Der EB-Weg-deutscher Teil: Tag 5

Tagebuch einer Reise durch den wilden Osten

Die Nacht war gruselig. Mehrfach gehen Schauer nieder. Zum Glück liege ich unter einem Dach. Aber bei der hohen Luftfeuchtigkeit ist es eine Illusion, zu hoffen, dass die nassen Klamotten trocken werden. Die Temperatur hat sich auch ganz ordentlich abgekühlt. Ich hab die Wahl, in trockene Klamotten zu krabbeln oder weiter die Nassen zu benutzen. Die Schuhe sind noch pitschnass. Es bringt also garnix, wenn ich trockene Socken anziehe. Deswegen wieder rein in die äääähhhh, eklig… Hose und Shirt gehen halbwegs. Die Trockenen lass ich mal lieber trocken. Vielleicht brauch ich die noch… Nach 2 Minuten haben die klammen Klamotten wieder Körpertemperatur. Frühstück fällt aus. Hab gestern Abend alles aufgefuttert. Rauf auf ’s Rad. Aue ist nicht weit, da wird alles nachgeholt… Zuerst ne kurze Abfahrt…

Da unten liegt Aue…

Ein Blick zurück. Da oben hab ich gepennt, der Gleesberg… So wie ’s aussieht ist es auch, Scheißwetter…

Der Flößgraben. Sowas kenn ich schon aus dem Harz.

Lässt sich wunderbar fahren. Immer am Hang lang und mit null Höhenmetern… Aber leider darf ich dem nicht lange folgen. Der Trail bricht recht schnell rechts weg und landet direkt auf der Wiese vor dem Auer Kulturhaus.

Die brauch ich noch nicht, bin ja grade erst losgefahren… Um da rein zu passen, hätte ich wahrscheinlich auch 4 m groß sein müssen…

Ich entdecke heute meine feminine Seite und geh shoppen… Die Hausbar muss wieder aufgefüllt werden und Frühstück hab ich ja auch noch nicht gemacht…

Dahinten an der Kirche muss ich rechts rauf.  Das Sträßlein hat eine exorbitante Steigung. Das hier überhaupt Autos hochkommen, ist kaum zu glauben. Ich möcht mir jetzt nicht vorstellen, was hier im Winter ab geht. Nächstes Ziel ist die Morgenleithe. Zwischen mir und der Morgenleithe stehen allerdings noch etliche Höhenmeter. An einer Gartenanlage wird es wieder „flacher“. Anto, mit dem ich im Harz ein richtig geiles Wochenende verbracht habe, meint zu solchen Anstiegen: “ Alles unter 10 % geht quasi gradeaus.“ So fühl ich mich auch.   „Kerzengrade“ den Berg hoch und kein Ende abzusehen.

Das Tränktrögel kommt gerade recht. Die  Flaschen sind wiedermal leer.

Die Geschichte dazu gibt ’s hier…

Der EB-Weg biegt an der Quelle links ab.

Nicht mehr weit.

Da isse. Leider geschlossen wegen Pächterwechsel. Beschränk ich mich halt nur auf ein paar Fotos…

Die Geschichte…

Hachje, das kann man also auch hier…

Ich halt mich da lieber an sowas…

Ein Minimodell vons janze… Wollt ich mir eigentlich fürs säggsische Bilderrätsel aufheben. Wie ’s aussieht, komm ich da aber nicht rein. Zuwenig Ortskenntnis. Bilder hätt ich ja jetzt genug… Die anstehende Abfahrt führt mich  Richtung Antonsthal und dann am Hohen Hahn vorbei nach Schwarzenberg.

Das Schloss.

Hier noch eine andere Ansicht.

Der Glockenturm. Die Altstadt ist ja mal ne Hausnummer. Wer da noch nicht war, unbedingt ansehen!

Das Rathaus. Obwohl es hier sehr hübsch ist, möchte ich mich nicht allzu lange aufhalten, es sieht schon wieder nach ner Dusche aus.

Ein Blick zurück.

Die Aufnahme stammt wieder von Dirk. Man könnte denken, wir sind zusammen gefahren, es liegt aber ein Vierteljahr dazwischen.

Der Oswaldbach. Hier hätte ich mich beinahe verfahren. Hab das kleine Brückchen im Unterholz erst im letzten Moment gesehen. Bis hierher konnte ich mich heute ohne Wasser von oben retten, jetzt ist die Dusche fällig. Klasse, die Füße waren grade trocken.

Die Köhlerhütte.

Hier wurde dem Köhler Schmidt ein Denkmal gesetzt. Die Geschichte um den sächsischen Prinzenraub könnt ihr hier nachlesen und auch, was der Köhler Schmidt damit zu tun hatte.

Eins der vielen Schaubergwerke am Wegesrand. Die gibt es hier im Dutzend. Sicher sind die alle sehenswert, aber ich hab langsam die Zeituhr im Nacken. Samstagmittag ist in Seiffen Deadline und der Weg ist noch weit…

Der anschließende Weg durch die Waschleithe ist endlich mal wieder trailig. In Osterlamm, ja, so kann im Arzgebirsch och en Ort heißn, könnt ich den Heimatzoo besichtigen, wenn ich Zeit hätte… Stattdessen kämpfe ich mich über Mühlberg den Berg rauf, nur, um die eben mühsam erstrampelten Höhenmeter gleich wieder bei der Abfahrt nach Schwarzbach her zu geben.

Es hat übrigens wieder aufgehört zu regnen, aber jetzt wäre es eigentlich egal. Nass bin ich eh.

Die Einladung dieses lustigen Gesellen nutze ich gleich mal zu einem Waschtag. Ich stinke… Körper- und Klamottenpflege. Das muss schon ganz schön schlimm sein, wenn ich es schon selber rieche…Ne Viertelstunde später ziehe ich wieder eine Wölkchen frischen Veilchenduftes hinter mir her. Nur die trockenen Strümpfe bleiben im Schrank. Das hat keinen Sinn. Die Schuhe stehen noch voll Wasser. Da zieh ich doch gleich die frisch gewaschenen wieder an. Ab hier übrigens den ganzen restlichen Tag schönster Sonnenschein…

Da muss ich durch.

Übern Acker geht die Fahrt, Straßen sind für Mädchen, dunkel, kalt und hart…

Scheibenberg  heißt das nächste Ziel.

Dahinten isser schon.

Schon näher… Im gleichnamigen Ort ist Shopping angesagt.

Die Orgelpfeifen.

Gleich daneben befindet sich die Sprunganlage des örtlichen Wintersportvereins.

Der Aufstieg führt über ne endlose Treppenorgie. Deswegen fahre ich lieber die Fahrstraße…

Oben. Den Aussichtsturm werd ich, wenn ich einmal hier bin, auch noch besteigen…

Schöner Ausblick…

Die Abfahrt führt um den ganzen Berg rum, nur um wieder im Ort auf die Straße zu führen.

Ein Blick zurück.  Und schon bin ich Schlettau. Der vorläufige Endpunkt von Ulrich. Der ist allerdings zu Fuß unterwegs. Ein eingefleischter Fußgänger quasi. Ich hoffe, dass er den EB-Weg noch in Gänze schafft. Nächstes Jahr wird er nicht viel Zeit haben, da steht die Tortour de Ruhr an. Dort wird er zusammen mit Holger die Farben des M&H-Rennsteigteams vertreten, er als Läufer und ich als Radbegleiter. Pfingsten ist also schon verplant…

Der Weg raus aus Schlettau. Bei mir scheint übrigens, im Gegensatz zu Dirk, mal zur Abwechslung die Sonne…

Frohnau.

Der Frohnauer Hammer.

Das Foto hab ich aus der Schautafel abfotografiert. Das Museum war schon geschlossen.

Annaberg-Buchholz. Das Örtchen klebt wie ein Schwalbennest am Pöhlberg. Unglaublich, wie man an so nem steilen Hang ne Siedlung bauen konnte… Offensichtlich muss es Vorteile gebracht haben, sonst hätten es unsere Vorfahren ja nicht gemacht…

Mein Weg führt weiter Richtung Tannenberg und Geyer.

Der Postmeilenstein von Geyer. Ein ganz besonders schöner seiner Art. Ihr wisst hoffentlich noch, wer dafür verantwortlich war…Richtig, Adam Friedrich Zürner  und natürlich die Forschungsgruppe… Die allerdings nur dafür, dass das Ding auch heute noch da steht…

Die Binge von Geyer.

Gleich noch die Erläuterung dazu.

Oberhalb von Geyer.

Das Panorama ist beindruckend. Der weitere Weg führt mich über die Schanzenanlagen von Geyer ins Greifenbachtal.

Übrigens schöner Trail hier runter. Dann geht es wieder bergauf. Wie kann es auch anders sein. Immer schön am Greifenbach entlang. Idyllisch. Der Weg endet am Greifenbachstauweiher.

Ein wunderschöner Badesee mit angrenzendem Zeltplatz. Zeltplatz? Da muss es doch Sozialgebäude geben. Richtig, die Duschen sind erstmal mir. Warmes Wasser, ein Gedicht…

Eigentlich könnte ich hier übernachten, aber dann muss ich morgen noch zu viele Kilometer. Ich will spätestens morgen Mittag in Seiffen sein. Ne Stunde später sitz ich wieder auf dem Rad. Es ist schon spät, aber eine will ich mindestens noch fahren. Weit brauch ich nicht zu fahren, dann schon der nächste Zwischenstopp.

Ich bin am Naturtheater Greifensteine angelangt. Das Theater selber kann ich gar nicht besichtigen, heute ist hier ne Veranstaltung.

Cowboys, Trapper und Indianer… Ne Country-Band spielt auf.

Manta-Fahrer hätten hier ihre helle Freude…

Dickbäuchige John Waynes allüberall… Texas in Saggsen.

Ich seh mir solang mal die Felsen an, die der Gegend den Namen gegeben haben.

Fürn Euro darf man auch da hoch…

Dahinten versteckt sich die Bühne hinter den Bäumen. Welche Band hier spielt, konnte ich übrigens nicht raus kriegen.

Einen Minibadesee gibt es hier auch. Wahrscheinlich ein Überbleibsel der ehemaligen Bergbautätigkeiten.

Dafür ist mal nicht Adam Friedrich Zürner verantwortlich. Dirk hat mich drauf hin gewiesen, das die Triangulationspunkte auf ein Verfahren von Carl Friedrich Gauß zurück gehen. In Sachsen wurden die Triangulationspunkte von Friedrich Ludwig Aster angelegt. Wieder was dazu gelernt. In der Liste stehen übrigens Einige, die ich schon persönlich in Augenschein nehmen durfte…

Ich muss weiter.  Es folgt ne lange Abfahrt nach Ehrenfriedersdorf. Auf der anderen Seite geht es wieder rauf. Aber gut geht es nicht. Meine Beine sind wie Pudding und der Kreislauf fängt an zu spinnen. In meinem Bauch rumort es auch. Ich fühl mich wie der Wolf bei den sieben Geißlein. Tage des Donners. Dann ist es soweit. Braunkack. Ich schaffs grade noch hinter die Hecke. Verflucht. Bibshorts sind jetzt kontraproduktiv. Explosionsartig bricht es aus mir heraus. Ne Viertelstunde später hat sich das Gedärm wieder halbwegs beruhigt. Sieht aus wie ein Kunstwerk des Dadaismus. Ich hab schon die Rezensionen im Kopf. Ein junger, unverbrauchter, provokanter Künstler, der auf natürliche Art sein Innerstes nach Außen kehrt. Ich brauch Leinwand…

Ich bin mittlerweile im Heidelbachtal. Zeit, was zum schlafen zu finden. Leichter als getan. Es gibt einfach keine überdachten Rastplätze. Es wird dunkel. Die Stirnlampe kommt zum Einsatz. Dann verfahr ich mich auch noch. In der Dunkelheit hab ich irgendwo einen Abzweig verpasst. An irgendwelchen Teichen find ich endlich was, allerdings ohne Dach. Ob das heute gut geht? Es sieht wieder verdammt nach Dusche aus. Egal, hier richte ich mich jetzt ein. Mittlerweile hat unser „produktiver Künstler“ schon drei „Gemälde“ fertig gestellt. Wenn das so weiter geht, kann ich morgen früh ne Galerie eröffnen. Scheint ne spannende Nacht zu werden….

Weitere Beiträge zum EB-Weg  – Tagebuch einer Reise durch den wilden Osten

Der EB-Weg: Tag 11

Der EB-Weg: Tag 10

Der EB-Weg: Tag 9

Der EB-Weg: Tag 8

Der EB-Weg: Tag 7

Der EB-Weg: Tag 6

Der EB-Weg: Tag 4

Der EB-Weg: Tag 3

Der EB-Weg: Tag 2

Der EB-Weg: Tag 1

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3 Antworten zu Der EB-Weg-deutscher Teil: Tag 5

  1. Frank Bachmann schreibt:

    Ganz toll, Deine Reisebeschreibung, wirst von mal zu mal besser !!
    Grüße Frank !

  2. Ulrich Meininger schreibt:

    Hallo Uwe,
    wieder ein spannender und gelungener Bericht.
    Schwarzenberg hätte m.E. ein paar Worte mehr verdient (mehr z.B. als Mühltroff) – warum? Wegen der Freien Republik Schwarzenberg, eine Kuriosität in der deutschen Nachkriegsgeschichte

    Der schöne alte Wegweiser

    steht in Schwarzenberg unten am Bahnhof. Kurz danach verließen Sie einen wieder mit der Markierung, habe ich in Erinnerung.

    Was wahrscheinlich kaum einer weiß (ich wusste es auch nicht) und was auch nicht propagiert wird, ist , dass man eine schöne erzgebirgische Gipfel-Hüttenwanderung machen könnte: Kuhberg (795 m N.N.; km 410) – Morgenleithe (815 m N.N.; km 452) [ich habe Anfang 2010 noch dort einkehren können, hoffentlich hält sich der neue Pächter] – Scheibenberg (805 m N.N.; km 478) und das ganzjährig!!

    Ich habe daher leider nur auf dem Scheibenberg bei einem andern Ulrich M. (Meyer) übernachtet und es hat mir sehr gut dort gefallen.

    Vielleicht ließe sich das sogar noch fortsetzen, nur wie gesagt, diese touristische Chance verschweigen die Sachsen leichtfertig.

    Der letzte Wegweiser

    wartet auf mich in Schlema, mir wird Angst und Bange, wenn ich sehe, dass ich jetzt schon seit fast 2 Jahren nicht mehr auf dem EB unterwegs war. Wo soll das hinführen? Auf jeden Fall nicht nach Budapest :-)!

    Es grüßt herzlich

    Ulrich Meininger

  3. Sören Schramm schreibt:

    Die bist du fast an meinem Elternhaus in Annaberg-Buchholz vorbeigefahren.

    Arzgebirg wie bist du schie!!!

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