Der EB-Weg-deutscher Teil: Tag 9

Tagebuch einer Reise durch den wilden Osten

Langsam neigt sich meine Reise dem Ende entgegen. Tag 9 ist angebrochen. Heute werde ich das Erzgebirge verlassen.  Es geht in die Schweiz, die sächsische natürlich. Der unumstrittene Höhepunkt der ganzen Tour. Nach komatösem Tiefschlaf in nem netten Bettchen und nem lecker Frühstück bin ich wieder unterwegs. Den flotten Franz bin ich immer noch nicht los. Deswegen bleiben Bibshorts weiter verboten… Den Geisingberg lass ich auch heute links liegen und strampele nen Anstieg mit ordentlicher Steigung bergauf. Mit der Abfahrt vom Geisingberg scheine ich ein schönes Schmankerl verpasst zu haben. In der Wegbeschreibung steht  „Der Weg wird zum schmalen Pfad, der zuletzt drahtseilgesichert entlang einer tiefen Schlucht, durch die die Bahn Geising erreicht, führt.“ Mist…

Warm bin ich jetzt. Richtig einladend sieht das Wetter heute nicht aus. Immerhin regnet es bis jetzt noch nicht…

Aus dem Wald raus und über die Wiese…

bietet sich oben noch einmal ein Panoramablick zurück.

Rechts der Geisingberg, links das Bergbaumuseum von Altenberg. Schon bin ich über die Kuppe, die Schafskuppe, rüber. Der Blick geht nach vorn. Da vorn ist schon Lauenstein im Müglitztal zu sehen…

Das helle Pünktchen zwischen den Bäumen auf dem nächsten Bild ist die Sternwarte von Lauenstein.

Zwei Minuten später steh ich auf dem Markt von Lauenstein.

Der Falknerbrunnen. Dazu gibt es auch ne schöne Geschichte… Eine Sage über Lauenstein erzählt, dass vor langer Zeit das Kind der Schlossherrin von einem Adler entführt wurde. Ein am Hof angestellter Falkner lies den Greifvogel von seinem Falken abdrängen, so dass er das Kind fallen lassen musste. Es wurde wohlbehalten der Mutter zurückgegeben. Zu Eheren dieser Sage wurde auf dem Marktplatz in Lauenstein der Falknerbrunnen aufgestellt. So alt ist der Brunnen übrigens nicht. Der wurde erst 1912 errichtet.

Der Eingang zum Schloss.

So schön wie das Schloss ist übrigens das ganze Örtchen… Eigentlich ist das hier einen längeren Stopp wert, aber mich zieht es weiter Richtung Liebenau. Die Landschaft hat sich total gewandelt. Keine Bäume und keine  Berge, Landwirtschaft ist hier vorherrschend. Genau so sind hier auch die Wege. Rechts ein Maiskolben und links noch einer. Unspektakuläre Feldwege halt…

Noch ein letzter Blick auf Lauenstein. Wenig später erreiche ich ne schöne Allee, die alte Dresden-Teplitzer Poststraße.

Dirk hatte bei dem Foto übrigens die selbe Motivwahl…

Nach der „Alten“ wird auch gleich die „Neue“  unterquert, die A17 nach Prag. Ich bin im Tal der Gottleuba angekommen. Das Erzgebirge liegt hinter mir. Sehr idyllisch hier…

Dann staut sich das Bächlein…

Das ist die Vorstaumauer.

Und das der eigentliche Stausee.

Fehlt schon ein bisschen Wasser.

Die taktisch-technischen Daten.

An diesem netten Brünnlein vorbei. Das wäre sicher auch was fürs sächsische Bilderrätsel gewesen… Bad Gottleuba wird eigentlich nur gestriffen.

Über dieses Wegerl geht es bergauf zum…

EB-Kontrollpunkt.

Dat isser, das Berghotel Augustusberg. Ich nehm hier auch ne  Auszeit und sitze einen kurzen, heftigen Schauer aus. Ich machs mal wie Obelix. Wildschwein und Zaubertrank (Hefeweizen) und ein Klo. Den blöden Otto ignorier ich jetzt einfach mal…

Die Sicht von hier oben ist einfach phänomenal.

Da hinten ist sogar Dresden zu sehen…

Nachdem mein Magen wieder gefüllt und mein Darm leer ist, geht ’s weiter. Erst durch den Wald, dann über Feldwege runter nach Markersbach.

Im Tal folgt der Weg ein Stück der Bahra, dann geht ’s in Kammerhof rechts ne Straße bergauf. Auf der Höhe biegt die Straße links ab, der EB-Weg geht grade aus weiter auf nem Schotterweg. Der EB-Weg hat hier übrigens schon lange seine Eigenständigkeit eingebüßt. Er firmiert jetzt als Europäischer Fernwanderweg E3 und das bis Budapest. An einer Kreuzung ist es mal wieder so weit. Das Klopapier kommt zum Einsatz. Die Obelix-Variante war wohl nicht so gut, aber wenns unten raus kommt, muss oben auch was rein geschüttet werden. Der Punkt war jedenfalls günstig gewählt. Während ich so im Wald hocke, höre ich Stimmen direkt hinter mir, ups. Zum Glück hat mich keiner gesehen. Die Stimmen haben mich aber neugierig gemacht. Keine 5 m von mir entfernt führt ein Weg zum Sachsenstein, einem Aussichtspunkt. Ok, wenn ich einmal hier bin kann ich ja mal da hin wandern. Das Rad lass ich im Wald stehen. Der Anblick, der sich mir dann bietet, ist einfach grandios.

Das ist der Sachsenstein. Im ersten Moment kommt mir die Idee, das Rad da rauf zu schleppen, aber das ist ein unmögliches Unterfangen. Bis dahin, wo die beiden Touris stehen wäre es gegangen, der Gipfel ist aber für ein Rad unerreichbar.

Diese Hühnerleiter muss ich hoch…

Da oben ist der Gipfel. Sogar den Rucksack muss ich zurück lassen, sonst wäre ich da nicht durch gekommen und ich bin wirklich nicht dick…

So sieht es von oben aus.

Und das ist die Aussicht…

Gegenüber steht die Kaiser Wilhelm-Feste.

Hammmmmeeeeer…..

Auf dem Gipfel stehen wir übrigen zu dritt, Platz ist da keiner mehr. Für die Fotos hatte ich im Rücken heißen Körperkontakt. Zum Glück hat die junge Dame nicht gewusst, dass meine Backfront jetzt nicht so…

Zurück auf dem Rad und dem EB-Weg geht es da runter…

Ein Blick nach rechts…

Unten bietet sich ein wieder ein toller Anblick.

Nochmal die Kaiser-Wilhelm-Feste. Im Tal geht es weiter bergab.

Geiles Häuserl. Das ist die Geschichte dazu.

Übrigens steht es jetzt wieder zum Verkauf. Für ’n Euro fuffzich würd ich ’s nehmen…

Nicht weit weg findet sich der Hochofen Brausenstein

Die Beschreibung dazu…

Hier führt auch ein Wegerl auf den Kamm…

Ich nehm ihn mal zu Fuß. Ist aber nicht so ergiebig, wie ich dachte… Das ist das beste Teilstück. Über Bernhardstein und Labyrinth lande ich auf dem Eselsweg.

Nicht mehr weit bis zur Feste Königstein.

Da isse…

Das unvermeidliche Touristengetümmel…

Ich strampel natürlich bis hoch. Der Cerberus an der Kasse lässt mich allerdings nur ohne Rad durch…

Der Ausblick ist grandios.

Der Lilienstein, da muss ich auch noch hin.

Königstein, mein heutiges Ziel.

Hier oben gibt es auch genug Sehenswertes. Die Friedrichsburg, ordentlich bewacht durch sächsische Kanonen…

Das ist der Beweis. Ob aus denen jemals ein Schuss abgefeuert wurde, kann ich allerdings nicht sagen.

So sehen Sieger aus.  Mein Rad ist virtuell auch mit dabei. Links der Lilienstein, rechts die Elbe und der Ort Königstein.

Der Pfaffenstein. Richtig „steinig“  hier.

Mauerblicke…

Ossis sehen immer überall nur Mauern…

Die Zitadelle, die den Eingang abriegelt…

Ein Meisterwerk sächsischer Festungsbaukunst.

Wer genau hin sieht, kann auch mein Radel im Eingangsbereich erkennen.

Unglaublich, so ein Bauwerk wie die Festung Königstein ist einmalig. Anderthalb Stunden hab ich hier oben „verbummelt“. Eigentlich müsste man sich hier Zeit für einen ganzen Tag nehmen. Ich glaub, selbst mit heutigen Waffen wäre die Einnahme einer solchen Festung noch eine Herausforderung.

Um fünf verlasse ich die Feste. Ich muss mich um ne Unterkunft kümmern. Weicheiterrorist hat beschlossen, heute wieder ein Dach über dem Kopf zu bevorzugen.

Hier noch ein Bildchen. Wäre auch was fürs Bilderrätsel. Das lass ich aber mal stehen. Wer weiß, wo sich dieses schöne Pferdchen befindet und was es damit auf sich hat, darf gern einen Kommentar hinterlassen.

Der Weg runter an die Elbe gestaltet sich auch sehr spannend. Eigentlich wollte ich noch den Patroullienweg, der sich um die ganze  Feste windet, mitnehmen, hab aber leider die Einfahrt verpasst.

Der Napoleonweg hat ’s in sich. Eine schöne Treppenorgie, übrigens alles fahrbar. Nach einem bisschen suchen find ich auch ne Unterkunft. Die wird für zwei Nächte mein Hauptquartier. Hab beschlossen, morgen eine Runde durchs Elbsandsteingebirge zu drehen und übermorgen die Tour in Dresden ausklingen zu lassen.

Der Tag ist allerdings noch nicht zu Ende. Mein Gastgeber meint ich soll zum Abendessen auf den Pabststein fahren. Der gehört zwar nicht zum EB-Weg aber das Panorama wäre phänomenal. Essen muss ich eh, und Zeit hab ich auch. Stirnlampe ins Gepäck und los geradelt. Erst ein paar Höhenmeter, bis es dann zur Schiebe- und Tragepassage wird.

20 Minuten schieben, schleppen, zerren, dann bin ich oben. Ich werd wie ein Außerirdischer angestarrt, aber das ist mir egal. Es hat sich gelohnt. Panorama ohne Ende…

Es zieht was auf. Wenig später kracht ’s. Wolkenbruch. Mir egal, mittlerweile ist mein Essen gekommen. Eine echte Empfehlung. Sonnenuntergang auf dem Pabststein ist ein MUSS.

Grandios…

Besser geht ’s nicht. Übrigens direkt von der Terrasse der Kneipe fotografiert. Dann ist der Regen weg.

Die beiden Fotos sind mit einem Zeitunterschied von 10 Minuten aufgenommen worden. Leider kann ich nicht in die andere Richtung…

Den Sonnenuntergang hab ich auch fotografiert, aber das ist eher was für ne richtige Kamera. Mein Handy ist da an seiner Leistungsgrenze angelangt. Die Abfahrt wird leider wieder zum Schiebestück. Im Hellen fahrbar, mein Stirnlämpchen taugt für sowas aber leider nicht und außerdem ist alles noch ziemlich glitschig durch den Guss…

Der Tag endet mit nem Bierchen in nem warmen, weichen Bettchen.  Voller Vorfreude auf das, was noch kommt, sinke ich ins Reich der Trails und schmalen Wege… Der Tag hat meine Erwartungen bei weitem übertroffen.

Weitere Beiträge zum EB-Weg  – Tagebuch einer Reise durch den wilden Osten

Der EB-Weg: Tag 11

Der EB-Weg: Tag 10

Der EB-Weg: Tag 8

Der EB-Weg: Tag 7

Der EB-Weg: Tag 6

Der EB-Weg: Tag 5

Der EB-Weg: Tag 4

Der EB-Weg: Tag 3

Der EB-Weg: Tag 2

Der EB-Weg: Tag 1

Der EB-Weg:  Prolog

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter EB-Weg, Fernwanderweg Eisenach - Budapest abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

12 Antworten zu Der EB-Weg-deutscher Teil: Tag 9

  1. Dirk Neubauer schreibt:

    Superbericht, bin schon gespannt auf den nächsten. Ab Königstein bin ich leider vom Original-EB abgewichen, vor allem wegen der Ordnungshüter. Aber du scheinst ja auf jeden Felsen geklettert zu sein. Ich bin echt gespannt…

    Dirk

  2. Dirk Neubauer schreibt:

    Noch eine Bemerkung von mir, am Geisingberg hast du eher nichts verpasst, der Weg hinab war absolut nicht fahrbar, schmal und eng zwischen den Bäumen hindurch auf faustdicken Schottersteinen, man rutschte nur so, selbst beim Laufen, später normal über eine Wiese und der drahtseilgesicherte Pfad über der Bahn entpuppte sich als normale Fahrstraße mit rostigem Geländer oberhalb der Gleise, dort standen sogar Häuser und Garagen. Und man hatte die ganze Zeit wegen dichtem Wald nicht mal schöne Ausblicke.

  3. Ralf Stötzer schreibt:

    Hi Meister aller Fernwander(rad)wege! Geile Story, bekommt man richtig Lust, die Heimat neu zu endecken!! Kompliment! Gruß Ralf

  4. Sören Schramm schreibt:

    Irgendwo dort unten muss es auch die „Schrammsteine“ geben!

  5. physioterrorist schreibt:

    Na klar, und zu denen komm ich auch noch…

  6. Bert schreibt:

    Kleine Anmerkung zu dem Satz, dass der EB ab hier „als Europäischer Fernwanderweg E3 (firmiert) und das bis Budapest“:
    Dies stimmt zwar überwiegend, aber nicht komplett. Der gesamte ungarische Abschnitt ist E8, nicht E3. Und auch in der Slowakei folgt der EB teilweise dem E8 anstatt dem E3. Detailliertere Angaben stehen unter http://EB.Stadtigel.de bei den FAQs.

    • Bert schreibt:

      Ich muss mich selbst korrigieren: Der ungarische Teil des EB ist selbstverständlich weder E3 noch E8, sondern E4.
      (So leicht verwechselt man Ziffern… – Nur das B ist unverwechselbar!)

  7. Axel schreibt:

    Toller Bericht
    Da kommen schöne Erinnerungen hoch . Wir haben oft in Bielatal Urlaub gemacht. Das Labyrinth war der Abenteuerspielplatz Nr1 für unsere Tochter.
    Da werden wir wohl bald mal wieder hin müssen
    Also bis dann
    Axel

  8. Bert schreibt:

    Jetzt ist schon mehr als ein Monat vergangen seit dem letzten Bericht. Ich will aber nicht drängeln, sondern nur beiläufig bemerken, dass ich gerne noch den Schluss lesen würde…

  9. Rückkkehrer schreibt:

    Gabs über den Winter eine Gelegenheit, Berichte von Tag 11 & 12 nebst Fotos zusammenzustellen? Würde mich sehr freuen, hierzu noch etwas zu lesen.
    Ansonsten: einen guten Saisonstart!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s