

Unendliche Weiten…

Kein Ende abzusehen… Dann wird aus dem Schotter Beton…

… und aus dem Beton Asphalt.

Das Schleizer Dreieck.

Der EB-Weg führt mitten über die Rennstrecke. Gut, dass gerade keine Veranstaltung läuft.

Gleich nochmal rübber… Gewöhnlich brettern hier Valentino und Co. über die Strecke. Heute gehört der Streckenrekord mir…

Oberböhmsdorf ist der letzte Ort in Thüringen.

Die Grenze. Der Balken hat sich die letzten 20 Jahre nicht mehr bewegt. Dahinter ist Sachsen. Auf der anderen Seite beginnt ein frisch geschotterter, breiter Forstweg.

Der EB-Weg wird auch umgelabelt. In Sachsen wird mit Farbe gespart. Aus den 2 blauen Strichen in Thüringen wird einer in Sachsen.

Der erste Ort in Sachsen ist Mühltroff  und auch der Westlichste. Hier wohnen übrigens alles Thüringer Landesflüchtlinge. Am 1. April 1992 wurde Mühltroff nach Sachsen umgegliedert. Aus der Ferne sieht es ganz nett aus. Aber von der Nähe…

Der Kulturschock ist exorbitant. Eben noch die  geilen Ausblicke rund um die Saaletalsperren und jetzt… „Blühende Landschaften“… An einem Bauzaun ist Schluss. Versperrt den Weg über eine Brücke, die nicht mehr da ist. Das Schloss von Mühltroff hat sicher auch schon bessere Tage erlebt.

So, wie das Schloss, sieht der ganze Ort aus. Es wird Zeit, dass ich ne Kaufhalle finde. Mein Abendbrot muss noch gesichert werden. Ich frag nen Kerl mit nem Rad nach ner Kaufhalle, aber der reagiert gar nicht, glotzt mich nur an, als wäre ich von nem anderen Stern…. Ich frag noch mal, diesmal langsam und in gut verständlichem Hochdeutsch. Ich hab das Gefühl, der ist aus der örtlichen Psychiatrie entwichen. Zumindest kommt jetzt ne Reaktion, aber der ausladenden Gestik und dem nu,nu ist nichts zu entnehmen. Ich versuchs auf gut Glück und hab tatsächlich Erfolg. In der Kaufhalle folgt mein Einkaufswagen dem beeindruckenden Fahrgestell einer hübschen Blondine. Kopfkino…

Ich bin in Sachsen angekommen… Hier wird Sexisch gesprochen. Nur ausgerechnet das hätte sie nicht machen sollen, sprechen… Kennt jemand noch den Werbespot in der Kaufhalle mit Hella von Sinnen und Ingolf Lück? Ich meine den…

Nur das ich keine Kondome wollte, und die zwei Weiber sich durch die ganze Kaufhalle in „feinstem“ einheimischen Dialekt in der selben kreischenden Tonlage wie Hella die neuesten Geschichten aus dem Kindergarten… Das geht ja gar nicht. So schnell bin ich noch nie aus ner Kaufhalle geflüchtet…

Einigermaßen verstört verlasse ich diesen Ort. Thüringen darf sich glücklich schätzen, dieses Kaff los geworden zu sein. Mein Rat, weiträumig umfahren, zumal hier auch die Geruchsnerven in einer Weise gereizt werden, dass man denken könnte, man ist auf einer Müllkippe. Müll druff auf Mühldroff. Das beste Foto von hier ist das…

Der Empfang in Sachsen war nicht das gelbe vom Ei, aber es wird besser, versprochen…

Der Charakter des EB-Weges hat sich komplett verändert. Jetzt sind Feldwege vorherrschend, immer wieder unterbrochen von kurzen Waldpassagen.

Ab Mehltheuer wird es wieder schöner und international…

Nächster Ort Syrau und weiter in Richtung Plauen. Im Plauener Stadtwald wird wieder umgelabelt.

Das Problem ist nur, ich krieg ’s nicht mit und folge weiter dem blauen Strich, der hier um Plauen einen anderen Wanderweg markiert. Ich bin schon fast an der Talsperre Pöhl, bis ich es merke. Dabei hab ich vorher gelesen, dass die Markierung in Plauen wechselt. Zu blöd… Jedenfalls irre ich komplett orientierungslos auf der Suche nach einer Wegmarkierung durch Plauen. Ner Frau wäre das sicher nicht passiert. Die fragen lieber zweimal nach dem Weg, aber ich bin ein Mann und die fahren lieber dreimal um den Block, bevor sie zugeben, dass sie sich verfranst haben. Ich bin jetzt an meinem weiblichen Part angelangt und frage den…

Zum Glück fährt er in meine Richtung und lotst mich durch ganz Plauen. Dann hab ich den Weg wieder. Danke ins Vogtländische…

Übern Burgteich geht ’s nach Kürbitz.

Würd mich ja mal interessieren, welches zuerst da war.

Pirk ist schon ausgeschildert, dann ist der Stausee auch nicht mehr weit. Übrigens hübsches Wegerl bis zur Staumauer, immer an der Weißen Elster entlang…

Da isse… Links über ne Treppe nach oben, das Rad wird geschultert.

Ich fahr noch ein Stück und schlage mein Nachtlager auf. Schon wieder ein Stausee. Langsam mutiert die Tour zu ner Stausee-Runde… Feuer gibts heut nicht.

Mein Abendbrot. Das ist übrigens das Geheimnis meiner Hausbar… Nacht über ‚m Stausee. Die Sterne leuchten mir noch ein bisschen bei meiner Lektüre für den nächsten Tag. In Eisenach regnet es schon und für Morgen ist das auch für mich angesagt. Naja, wo ’s hin kommt…

PS: Herzlichen Dank an Dirk Neubauer.  Er hat mir die Bilder seiner Tour zur Verfügung gestellt. So kann ich an den Stellen, an denen ich nicht angehalten oder, aus welchen Gründen auch immer, keine Fotos gemacht habe, Dirks Bildchen verbraten…

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Der EB-Weg: Tag 11

Der EB-Weg: Tag 10

Der EB-Weg: Tag 9

Der EB-Weg: Tag 8

Der EB-Weg: Tag 7

Der EB-Weg: Tag 6

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Der EB-Weg: Tag 4

Der EB-Weg: Tag 2

Der EB-Weg: Tag 1

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Eine Antwort zu Der EB-Weg-deutscher Teil: Tag 3

  1. Uli M. schreibt:

    Hallo Uwe,
    schöner Bericht! Vieles weckt in mir Erinnerungen an meinen Touren im Juni/Juli und November 2007. Obwohl ich langsamer unterwegs war, erfahre ich einiges bisher Unbekanntes: die Gipfelurkunde des Heinrichsteins habe ich nicht und dass Mühltroff einst zu Thüringen gehörte – das verschweigt die von mir aufgenommene Tafel „Geschichte der Stadt Mühltroff“ gänzlich. Demnach war die Einweihung der neuen Schule 1930 das letzte große Ereignis. Ansonsten ist mir der Ort nicht so negativ in Erinnerung. Orientierungsprobleme rund um Plauen – die hatte ich seinerzeit auch.

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