TorTourdeRuhr 2012 – Teil II

Macht hinne, die Langnese-Dealer warn schon da, gleich geht’s weiter…

Ulrich hat sich erstaunlicherweise wieder einigermaßen erholt. Die Wanderstrecken werden wieder seltener.

Der leckere Nudeleintopf am Freizeitbad NASS scheint seine Wirkung zu tun. 1, 2, 3, 5 Kilometer, es rollt… An der Möhne-Mündung haben wir endlich wieder jemanden in Sichtweite… Torsten Riemer, unser Schrittmacher vom Nachmittag…

Die Ruhraue. Hier wurde die Ruhr aufwendig renaturisiert. Ist schön geworden. Bei uns in Eisenach ist das anders. Da werden grade EU-Millionen verbraten, um die Hörsel zu „kanalisieren“.  Begründung: Hochwasserschutz.

Die Jugendlichen haben den Fluss auch entdeckt… Kino ist Out, die Ruhr ist In. Überall wird gebadet, gefeiert und gegrillt… Ich hoffe, die nehmen den ganzen Müll danach aber auch wieder mit. Man kommt sich vor wie bei einer Vogel-Safari. Von der gemeinen Stockente bis zu Reiher, Kormoran und Kanada-Gans ist alles vertreten.

5 Schwäne, alle ohne Kopf…hmm, wollten wohl nicht aufs Bild. In Zeiten von Facebook und Co muss man auch bei Familie Schwan vorsichtig sein. Man weiß ja nicht, welcher Fuchs hier mit liest… Die Sonne steht immer tiefer und die Temperaturen erreichen auch langsam wieder erträgliche Werte.

Noch einer, der seinen Kopf nicht zeigen möchte…Die Variante aus dem Ruhrgebiet…

…und hier das Original aus Thüringen…

Mittlerweile sind  wir  am Haus Füchten in Ense angekommen.

Bianca ist uns vom nächsten Verpflegungspunkt in Wickede entgegen geradelt. Bei Gunter läuft es richtig gut. Ne knappe Stunde Vorsprung. Bis dahin, nach Wickede, dauert’s bei uns noch. Wir müssen noch um den Berg rum, und durch Echthausen durch.

Wickede, unser nächster Verpflegungspunkt.

Ulrich macht mich auf das hier aufmerksam. Typisch für’s Ruhrgebiet, ne Bierhalle. Curry-Wurst und Bier, Veltins gibt es hier übrigens nicht…

Wir laufen in die Dämmerung hinein.

Langsam wird’s einsam an der Ruhr. Hier und da noch ein paar Verliebte, die sich’s am Ufer gemütlich gemacht haben und ab und zu ein Angler, der meint, dass seine Würmer lieber nachts baden… Schlipp, Schlapp, Schlipp, Schlapp…. Ultraschlappschritt. Bloß den Fuß nicht zu weit hoch heben. Jeder Zentimeter weniger spart Hubarbeit. Nach 64 Doppelschritten sind wieder 100 Meter geschafft. 128 Schritte näher an Rheinorange. OK, richtet sich auch ein bisschen nach der Schrittlänge. Ich bin 1,75 . Wer größer ist braucht halt ein paar Schritte weniger… 93 Kilometer auf der Uhr.  119040 Schritte liegen hinter und 175360 noch vor uns… Der Durchschnittsamerikaner braucht Lichtjahre für so ne utopische Zahl. Der Durchschnittsdeutsche auch…

Gunter, wär doch mal ne geile Idee für den ThüringenUltra.  Nach 781,25 Kilometern ist man dann „Lauf-Millionär“. Würde  allerdings noch ein Weilchen dauern, bis man ThüringenUltra-Millionär werden kann… Dazu gehören 6 Teilnahmen auf der 100 km-Strecke, eine Teilnahme auf den 100 Meilen und dann noch 20,25 km…

Komisch, auf was für abstruse Gedanken man hier an der Ruhr kommt…

Langsam wird’s Zeit fürs Lämpchen. Heißt im Umkehrschluss auch jetzt ist fürs erste Schluss mit Bildchen. In Fröndenberg hätten wir uns beinahe verlaufen. Die Dunkelheit. Die Städte sind für den Scout immer ne Herausforderung. Hier könnte die Beschilderung des Ruhrtalradweges ruhig etwas eindeutiger sein. Wir kommen an der Kulturschmiede vorbei. Hier läuft irgendeine Veranstaltung. Orientierungslosen „Ruhrtalradweg-Touristen“ können die Gäste allerdings nicht weiter helfen. Wir finden uns allerdings relativ schnell selbst zurecht. Der Abschnitt von Wickede nach Schwerte ist der längste unserer Tour. 22 Kilometer, dass ist eindeutig zu viel. Deswegen wird kurzfristig ein Verpflegungspunkt an der B151 in Menden eingeschoben. Damit verkürzen wir den Abschnitt um 6 Kilometer. Gunter und Thomas sind schon weg, als wir eintrudeln. Ulrich geht es wieder relativ gut. Mittlerweile isst er auch wieder regelmäßig. Die 100 Kilometer haben wir zwischenzeitlich auch geknackt. Noch 130 Kilometer. Komisch, wie sich so die Dimensionen verschieben. 130 Kilometer sind für Normalsterbliche schon mit dem Rad ne Herausforderung, geschweige denn für „Fußgänger“. Hier denkt keiner darüber nach, dabei hat Ulrich schon 100 Kilometer hinter sich und ist fast 15 Stunden unterwegs. Bianca ist auch wieder ne ganze weile mit uns mit geradelt. Von hinten laufen uns ein paar schnelle Meilen-Läufer auf. Die Stirnlampen haben wir schon ne ganze Weile hinter uns her tanzen sehen. Ulrich hängt sich dran. Ein bisserl lutschen. Außerdem sind 8 Stirnlampen besser als zwei. Der nächste Verpflegungspunkt in Schwerte  am Wellenbad ist wieder ein offizieller. Bianca kommt uns diesmal nicht entgegen und Sabine ist gleich zum nächsten durch gefahren. Die letzten 100 m werden mit Kerzen ausgeleuchtet. Eine stimmungsvolle Kulisse. Eine ganze Menge Unterstützer und Begleiter haben sich hier eingefunden. Mittlerweile ist es kurz nach Mitternacht. Halbzeit. 115 km haben die Läufer jetzt in den Beinen. Gunter ist grade los, wir haben uns nur knapp verpasst. Ulrich hat offensichtlich wieder aufgeholt. Wir halten uns trotzdem gut ne halbe Stunde auf. Gut so. Ulrich futtert wieder, ein gutes Zeichen. Ich fülle meine Hausbar wieder auf, danach werden die Flaschen aufgefüllt. Zum Schluss darf ich mich auch ein bisschen um meinen Kohlenhydrathaushalt kümmern. Wobei meiner bei weitem nicht so gefordert wird, wie der von Ulrich. Das heißt aber nicht, dass das hier nicht anstrengend wäre. In der Nacht fehlen die Bezugspunkte. So merkt man nicht, wie langsam man unterwegs ist und kämpft permanent mit dem Gleichgewicht. Meine Strategie, ich fahr ein Stück voraus, steige ab und laufe solange, bis Ulrich mich wieder eingeholt hat…Vor uns liegt jetzt ein kritischer Punkt. Irgendwo vor uns ist der Weg gesperrt und ne Umleitung ausgeschildert. Bei der Dunkelheit nicht ganz einfach. Zum Glück sind wir wiedermal in einer größeren Gruppe unterwegs… Wir unterqueren eine Autobahn. Richtig was los hier. Jugendliche haben ne professionelle Anlage aufgebaut und veranstalten eine Privat-Disco. Dann stehen wir vorm Sperrschild, aber die TortourdeRuhr-Aufkleber sagen weiter. Das Sperrschild wird also ignoriert. Dann eine ganz ordentliche Bergwertung über Asphalt. Hier gehts rauf zur Syburg. An einem Campingplatz ist Schluss mit der Kraxelei. Kurze Orientierungslosigkeit. Am Eingang ein Schild „Zum Ruhrtalradweg“, OK, dann rauf auf den Campingplatz… Leider sind wir verkehrt. Mit uns ist ne ganze Schar falsch gelaufen. Eine Radbegleiterin kommt uns ganz aufgeregt entgegen. Sucht auch den Weg, und ihr Mann ist gestürzt und der Weg ist ganz steil und jetzt sucht sie ihren Mann, allerdings verkündet sie das in einer Phonstärke kurz vor Katze auf Kreissäge… Nerv. In den Zelten rumort es schon. Schließlich haben wir es mittlerweile zwei Uhr nachts… Zum Glück kommt uns der Scout von der hier, Yvonne Prommesberger, gewinnt übrigens die Damenwertung der 100 Meilen,

hinterher.  Haben den richtigen Weg gefunden. Das Handy der Kreissäge klingelt und der ganze Campingplatz darf auch noch miterleben, dass ihr Mann schon an der Verpflegungsstelle wartet. Handys sind doch eine segensreiche Erfindung… Himmlische Ruhe herrscht wieder im Wald… Der Weg führt natürlich außen am Zaun des Campingplatzes herum. Ein lustiger Wurzeltrail führt bergab. Schade, dass ich jetzt so viele Läufer um mich rum habe, hier hätte man’s schön „platzen“ lassen können… Dann sind wir an der Verpflegungsstelle der DLRG Hagen am Hengsteysee. 130 Kilometer auf der Uhr. Hier startet auch in wenigen Stunden der Bambinilauf. Wir kommen fast Zeitgleich mit Gunter an. Ulrich hat die halbe Stunde Rückstand wieder aufgeholt. Allerdings hat Gunter auch Probleme. Der Magen meldet sich. Gut sieht er nicht aus, er leidet.

Jörg Kupfer hat auch Probleme.

Was bei ihm schief gelaufen ist, weiß ich allerdings nicht. Ist aus der Spitzengruppe zurückgefallen. Gunter döst vor sich hin. Nach gefühlt ner halben Ewigkeit geht es wieder hinaus in die Dunkelheit. Allein mit der Ruhr… Wir rollen relativ schnell auf Tanja Höschele

auf. Sie läuft schneller als wir, macht aber alle 500 m ne Pause und dehnt die Wade. Sieht nicht gut aus. Nach 170 km ist bei ihr dann auch Schluss. DNF, Schade. Nach wenigen Kilometern fliegt Gunter an uns vorbei. Unser Aufbruch war auch für ihn das Signal.  Scheint sich wieder ganz gut gefangen zu haben. In Wetter Blaulicht. Die Feuerwehr wartet auf Frank Schacht, einen ihrer Leute, der hier auch mitläuft. Freuen können wir uns allerdings nicht. Die Jungs stehen mit ihrer großen Feuerwehr direkt vorm Schild, so dass man es nicht sehen kann und lassen uns falsch laufen. Zum Glück haben wir es nach 200 m noch rechtzeitig gemerkt, schön ist das trotzdem nicht… Dämmerung. Der neue Tag lugt schon ganz vorsichtig über die Baumwipfel im Osten. Bei unserem nächsten Boxenstopp in Witten ist es dann so weit. Wir haben grade Gunter wieder aufgelaufen, der sich immer wieder mit seinem Magen rum quält. Ich kippe neben Ulrich vom Rad und lande fast auf den Bahnschienen. Auf dem Rad eingeschlafen, unglaublich. Zum Glück ist es direkt vor unserer Verpflegung passiert. Während die zwei erst mal was futtern, lege ich mich auf die Straße und bin sofort weg. Nach 20 Minuten bin ich wieder wach, und sehe noch, wie Gunter mein Rad verstaut. Ohne zu fragen werde ich ins Auto verfrachtet. 2 Stints hab ich Pause. Zum Glück sind Ulrich und Gunter jetzt wieder zusammen. Thomas ist ja auch noch dabei. Muss er halt zwei versorgen. Die beiden sind ja recht pflegeleicht. Thomas kriegt allerdings keine Pause. Wie er das macht ist mir ein Rätsel. Eigentlich der ideale Moment für ne Pause. Weeeerbuunng….

Oh, man, Schade, Scheiß Werbung.

Tut mir Leid, da müsst ihr durch…

Weitere Beiträge zur TorTourdeRuhr:

TorTourdeRuhr 2012 – Teil I

TortourdeRuhr 2012 – Finale

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Eine Antwort zu TorTourdeRuhr 2012 – Teil II

  1. Frank schreibt:

    Cooler Bericht, ich könnte gleich schon wieder loslaufen!!
    (Auch wenn’s dieses Mal „nur“ der Bambinilauf war)

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