Inselsberg-Marathon 2013

Sommer, Sonne, Sonnenschein… So hätt ichs mir gewünscht, aber es kam anders…

Die dritte Augabe, mein erster Start. Allerdings gab es den Marathon früher schon mal auf der selben Strecke, da war ich dann doch schon mal mit dem Radel dabei. Da gabs sogar 3 Runden mit 3600 hm. Der damalige Sieger hat jedoch dafür gesorgt, dass ich nur zwei fahren brauchte…

Bei mir sah das etwas anders aus…

Heute ganz andere Bedingungen. Am Start in Tabarz 5 °C und Dauerregen! Von den 200 Angemeldeten haben sich letztendlich nur 80 überhaupt an den Start getraut.

Ich trau mich eigentlich nur zum Startnummer abholen aus dem Auto, und um 3 Kaffee zu schlunzen, bei den Dreien hier…

Ich bin nicht der Einzige, der nicht in den Regen will…

Teamfoto mit Waschbärbauch…

Allerdings zieht es Sebastian im letzten Moment vor, sein Bike heute nicht schmutzig zu machen… Axel hat keine Angst, und …

🙂

Startaufstellung. Alle ein bisserl nass, aber noch schöööön sauber…

Dann gehts los. Übrigens mein letztes Foto…

Die erste Kurve, wie herrlich doch 160 Scheibenbremsen quietschen können… Wie Kirchenglocken, im Dorf ist jedenfalls spätestens jetzt jeder munter. Der Pfarrer darf sich freuen, unser Kirchgang führt aber irgendwie woanders lang… Gleichmal über ne 10 cm geflutete Wiese und dann immer nur noch bergauf. Am ersten langen Anstieg schließt Marko Simon vom Viba-Anschütz-Team aus Schmalle zu mir auf. Letzte Woche schon in Arnstadt am Start. Der arme Kerl ist kaum noch zu erkennen, total im Vollkörpernugatdress… Das man das mit den Teamfarben immer so wörtlich nehmen muss… Auf der Wiese wollte so ne Promenadenmischung unbedingt die Strecke queren, mit dem Ergebnis, dass Marko ne Viertelstunde früher so aussieht wie wir später und der Wadenbeißer nun lebenslang ein nettes Schwalbe-Logo auf seinem Pelz trägt… Während Marko sich langsam nach vorne weg stiehlt, findet sich unser Gruppetto. Ein Schwabe, der hier seinen Urlaub verbringt (???). Also wenn ich baden fahren will, fahr ich ans Meer… Will auch „bloß“ eine Runde… Typisch, Klischee bestätigt, Schwaben sparen, wo sie können… Den anderen kenn ich auch schon von Arnstadt. Ein Sachse, den der Beruf ins Thüringische verschlagen hat, mit einem Rauschebart, da würde sogar ZZ Top neidisch…. Trainiert für die Heavy24 und fährt heute auch lang… Ich mein jetzt nicht die Hosen…

Nach 15 Minuten spür ich meine Hände nicht mehr… Die Handschuhe sind komplett durch und der Rest der Klamotten sorgt auch nur noch dafür, dass nicht soviel Wasser wieder unten raus läuft, wie oben rein… Handballenschaltung, die Finger machens nicht mehr… Bergrauf gegen, bergrunter mit der Strömung. Mittlerweile hab ich auch schon mein Seepferdchen in Bronze…Tanzbuche, erste Verpflegung. Ein Becherchen, dann weiter. Heißgetränke sind heute leider nicht am Start. Schade, obwohl mir Gunter Rothe, der Veranstalter vom ThüringenUltra, versichert, dass er den Jungs von Tabarz kurzfristig ein paar große Thermosbehälter zur Verfügung gestellt hat…

Auf dem Gelben Weg ein bisserl verschnaufen, dann runter fast bis zum Torstein und dann wieder auffi. Immer am Wilden Graben entlang. Das letzte Stück bis zur Grenzwiese ist affensteil. Dann der eigentliche Hammer, die Auffahrt zum Inselsberg über den Fußweg. Unten 24-28%, das oberste Stück dann sogar bis 34 %. Oben die zweite Verpflegung. Reinhold Messner reicht mir ein Becherchen und schon bin ich wieder wech. Absofort nur noch bergab… Deswegen hab ich mich eigentlich hier hoch gequält… Am Venizianerstein rechts weg und auf dem grauen Weg bis runter zum Parkplatz vom Skilift. Der einzige geschwindigkeitslimitierende Faktor ist der verdammte Dreck in meinen Augen. Mit Brille geht aber auch nicht, die ist nach 5 Minuten komplett dicht. Datenberg, hier sollte es eigentlich ein Stück über den Downhill gehen, wurde aber geändert. Wegen mir hättet ihr das nicht machen brauchen. Aber sicher die richtige Entscheidung. Die Wurzeln da runter sind schon im Trockenen tricky. Muss ja nicht sein, dass das ohnehin schon kleine Feld durch die Jungs mit den Roten Kreuzen auf dem Rücken noch zusätzlich ausgedünnt wird… Zieldurchfahrt. Der Schwabe hinter mir fährt mit 2:40 ins Ziel. Ich hab auch einen kurzen Moment überlegt, aber ach, Scheißegal, das Rad ist nun eh schon dreckig, da kann ich auch weiter fahren. Zusammen mit dem Sachsen gehts in Runde zwei.

Die hier haben es schon geschafft. Sind die dreckig…. Das Viba-Anschütz-Team hat offensichtlich erfolgreich Akquise gemacht. Alle mit Nugat-Dress…

Ich müsste auch mal irgendwas zu mir nehmen. An die Gels komm ich bloß nicht ran. Meine Finger sind so steif gefroren, dass ich den Reißverschluß nicht mehr bedienen kann.

Also anhalten und fummeln bis das Ding endlich auf ist. Der Sachse zieht davon. 5 Minuten verloren. Als ich auf den ersten langen Anstieg einbiege, verschwindet er grade oben um die Kurve… Da komm ich wohl nicht mehr hin. Ab sofort Solo. Die Anstiege ziehen sich und das Wasser gurgelt… Bugwelle, ich weiss allerdings nicht, ob es von der starken Strömung oder meinem Vortrieb kommt… Meine Beine bewegen sich noch, Vortrieb scheint also vorhanden. Spüren tu ich sie schon lange nicht mehr. Hier ist der Schiffsdiesel in seinem Element. Stampf, Stampf, Welle…,Stampf, Stampf… 4-5 Knoten über Grund… Plötzlich Motorengeräusch. Das ist nicht gut… Es wird lauter. Kurz vor der Tanzbuche ist es da, das Besen-Quad… Seepferdchen in Silber ist auch im Sack.  Der Kerl, der bis eben Letzter war, hat aufgegeben. Insgesamt sind nur Elf in die letzte Runde eingebogen, irre. Das heißt aber auch, ich bin sicher 10. ! Jetzt kann ich mir Zeit lassen… Besser gehts nicht mehr… Die Verpflegung. Die Jungs und Mädels tun mir ein bisschen Leid, mussten die ganze Zeit auf mich warten… Alleine essen und trinken geht nicht mehr. Die Mädels geben sich echt Mühe. Ich werd gefüttert… Ein Häppchen da, ein Becherchen dort, geil… Irgendwann muss ich aber weiter… Der Kerl mit dem Quad geht mir nicht mehr von der Seite… Langsam nervt’s.

Dann fragt der Kerl auch noch, wies mir geht, und ob ichs noch schaffe, Hallo, ich bin 10., da gibt man doch nicht mehr auf. Ich glaub, der Kerl friert und will einfach nach Hause. Der hat die Rechnung aber nicht mit mir gemacht… Das zweite Mal der Inselsberg. Diesmal kann ich das letzte Stück nicht fahren, die scheiß Strömung ;-)…

Die zweite Verpflegung, betreut vom Himalaja-Expeditionskorps… Noch ein Schnittchen und noch ein Becherchen… Die Mädels sind einfach Spitze… Das schlimmste hab ich hinter mir, jetzt gehts nur noch bergab. Der Trail neben der Strasse ist komplett geflutet. Seepferdchen in Gold und Rettungsschwimmer in einem… Am Datenberg, das Ziel schon fast in Sicht, das nächste Malheur. Das Vorderrad „schwimmt“. Keine Luft mehr, das darf doch nicht wahr sein… Montieren kann ich nicht, die Hände… Der Kerl auf dem Quad freut sich schon… Ich soll über den Downhill runter, das wäre am kürzesten. Ja spinnt der? Ich hab mich doch nicht bis hier her gequält, um 2 km vor dem Ziel aufzugeben… Da wird eben gejoggt… Der Kerl sieht mich komisch an. Nach 600 Metern merkt der Quad-Fahrer, dass ichs ernst meine und da fällt ihm ein, dass er einen Kompressor dabei hat, na super. Keine 2 Minuten ist wieder Luft drauf, und 5 Minuten danach rausche ich ins Ziel…

Geschafft….Zu irgenwelchen Gefühlsregungen bin ich nicht mehr in der Lage, der Schlamm hat mein Gesicht mit ner zentimeterdicken Schlammpackung zugekleistert…

Viel länger hätte es nicht gehen dürfen…

Die Bremsen wollten auch nicht mehr…

Axel wurde übrigens 3. Gesamt und 1. in der AK

Herzlichen Dank den fleißigen Helfern an der Strecke, bei der Arschkälte bestimmt kein leichter Job.

Spezial Thanks übrigens an das Himalaja-Expeditions-Korps, die Marine-Aufklärungsstaffel, die DLRG, den Seenotkreuzer Wilhelmshaven und die Seehund-Rettungsstaffel, dass heute keiner abgetrieben wurde…

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Eine Antwort zu Inselsberg-Marathon 2013

  1. Andreas Martin schreibt:

    Da lauf ich lieber Marathon ! 🙂

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