Der EB-Weg-deutscher Teil: Tag 4

Tagebuch einer Reise durch den wilden Osten

Die Nacht ist früh zu Ende. Ich werde von Blitz und Donner geweckt. Noch regnet es aber nicht. Alarmstart. Ich muss schnell ein Dach über ’n Kopf finden. Zum Glück ist ein alter Bootsschuppen gleich in der Nähe. Um 1 bin ich schon wieder im Reich der Träume… Um 8 ist dann die Nacht endgültig vorbei. Allerdings hat es sich empfindlich abgekühlt und der Himmel ist auch kitzgrau. Da hat mich der Regen offensichtlich schneller ein, als gedacht. Zeit für Arm- und Beinlinge. Die Regenjacke kommt auch zu Einsatz. Der Rucksack ist heute deutlich leichter… Es gibt auch keinen Grund, meinen Aufenthalt im Bootsschuppen länger als nötig auszudehnen…

Der Markt von Oelsnitz.

Über Feldwege geht es raus aus Oelsnitz. Ein paar Höhenmeter sind auch dabei. Heute bin ich deswegen nicht böse. Bringt den Körper auf Betriebstemperatur. Dörfer, die mir nichts sagen, Raasdorf, Tirschendorf, Wilitzgrün… Ne längere Waldpassage und ich lande in Marieney.

Das Örtchen wäre sicher auch nicht erwähnenswert, wäre da nicht das…

Marieney ist der Geburtsort von Adam Friedrich Zürner. Wie, ihr wisst nicht, wer das war? Der Kerl war der Hofgeograf von August, dem Starken, hat die Entfernungen der Poststraßen vermessen und dann die immer noch  zahlreich zu findenden Postsäulen und Meilensteine gesetzt. Noch interessanter ist allerdings, das es eine Forschungsgruppe für Kursächsische Postmeilensäulen gibt.  Womit man heutzutage sein Geld verdienen kann…

Danach wieder Wald. Im Tännicht verliere ich kurz den Weg. Der Forstweg, auf dem ich mich befinde, führt aber auch dahin, wo ich hin will, nach Amerika. Erstaunlich, wie viele Amerikas es in Sachsen gibt.

Adorf.

Dank Adam Friedrich und natürlich der Forschungsgruppe,darf ich hier sehen, wie weit es noch bis Klingenthal ist … Nach Klingenthal komme ich heute auch noch, nach einem vorherigen kleinen Abstecher nach  Süden.

Strässel. Markant mit seinem weithin sichtbaren Funkmast. Im Tal ist schon Markneukirchen zu sehen, aber runter muss ich nicht. Der Ort wird nur gestreift.

Der Bismarck-Turm auf dem Markneukirchener Berg. Bei schönem Wetter hat man hier ne tolle Aussicht auf das Umland und weit ins Tschechische hinein. Was ich heute sehe, ist allerdings wenig erbaulich. Ringsrum dicke Regenwolken. Ganz finster sieht es in meiner Richtung, der nach Klingenthal und Erzgebirge, aus.

Landwüst, die Postsäule steht unmittelbar vorm örtlichen Freilichtmuseum, dem Vogtländischen Bauernmuseum, um genau zu sein.

Der Kindergarten hat dem Museum grade nen Besuch abgestattet, der Museumsführer erhält das passende Ständchen. Hats fein gemacht…

Das Kriegerdenkmal von Landwüst. Normalerweise fotografiere ich nicht solche martialischen Gedenksteine, aber der hier markiert den südlichsten Punkt meiner Reise.

Der Wirtsberg. Die 3-etagige Schutzhütte hat eigentlich einen Architekturpreis verdient. Herr Zürner hat auch hier seine Spuren hinterlassen…

Es fängt an zu regnen. Das Wetter hat ’s heute schon zweimal versucht. Beim Versuch ist es bisher allerdings geblieben. Diesmal regnet ’s richtig. Den ersten Schauer warte ich noch in der Hütte ab, dann fahr ich weiter.

Die Grenze. Der folgt der Weg ne ganze weile Richtung Klingenthal. Das Foto habe ich wieder von Dirk. Witziger Weise hab ich genau den Grenzstein auch fotografiert, mein Foto hat aber unter der Nässe gelitten, es hat nämlich wieder richtig angefangen zu schütten. Ich muss mich wieder unterstellen. Springe von Baum zu Baum, mal ins Tschechische, mal ins Deutsche… Auf die Weise finde ich auch das…

Der Gockl Ernst hat eine interessante Geschichte, fast schon Schwejk’sche Dimensionen…

Mittlerweile regnet es auch unter den Bäumen, es hat also keinen Sinn mehr, sich unter den Bäumen zu verstecken. Und weiter muss ich ja eh. Oberhalb von Wernitzgrün hört ’s endlich auf. Hier gibt ’s ne Schutzhütte vom Wanderweg der deutschen Einheit, in der man sich auch einen Stempel abholen kann. „Wanderregion Erlbach Vogtland Wernitzgrün“ steht drauf. Der Einzige, den ich mir auf meiner ganzen Tour geholt habe. Dann bin ich in Erlbach.

375 km hab ich schon hinter mir. Was noch vor mir liegt will ich jetzt nicht wissen… Einkaufen muss ich auch noch. An der alten Brauerei finde ich ein kleines Lädchen, und nehm auch gleich ein paar einheimische Spezialitäten in das Sortiment meiner Hausbar auf.

Schwarbier mit Seele. Während ich einkaufe fängt es übrigens wieder an zu gießen…

Ich verlasse Erlbach durch das idyllische Schwarzbachtal auf dem Hedwigsruhweg. Ich könnte die Schönheit sicher auch viel besser würdigen, wenn es nicht so schütten würde. Ein überdachter Rastplatz muss mir noch einmal Unterschlupf gewähren.

Zeit, mal die örtlichen Köstlichkeiten zu genießen… Nach ner halben Stunde lässt der Regen soweit nach, dass man übers Weiterfahren nachdenken kann.

An der Tannenmühle geht es über eine Forstautobahn lange ziemlich steil bergauf. Die Forstarbeiter, an denen ich hier vorbei komme, haben ihre Arbeit eingestellt und pennen in ihren Autos. Über Brandleithe Loipe und Alte Klingenthaler Straße bis  zum Abzweig Richtung Zauberwald.

Es ist sogar wieder die Sonne raus gekommen. Aber der Weg, oje…

Sieht aus wie auf dem Truppenübungsplatz. Manövergebiet.

Die Tschechen haben ihre Panzer auch schon in Marsch gesetzt. An Fahren ist hier nicht zu denken.

Dahinten ist Klingenthal schon zu sehen. Wenn man glaubt, dass es nach der Panzerstraßen-Orgie keine Steigerung mehr gibt, der sollte sich eines Besseren belehren lassen.

500 m Steaple-Chase. Schleppen, ziehen,zerren, klettern… Und hier ist alles pitschnass, eklig… Ich bin fast durch, da kommen mir zwei Wanderer entgegen. Sind auf dem WDE unterwegs und stöhnen jetzt schon, dabei haben die den „schönsten“ Teil noch vor sich…

Im Freifall geht es runter nach Klingenthal.

Hier muss ich eine längere Pause machen. Die Batterie meines Handys ist am Ende, die Klamotten sind triefnass und was essen muss ich auch. Ich find auch gleich ein hübsches Etablissement, die Alte Schule.

War früher tatsächlich mal Eine. Mittlerweile haben die hier auch eine Steckdose…

…und ne Freundin findet sich auch gleich…

Stinky Radklamotten scheinen sich hervorragend als Einschlafhilfe zu bewähren.

Nach 2 Stunden sind meine Klamotten wieder trocken, die Katze hat ausgeschlafen, das Handy ist für die nächsten 500 Bilder einsatzbereit und in meinem Bauch schwabbert ne Wildsau mit Klößen. Zwei Regenschauer hab ich auch trocken ausgesessen. Es folgt der lange Aufstieg zum Aschberg. Zuvor wartet aber noch der Körnerberg. Der Einstieg hat ’s gleich mal in sich. Kurze Schiebepassage. Dann lässt es sich ganz gut fahren.

Aber nur bis hier hin.

Rechts oder links umfahren ist nicht drin. Entweder zurück oder da durch…

Rückwärts nimmer, also vorwärts und drunter weg…

Zuerst der Rucksack…

…dann die Hausbar und…

..zum Schluss muss sich mein Rad an seine Grundausbildung erinnern. Am Ende bin ich fünf mal da durch gekrabbelt.

Jetzt wird ’s afrikanisch. Noch ein Kilometer bis Kamerun.

Kamerun, mit ner echten Kamerunerin. Die nette Blondine ist eine waschechte Eingeborene und erzählt mir quasi aus erster Hand, warum Kamerun Kamerun heißt. Das war früher einmal eine Gastwirtschaft, die nach dem verlorenen 1. Weltkrieg von Rückkehrern aus den dortigen Kolonien gegründet wurde… Die nette Dame bietet mir sogar einen Kaffee an, aber durch die vielen Regenunterbrechungen  hab ich schon viel zu viel Zeit verloren und lehne dankend ab. Das Klischee scheint zu stimmen, offensichtlich bin ich jetzt angekommen, im Goffeesaggsngandrie…

Auf dem Körnerberg. Am Horizont ist schon der Aschberg zu erkennen.

Friedenshöhe. Nicht mehr weit, aber auch schon wieder richtig finster. Das wird doch nicht schon wieder…

In Direttissima den Berg hoch, mitten auf der Grenze. Fahrbare Passagen wechseln sich mit elendsteilen Schiebestücken ab.

Hier wird übrigens Grenzbebauung wörtlich genommen. Ich bin mir aber nicht sicher, ob jetzt die Tschechen für die Müllabfuhr zuständig sind…

Und dann ist es wieder soweit. Ein Wolkenbruch vom Feinsten und zum Unterstellen weit und breit nix zu sehen. Bergwandern im Regen,  davon hab ich immer schon geträumt,“geil“.

Pünktlich am Gipfel ist der Sch… vorbei und ich bin durch. Die nächsten 3 Tage werden meine Füße nicht mehr trocken. Spülhände und Spülschrumpelfüße.

Der Turm. Da muss ich hoch, platsch,quatsch….

Alles trieft noch.

Berauschend sieht die Aussicht nicht aus. Bloß schnell weg, sonst überlegt sich ’s Petrus noch und öffnet wieder seine Schleusen. Über ne Forstpiste, die Obersachsenberger Straße, mal mehr mal weniger bergab, aber immer gradeaus. Hier kann man den Lenker getrost festbinden und ne halbe Stunde später mal schauen, wo man sich grad befindet. Die ersten Anzeichen von Zivilisation finden sich wieder in Zeughaus, dann bin ich schon wieder im Wald. Zumindest kann ich hier Kilometer fressen.

Morgenröthe-Rautenkranz, ich lande direkt vor Siggi ’s Kampfjet. Die Heimat von Sigmund Jähn und im Wetterbericht immer einer der kältesten Orte Deutschlands…

Das dazugehörige Museum. Rein komm ich nicht mehr, ist schon kurz nach 18 Uhr. Schluss ist für heute allerdings noch lange nicht. Ich muss Kilometer machen, sonst schaff ich es nicht rechtzeitig zum Rennen in Seiffen. Morgen ist schon Freitag, das Rennen ist am Sonntag. Samstag wollte ich eigentlich nicht mehr so viele Kilometer vor der Brust haben und spätestens Mittag dort eintreffen. Zumindest scheint jetzt wiedermal die Sonne. Dann geht ’s zur Abwechslung mal wieder bergauf. Auf der anderen Seite wieder runter ins Silberbachtal, an Carolagrün vorbei und dann steh ich am Stausee Carolagrün.

Lädt zum Reinspringen ein, aber ich bin schon klitschnass.

Außerdem hat es sich empfindlich abgekühlt.

Nächster Stopp, Hotel Forstmeister oberhalb von Schönheide.

Blick auf Schönheide.

Das Hotel sieht von Außen recht gepflegt aus und ne Menge los ist hier auch. Trotzdem ist mir dieser Wegweiser eher ein Foto wert. Der nette Hinweis mit den 360 km stimmt übrigens nicht. In Erlbach waren es schon 375 km und das ist schon 55 km her. Richtiger wären demnach 415 km. Zum Kuhberg geht es wieder stramm bergauf.

Wie Kühe sehen die allerdings nicht aus.

Der Kuhberg mit dem Prinz Georg-Turm.

Die Kuh, ich bin richtig…

Muuuuh…

Dirk hat die Kuh auch fotografiert.

Auf den Turm muss ich natürlich auch, aber die Bäume sind schon ziemlich hoch gewachsen und versperren die Aussicht.

Dafür gibt es im Treppenaufgang ne Triangulierungssäule von Schönheide…

Abfahrt Richtung Neulehn und Unterstützengrün. Landung an der Talsperre Eibenstock.

Das Wegerl führt ne Weile am Stausee entlang und steigt dann stramm bergauf nach Hundshübel.

Die Kirche von Hundshübel. Die Sonne steht schon tief… Wieder runter zum See und vor zur Staumauer.

Sieht Klasse aus, nur passieren darf ich se nicht. Ist für ’s gemeine Fußvolk gesperrt.

Die Abendsonne spiegelt sich im See.

Nebel wabert auf der anderen Seite der Staumauer. Da muss ich jetzt runter. Der Trail hat es in sich. Eine  der wenigen Stellen der Tour, auf der ich bergab vom Rad muss.

Lustige Gesellen stehen hier am Wegesrand. Ich bin im Tal der Zwickauer Mulde angekommen. Das verlasse ich aber gleich wieder, natürlich ordentlich steil bergauf Richtung Filzteich und Schneeberg. Nach ner halben Ewigkeit bin ich endlich oben. Am Rand eines Truppenübungsplatzes geht es dahin. Die Dämmerung greift immer mehr um sich und der Nebel tut sein Übriges. So kommt es, das ich an einer Waldkante den Weg verliere und viel zu weit unten die B169 erreiche. Markierungen sind seit dem Kuhberg auch Mangelware. Hier regiert die Methode trial and error. Diesmal hat error gewonnen. Ich hab keine Lust in dieser Waschküche nochmal zurück zu fahren, zumal die Sicht jetzt wohl ehr nicht mehr besser wird. Die B169 führt auch nach Schneeberg. Also die Straße runter. Der Filzteich bleibt außen vor, Schade.

Schneeberg. Ist ein ziemlich bergiges Örtchen. Sind ein paar Höhenmeter bis rauf auf den Markt.

Es wird rasant finster.

In völliger Dunkelheit gehe ich den Gleesberg an. Die Stirnlampe kommt zu Einsatz. Auf dem Gleesberg gibt es auch einen Turm, den Köhlerturm. Der interessiert mich jetzt allerdings nicht. Ehr der überdachte Rastplatz davor. 22.30 Uhr hab ich mein „Nachtquartier“ erreicht. Schnell noch was futtern, nach Hause telefonieren und die nassen Klamotten zum trocknen aufhängen. Dann rein in den Schlafsack und 5 Minuten später bin ich in Morpheus Reich. Das war ein anstrengender Tag. Ohne die andauernden Regenpausen  hätte ich noch 20-30 km weiter sein können. Was solls. Noch länger hätte ich heute jedenfalls nicht fahren können.

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Der EB-Weg: Tag 11

Der EB-Weg: Tag 10

Der EB-Weg: Tag 9

Der EB-Weg: Tag 8

Der EB-Weg: Tag 7

Der EB-Weg: Tag 6

Der EB-Weg: Tag 5

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Der EB-Weg: Tag 2

Der EB-Weg: Tag 1

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Eine Antwort zu Der EB-Weg-deutscher Teil: Tag 4

  1. Elke Ziegler schreibt:

    Wahnsinn, was du erlebst und dir zugemutet hast, Uwe! Obwohl mich die „Aktion“ ein wenig an eine verspätete Kampfgruppenübung erinnert. Die Mieze ist süß, die Unterquerung samt Bar-Rettung und Fahrrad „alle Achtung!“. Und natürlich sind die Fotos wieder wunderbar realistisch und technisch einwandfrei. Falls du wieder getrocknet bist, sehen wir uns am Samstag in der WAH?

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